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Mata Fina und Recôncavo (Brasilien)
Zwischen der Allerheiligenbucht und den Hochflächen um Cruz das Almas wächst ein Tabak, der seine Herkunft nicht versteckt: dunkel, ölig und von einer natürlichen Süße, die Kenner an Kakao und Melasse denken lässt. Kleinbauern ziehen ihn im Recôncavo Baiano seit der Kolonialzeit in voller Sonne, und über Bremen und Hamburg prägte er lange den Geschmack europäischer Zigarren. Diese Seite erklärt die Lagen von Mata Fina bis Arapiraca, führt durch Ernte, Trocknung und Fermentation und zeigt, warum Bahia-Tabak auf Maduro-Deckblättern und in kräftigen Einlagen so geschätzt ist.
| Lage | Recôncavo Baiano rund um die Baía de Todos os Santos im Bundesstaat Bahia; Kerngebiet Mata Fina um Cruz das Almas, dazu Arapiraca im Agreste von Alagoas |
|---|---|
| Klima und Boden | Tropisch-feucht; in Cruz das Almas rund 1.100 mm Regen im Jahr, vor allem von April bis Juli; leichte, tiefgründige, sandige bis sandig-lehmige Böden auf flachen Hochflächen |
| Lagen und Sorten | Mata Fina, Mata Norte, Mata Sul und Arapiraca; klassische Sorte Brasil-Bahia, daneben Cubra und Sumatra-Saat |
| Anbau und Trocknung | Sonnenanbau; Ernte meist als ganze Pflanze, Deckblätter auch blattweise; Lufttrocknung in der Scheune (Galpão), teils auch unter freiem Himmel |
| Aromaprofil | Natürlich süß und erdig; Kakao, dunkle Schokolade, Kaffee, Leder – Mata Norte würziger, Arapiraca schwerer mit Melassenoten |
| Verwendung | Natural-, Maduro- und Oscuro-Deckblätter, Umblätter und Einlagen; Zigarillos und Zigarren nach „Brasil“-Art |
| Handelsgeschichte | Kolonialer Rollentabak über Cachoeira und Salvador; im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts vor allem nach Hamburg und Bremen; deutsche Gründungen wie Dannemann (1873) und Suerdieck (1892) |
Bahias Tabakland an der Allerheiligenbucht
Recôncavo bedeutet wörtlich etwa „Einbuchtung“ und meint das Land, das die Baía de Todos os Santos umschließt, an deren Eingang Salvador liegt: ein weiter Bogen aus Hügeln, Flusstälern und flachen Hochflächen, durchzogen vom Paraguaçu und kleineren Flüssen. Am Paraguaçu stehen sich die alten Tabakstädte Cachoeira und São Félix gegenüber, oberhalb auf der Hochfläche liegen Cruz das Almas und Muritiba, weiter nördlich São Gonçalo dos Campos. Zwischen diesen Orten wächst der Tabak, den der Zigarrenhandel als Mata Fina kennt.
Mengenmäßig spielt Bahia in Brasilien eine Nebenrolle: Nach Zahlen seines Agrarministeriums entfiel 2005 gut ein Prozent der Landesernte auf den Bundesstaat. Den Löwenanteil – Virginia und Burley für Zigaretten – liefern die Südstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná, zusammen weit über 90 Prozent. Der Nordosten mit Bahia und Alagoas hat sich dagegen auf dunklen, luftgetrockneten Zigarrentabak spezialisiert, und in Bahia konzentriert sich die Zigarrenfertigung des Landes. Wie sich diese Tabaktypen unterscheiden, zeigt die Seite Tabaksorten.
Kolonialzeit: Rollentabak zwischen Zucker und Atlantik
Tabak gehört seit dem 17. Jahrhundert zum Recôncavo. Während an den Ufern der Bucht Zuckerrohrplantagen mit ihren Mühlen lagen, wuchs er auf den leichteren, höher gelegenen Böden im Hinterland von Cachoeira. Er galt als Kultur der kleinen Leute: Man brauchte wenig Land, viele Pflanzer arbeiteten mit der eigenen Familie und, solange in Brasilien die Sklaverei bestand, oft mit einigen wenigen versklavten Arbeitskräften; auf denselben Höfen wuchs Maniok. Cachoeira wurde zum Umschlagplatz, von dem Boote die Ernte den Paraguaçu hinab nach Salvador brachten.
Zu dieser Herkunft gehört ein dunkles Kapitel. Gehandelt wurde der Tabak damals als Rollentabak, zu Seilen gedreht. Die besseren Qualitäten gingen unter dem Monopol der portugiesischen Krone nach Lissabon, die einfacheren, mit Melasse bestrichen, vor allem im 18. Jahrhundert an die Bucht von Benin, wo man sie gegen versklavte Menschen tauschte. Der Tabak des Recôncavo war damit unmittelbar in den transatlantischen Sklavenhandel verstrickt. Den weiteren Rahmen zeichnet die Seite Geschichte.
Bremen, Hamburg und die deutschen Zigarrenhäuser
Im 19. Jahrhundert drehte sich der Handel nach Norden. Im letzten Drittel des Jahrhunderts ging der größte Teil des Bahia-Tabaks nach Hamburg und Bremen, und deutsche Handelshäuser beherrschten das Exportgeschäft bis zum Ersten Weltkrieg: Sie kauften bei den Bauern, ließen in eigenen Lagerhäusern sortieren und zu Ballen pressen und verschifften über Salvador. In den deutschen Zigarrenfabriken wurde „Brasil“ zum Begriff für dunklen, würzig-süßen Tabak; als Sortenangabe steht das Wort bis heute auf manchen Zigarillopackungen.
Manche Kaufleute wurden Fabrikanten. Gerhard Dannemann aus Bremen, in Bahia Geraldo genannt, eröffnete 1873 in São Félix eine Zigarrenfabrik mit sechs Beschäftigten; um 1910 arbeiteten für die Firma rund 4.000 Menschen in sieben Fabriken. August Suerdieck aus Melle bei Osnabrück kam 1888 als Aufseher eines deutschen Handelshauses nach Cruz das Almas, machte sich 1892 als Tabakexporteur selbstständig und ließ ab 1905 in Maragogipe auch Zigarren rollen. Der Zweite Weltkrieg nahm dem Bahia-Tabak seinen größten Abnehmer, den europäischen Markt. Dannemanns Betriebe wurden im Krieg enteignet und von der Banco do Brasil verwaltet; nach der Rückgabe folgte 1954 der Konkurs, die Marke lebte in anderen Händen weiter. Suerdieck dagegen wuchs zum größten Zigarrenhersteller Brasiliens und schloss erst um die Jahrtausendwende sein letztes Werk. Ruinen alter Fabriken erinnern im ganzen Recôncavo an diese Zeit.
Klima und Böden: Regenzeit und leichte Hochflächen
Das Recôncavo ist tropisch-feucht und ganzjährig warm, nur von Juni bis August wird es etwas kühler. In Cruz das Almas, auf gut 200 Metern Höhe, fallen im Jahr etwa 1.100 Millimeter Regen, der größte Teil zwischen April und Juli. Nach diesem Rhythmus richtet sich das Tabakjahr: Gepflanzt wird mit dem Regen, geerntet, wenn er nachlässt, getrocknet und fermentiert in den trockeneren Monaten danach. Nach Norden wird das Land trockener, nach Süden hügeliger und regenreicher.
Die Kernlagen um Cruz das Almas liegen auf den Tabuleiros, flachen Hochflächen mit tiefgründigen, oft gelblichen, sandigen bis sandig-lehmigen Böden, die Wasser rasch versickern lassen und wenig Nährstoffe halten. Solche Böden liefern eher dünne, fein strukturierte Blätter; die botanischen Grundlagen erklärt die Seite Die Tabakpflanze. Den Rest besorgt der Pflanzer: Schon 1944 hielt der Agronom Carlos Barbosa in einer Schrift des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums fest, dass sparsam gedüngter Bahia-Tabak leichter und milder ausfällt, kräftig gedüngter schwerer.
Mata Fina, Mata Norte, Mata Sul: die Lagen
Die Namen stammen aus der Vegetation. „Mata“ heißt Wald und bezeichnete die einst bewaldete Zone im Unterschied zur trockenen Caatinga und zum Sertão; schon eine amtliche Klassifizierung von 1942 ordnete den Bahia-Tabak nach solchen Zonen. „Fina“ heißt fein oder dünn. Heute steht Mata Fina für den Tabak aus dem Kern des Recôncavo um Cruz das Almas, mit Nachbargemeinden wie Muritiba, Sapeaçu und Governador Mangabeira; seine Blätter gelten als die feinsten der Region.
Auch São Gonçalo dos Campos zählt zur Mata Fina, und sein Name taucht schon in der Sortengeschichte auf: Barbosa nannte die Sorte Brasil-Bahia die beste für Zigarren und vermerkte, dass sie früher als „São Gonçalo“ berühmt war. Die Klassifizierung von 1942 kannte vier Anbauzonen – Mata, Caatinga, Feira und Sertão – und fasste den ganzen Kern des Recôncavo von Cachoeira über Cruz das Almas bis Amargosa zu einer einzigen Zone Mata zusammen. Inzwischen unterscheidet man feiner: Die Mata Norte im trockeneren Norden des Recôncavo liefert dickere, dunklere Blätter; die Mata Sul im hügeligen Süden spielt heute nur noch eine kleine Rolle. Daneben wächst in Bahia Sumatra-Saat für hellere Deckblätter.
| Lage | Wo | Klima und Boden | Blatt und Aroma | Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| Mata Fina | Kern des Recôncavo zwischen Cruz das Almas und São Gonçalo dos Campos | reichlich Regen, leichte, sandige Böden | fein, geschmeidig, dunkelbraun; süß, erdig, Kakao | Deckblatt (Natural, Maduro, Oscuro), Umblatt, Einlage |
| Mata Norte | trockenerer Norden des Recôncavo | weniger Regen, sandige bis lehmige Böden | dicker, dunkler; würzig, Kaffee, Nuss | vor allem Einlage |
| Mata Sul | hügeliger Süden bis Santo Antônio de Jesus und Amargosa | regenreich, fruchtbar, steile Hänge | mild und aromatisch | heute nur kleine Mengen |
| Arapiraca | Agreste von Alagoas | Übergangsklima zwischen Küste und Sertão, sandige Böden | dick, ölig, sehr dunkel; erdig, Melasse, Kakao | Maduro-Deckblatt, Einlage, Rollentabak |
Arapiraca: das Tabakland von Alagoas
Jenseits des Rio São Francisco liegt die zweite große Adresse für dunklen Tabak. Arapiraca im Agreste von Alagoas, zwischen feuchter Küste und trockenem Sertão, gilt im Nordosten bis heute als „Terra do Fumo“, als Land des Tabaks. Der Aufstieg begann um 1950: Firmen für Aufbereitung und Export ließen sich in der Stadt nieder, und Händler aus Bahia kauften hier ein, um über Salvador zu verschiffen. Der Aufschwung durchbrach die Tradition des Großgrundbesitzes, die Alagoas mit seinem Zuckerrohr prägte: Tabak war hier eine Sache kleiner Familienbetriebe. Zwischen 1955 und 1965 verdreifachte sich die Ernte, und der Tabak von Arapiraca gewann in ganz Brasilien einen guten Ruf. Seine Blütezeit erlebte er zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren, als zahlreiche Lagerhäuser ihn verarbeiteten und verpackten.
Hergestellt wurde vor allem Fumo de corda, gedrehter Rollentabak für den brasilianischen Binnenmarkt: Die Blätter werden getrocknet, von Hand entrippt, zu Strängen gedreht und auf großen Haspeln, den Sarilhos, zwei bis drei Monate in der Sonne nachgereift; dabei wechseln die Stränge immer wieder von einer Haspel auf die nächste. Daneben ging dunkler Blatttabak in den Export, noch in den 2000er-Jahren vielfach über den Hafen von Salvador. Seit den 1990er-Jahren ist der Anbau stark geschrumpft; heute tragen ihn vor allem Kleinstbetriebe auf wenigen Hektar. Das Arapiraca-Deckblatt ist dicker, öliger und dunkler als Mata Fina, wird meist zum Maduro fermentiert und schmeckt erdig, mit Noten von Melasse, Kakao und Nüssen; international bekannt machte es unter anderem die CAO Brazilia.
Sonnenanbau, Ernte und Trocknung
Anders als Schattentabake, die unter Tuch oder natürlicher Wolkendecke heranwachsen, steht Bahia-Tabak in der Regel in voller Sonne. Das Blatt wird kräftiger und öliger und hält später eine lange Fermentation aus. Traditionell wird die ganze Pflanze geschnitten und das Blatt am Stängel getrocknet; Blätter für Deckblätter werden vielfach einzeln gepflückt. Die klassischen Arbeitsschritte hat Barbosa festgehalten:
- Saatbeet: Die staubfeinen Samen keimen in Beeten, gesät in mehreren Etappen, um auf den Regen reagieren zu können.
- Auspflanzen: Gepflanzt wird bei Regen oder zwischen zwei Schauern, in engen Reihen auf gelockertem, gedüngtem Boden.
- Pflege: Hacken und wieder hacken. „Ein Jätgang ist so viel wert wie ein Regen“, lautet eine alte Pflanzerregel; Erdraupen sammelt man frühmorgens von Hand ab.
- Köpfen und Ausgeizen: Die Blütenknospen werden ausgebrochen, bevor sie sich öffnen, die Seitentriebe laufend entfernt. Nur ein kräftiger Trieb weit unten bleibt stehen, die Soca, aus der nach dem Schnitt eine zweite, kleinere Ernte nachwächst.
- Schnitt: An einem trockenen Tag, morgens nach dem Tau oder am Nachmittag, wird die Pflanze knapp oberhalb der Soca abgeschnitten.
- Estaleiro: Zwölf bis fünfzehn Pflanzen hängen an einer rund zwei Meter langen Stange zwei bis drei Tage auf einem offenen Gestell; das macht die Farbe heller und gleichmäßiger. Regen darf sie dabei nicht treffen.
- Galpão: In der Trockenscheune hängen die Stangen mit Abstand, damit sich die Blätter nicht drücken. Nach 35 bis 45 Tagen sind auch die Mittelrippen trocken; bei feuchtkaltem Wetter stellte man früher Glutbecken gegen Fäulnis auf.
- Abnehmen: In der Nacht davor öffnet man Türen und Fenster, damit die Nachtfeuchte die spröden Blätter geschmeidig macht. Dann streift man sie vom Stängel und bündelt je sieben bis zehn gleich lange Blätter zu einer Manoca, zusammengebunden mit einem weiteren Blatt.
Nicht jeder Tabak kam unter Dach: Teils trocknete man die Blätter auch unter freiem Himmel. Die Klassifizierung von 1942 kannte Scheunentabak (TG, tabaco de galpão) und künstlich getrockneten Tabak (TE, tabaco de estufa); für Blätter, die „ao sol e ao tempo“ trockneten, an Sonne und Wetter, ließ sie nur vorläufig eine dritte Kategorie zu, TS.
Fermentation: Manocas, Pilhas und Geduld
Die erste Fermentation beginnt auf dem Hof. Die Manocas werden in einem trockenen, dunklen Raum auf einem Holzpodest geschichtet, die Köpfe nach außen, bis etwa 1,20 Meter hoch; Bretter obenauf erhöhen den Druck. Die Restfeuchte setzt eine Gärung in Gang, der Stapel erwärmt sich, und wird es zu heiß, setzt man ihn um. Nach 40 bis 60 Tagen wird er gewendet – was außen lag, kommt nach innen – und ruht noch einmal ähnlich lang. Gut fermentierter Tabak ist danach kastanien- bis dunkelbraun und riecht, so Barbosa, leicht nach Ammoniak und pikant; die Rundung bringt erst die weitere Reife.
Danach übernehmen Exporteure und Manufakturen. In ihren Lagerhäusern wird der Tabak angefeuchtet, sortiert, entrippt und in großen Stapeln, den Pilhas, weiter fermentiert, bevor er in Ballen reift. Für Maduro-Deckblätter fermentiert Mata Fina länger und wärmer, bis das Blatt beinahe schwarz ist; gute Maduros erreichen diese Farbe allein durch die Fermentation. Vom Saatbeet bis zur fertigen Zigarre vergehen oft zwei bis drei Jahre. Die Chemie dahinter beschreibt die Seite Verarbeitung.
Süß und erdig: wie Bahia-Tabak schmeckt
Das Idealblatt beschrieb die Klassifizierung von 1942 genau: reif, kastanienbraun, auf beiden Seiten gleichmäßig gefärbt, aromatisch, geschmeidig und feinadrig, mit weißer, fest zusammenhaltender Asche. In heutigen Verkostungsnotizen kehrt vor allem ein Wort wieder: Süße. Mata Fina gilt als eher mild bis mittelkräftig, natürlich süß und erdig, mit Noten von Kakao, dunkler Schokolade, Kaffee und Leder; Mata Norte wirkt voller und würziger, Arapiraca schwerer, mit Melasse und feuchter Erde.
Woher die Süße kommt, lässt sich nur zum Teil erklären: Die Sonne lässt ein kräftiges, öliges Blatt wachsen, das langsam am Stängel trocknet, und die lange Fermentation baut Schärfe und Ammoniak ab. Bei Maduro-Zigarren trägt das Deckblatt viel zur Süße bei. Dazu passen Getränke mit eigener Süße und Röstnoten, etwa kräftiger Kaffee oder gereifter Rum – mehr auf der Seite Tabak und Getränke.
Praxistipp: Angaben wie „Brazil Mata Fina“, „Arapiraca“ oder schlicht „Brasil“ beziehen sich meist auf ein einzelnes Blatt, häufig das Deckblatt. Wer den Charakter der Region unverfälscht kennenlernen möchte, wählt einen Puro, bei dem Einlage, Umblatt und Deckblatt aus Bahia stammen, und nimmt vor dem Anzünden einige kalte Züge: Schon dann zeigt sich die typische Süße auf den Lippen. Wie man sauber anschneidet, zeigt die Seite Zigarre anschneiden und anzünden.
Maduro-Deckblatt, Umblatt, Einlage: Bahia in der Zigarre
Unter Kennern gilt Mata Fina als das bekannteste brasilianische Deckblatt. Als Natural-Deckblatt zeigt es ein warmes Dunkelbraun, als Maduro oder Oscuro ein tiefes Schokoladenbraun bis Schwarz; das ölige Sonnenblatt steckt eine lange, warme Fermentation weg, an der zartere Blätter zerbrechen würden. Was Natural, Maduro und Oscuro unterscheidet, erklärt das Glossar. Mindestens so wichtig ist Bahia-Tabak im Inneren: Als Einlage gibt er Mischungen aus der Dominikanischen Republik, Nicaragua oder Honduras Tiefe und runde Süße, als Umblatt Halt und Würze. Davidoff etwa setzt in der Linie Escurio auf Mata Fina und die kräftige Sorte Cubra aus Bahia.
In Europa hat Bahia-Tabak eine lange Tradition in Zigarillos und Zigarren nach „Brasil“-Art, oft als dunkler Gegenpol zu hellem Sumatra. Und es gibt Zigarren, die ganz aus Bahia stammen: In São Gonçalo dos Campos gründeten Mitglieder der aus Havanna stammenden Zigarrenfamilie Menéndez gemeinsam mit einer Tabakfamilie der Region die Manufaktur Menendez Amerino. Ende der 1990er-Jahre war sie nach Suerdieck der zweitgrößte Zigarrenhersteller Bahias; bekannt ist sie für die Marke Dona Flor und die Linie Alonso Menendez.
Kleinbauern, Lagerhäuser und die Frauen am Tisch
Tabak aus Bahia ist ein Produkt kleiner Höfe. Nach Zahlen, die das Agrarministerium von Bahia Mitte der 2000er-Jahre veröffentlichte, bewirtschafteten rund drei Viertel der Tabakbauern weniger als fünf Hektar; der Tabak selbst stand im Schnitt auf knapp zwei Hektar, eingebunden in eine Fruchtfolge mit Mais, Bohnen und Maniok. Ein Teil der Bauern arbeitet im Vertragsanbau für Exporteure und Manufakturen, andere verkaufen frei, manche pflanzen nur, wenn die Preise der letzten Ernte gut waren. Die Arbeitsteilung ist alt: Schon 1944 beschrieb Barbosa, dass die Arbeit des Bauern fast immer mit der ersten Fermentation auf dem Hof endete. Den Rest übernahm der Enfardador, wörtlich der Ballenpacker: ein Aufkäufer, der den Tabak zu Ende fermentierte, sortierte und in Ballen presste.
In Lagerhäusern und Manufakturen ist die Arbeit weitgehend Frauensache. Destaladeiras ziehen die Mittelrippen aus den Blättern, Charuteiras rollen Umblatt und Deckblatt um die Einlage – nicht selten in Familien, in denen schon Eltern und Großeltern für Suerdieck oder Dannemann gearbeitet haben. Auch in Arapiraca entrippten vor allem Frauen den Tabak, und bei der Arbeit wurde gesungen: Zezito Guedes hat diese Arbeitslieder 1978 in seinem Buch „Cantiga das destaladeiras de fumo de Arapiraca“ festgehalten.
Cruz das Almas und die Manufakturen heute
Cruz das Almas, eine Landstadt mit rund 60.000 Einwohnern, ist das Zentrum der Mata Fina. Neben Tabak prägen Zitrusfrüchte und Maniok die Landwirtschaft; die Stadt ist Sitz der Bundesuniversität des Recôncavo und eines Forschungszentrums der Agrarforschung Embrapa, und im Juni feiert sie ihr berühmtes Fest São João. Ab 1935 ließ Suerdieck auch hier Zigarren rollen, anfangs mit 50 Beschäftigten, zehn Jahre später mit 500.
Mit dem Ende der großen Häuser ist das Handwerk nicht verschwunden. In Cruz das Almas und den Nachbarorten arbeiten mehrere kleine und mittlere Manufakturen, die Zigarren von Hand aus Tabak der Region rollen. Mitte der 2000er-Jahre zählte das Agrarministerium von Bahia mehr als sieben traditionelle Zigarren- und Zigarillohersteller in der Mata Fina, und Bahia stellte rund drei Viertel des Werts der brasilianischen Zigarren- und Zigarilloexporte. In São Félix richtete Dannemann Ende der 1980er-Jahre am Flussufer ein Kulturzentrum mit Schaumanufaktur ein, in der Frauen vor Publikum Zigarren von Hand rollten. Wer die Region bereist und Zigarren mitbringen möchte, findet die Regeln auf der Seite Reisen mit Tabak.
Quellen
- Carlos Barbosa: Cultura do fumo. Ministério da Agricultura, Serviço de Documentação, Rio de Janeiro 1944 (PDF) – Anbau, Trocknung, Fermentation und Klassifizierung des Brasil-Bahia – https://repositorio-dspace.agricultura.gov.br/bitstream/1/5986/1/1944%20SIA%20206.pdf
- José Mário Carvalhal de Oliveira: A cultura do fumo na Bahia: refletindo sobre a Convenção-Quadro. Bahia Agrícola 7 (2), 2006 – Secretaria da Agricultura da Bahia (PDF); herangezogen für Anbau- und Exportzahlen – https://www.ba.gov.br/seagri/sites/site-seagri/files/migracao_2024/arquivos/files/socioeconomia5_v7n2.pdf
- Dannemann Cigarrenfabrik – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Dannemann_Cigarrenfabrik
- Suerdieck Charutos – Wikipédia (portugiesisch) – https://pt.wikipedia.org/wiki/Suerdieck_Charutos
- Daniel Alves dos Santos: Arapiraca no estado de Alagoas – história, discurso e (arte)fatos na invenção da terra do fumo (1950–1990). Masterarbeit, Universidade Federal de Sergipe, 2020 – https://ri.ufs.br/handle/riufs/14054
Häufige Fragen
- Ist Mata Fina eine Region oder eine Tabaksorte?
Beides. Mata Fina ist zunächst eine Herkunftsangabe für die Kernzone des Tabakanbaus im Recôncavo Baiano rund um Cruz das Almas. Im Zigarrenhandel steht der Name zugleich für den dort gewachsenen dunklen Sonnentabak, der als Deckblatt, Umblatt und Einlage dient. Die klassische Sorte der Region heißt Brasil-Bahia; daneben werden weitere Sorten wie Cubra angebaut.
- Warum ist brasilianischer Zigarrentabak so dunkel und süß?
Die Bahia-Tabake bilden in voller Sonne kräftige, ölige Blätter, die traditionell langsam am Stängel trocknen und danach lange in großen Stapeln fermentieren. Dabei werden sie kastanien- bis dunkelbraun, Schärfe und Ammoniak gehen zurück, und eine natürliche Süße tritt hervor. Für Maduro-Deckblätter wird länger und wärmer fermentiert, bis das Blatt fast schwarz ist; bei guten Maduros entsteht diese Farbe allein durch die Fermentation.
- Was unterscheidet Mata Fina von Arapiraca?
Mata Fina stammt aus dem Recôncavo in Bahia, Arapiraca aus dem Agreste des weiter nördlich gelegenen Bundesstaats Alagoas. Das Arapiraca-Blatt ist dicker, öliger und dunkler, wird meist als Maduro verarbeitet und schmeckt schwerer und erdiger, mit Melassenoten. Mata Fina gilt als feiner und geschmeidiger, natürlich süß mit Anklängen an Kakao und Kaffee.
- Welche Rolle spielten Bremen und Hamburg für den Bahia-Tabak?
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ging der größte Teil des Bahia-Tabaks in die beiden Hansestädte, und deutsche Handelshäuser beherrschten das Exportgeschäft bis zum Ersten Weltkrieg. Einige Kaufleute gründeten eigene Unternehmen in Bahia, etwa Gerhard Dannemann aus Bremen 1873 in São Félix oder August Suerdieck 1892 in Cruz das Almas. In Deutschland wurde „Brasil“ zum Begriff für dunklen, würzig-süßen Zigarrentabak.
- Kann man die Tabakregion besuchen?
Ja. Die Kolonialstädte Cachoeira und São Félix am Paraguaçu sind von Salvador aus gut zu erreichen, und in Cruz das Almas, São Gonçalo dos Campos und den Nachbarorten arbeiten Zigarrenmanufakturen. In der Regenzeit, etwa von April bis Juli, stehen die Felder; danach trocknen die Pflanzen in den Scheunen.