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Kentucky und Tennessee
Kaum irgendwo liegen zwei so gegensätzliche Tabakwelten so nah beieinander: Im Hügelland um Lexington trocknet der Burley wochenlang im Luftzug hoher Holzscheunen, im Westen Kentuckys und im Norden Tennessees zieht Hartholzrauch durch verschlossene Scheunen und färbt den Dark Fired fast schwarz. Diese Seite führt durch Bluegrass und Black Patch, erklärt Ernte, Scheunen und Feuertrocknung, beschreibt die Aromen beider Tabake und ihren Weg in Pfeife, Kau- und Schnupftabak – und erzählt von den Tabakkriegen und vom Wandel bis heute.
| Lage | Burley im Bluegrass um Lexington sowie in Mittel- und Osttennessee; Dark Fired im Black Patch im Südwesten Kentuckys und im Norden Tennessees |
|---|---|
| Böden und Klima | Im Inner Bluegrass tiefgründige, phosphatreiche Schluffböden über Kalkstein, im Black Patch Karst- und Lössebenen; warm-feuchte Sommer, im Bluegrass rund 1.200 bis 1.300 mm Niederschlag im Jahr |
| Tabaktypen | Burley (US-Typ 31, luftgetrocknet); Dark Fired (Typ 22 östlich, Typ 23 westlich des Tennessee River); dazu dunkle luftgetrocknete Tabake wie One Sucker und Green River |
| Trocknung | Burley acht Wochen und mehr im Luftzug offener Scheunen; Dark Fired rund fünf bis sechs Wochen über schwelendem Eichen- und Hickoryholz unter Sägemehl |
| Meilensteine | 1788 Tabakinspektion in Clarksville, 1864 erster White Burley, 1904 Gründung der Planters’ Protective Association in Guthrie, Mitte der 1950er-Jahre Burley 21, 2004 Ende des Quotensystems |
| Anbau heute | 2024 Burley auf rund 11.600 ha, davon gut 10.000 ha in Kentucky; Dark Fired auf rund 3.400 ha (USDA; erfasst nur noch Kentucky und Tennessee); 984 Tabakbetriebe in Kentucky laut Agrarzensus 2022 |
| Verwendung | Burley: American-Blend-Zigaretten, Pfeifen- und Kautabak; Dark Fired: feuchter Oraltabak, Plug und Twist, Snuff, dunkle Pfeifenflakes, Zigarren |
Zwei Tabakwelten in einem Land
Wer im Spätsommer von Lexington nach Südwesten fährt, durchquert zwei Tabaklandschaften. Im Bluegrass stehen hohe, oft schwarze Scheunen mit geöffneten Wandklappen, durch die der Wind den hängenden Tabak trocknet. Einige Autostunden weiter, um Hopkinsville, Clarksville und Mayfield, sind die Scheunen verschlossen, und aus den Fugen dringt Rauch. Hier reift der Burley, dort der Dark Fired – zwei Tabake aus demselben Klima, die im Rauch kaum etwas gemeinsam haben. Kentucky erntete 2024 den weitaus größten Teil des amerikanischen Burley, und fast der gesamte Dark Fired der USA stammt aus Kentucky und Tennessee. Die Seite Tabaksorten stellt beide im Kreis der großen Welttypen vor; dieser Beitrag erzählt von Landschaften, Scheunen und Menschen.
Das Bluegrass: Kalkstein, Gras und ein blasser Zufall
Das Herz des Burley-Landes ist das Inner Bluegrass um Lexington, eine sanft gewellte Ebene mit flachen Dolinen, Pferdekoppeln und Bretterzäunen. Aus der Verwitterung alter Kalksteine sind hier tiefgründige, gut durchlässige und ungewöhnlich phosphatreiche Schluffböden entstanden, denen die Geologen außergewöhnliche Fruchtbarkeit bescheinigen. Rund 1.200 bis 1.300 Millimeter Niederschlag im Jahr, schwüle Sommer und meist milde Herbste tun ein Übriges; welchen Anteil Boden und Klima am Charakter des Blattes haben, beschreibt die Seite Die Tabakpflanze.
Den hellen Burley verdankt die Region einem Zufall am anderen Ufer des Ohio. 1864 zogen George Webb und Joseph Fore bei Higginsport in Ohio Pflanzen aus Saatgut des Bracken County in Kentucky, und einige davon blieben auffällig blass. Der „White Burley“ trocknete hell, schmeckte milder und nahm Sirup und Lakritzsoße bereitwillig auf – genau das, was die Hersteller von gepresstem Kautabak suchten. 1867 wurde die erste Ernte in St. Louis verkauft, 1883 war Cincinnati ihr wichtigster Markt, und bald wuchs der neue Tabak im ganzen mittleren Kentucky und in Mittel-Tennessee.
Im 20. Jahrhundert wurde Lexington zur Hauptstadt des Burley: Zu Beginn des Jahrhunderts entstanden dort die ersten Auktionslager für losen, nicht in Fässer gepressten Tabak, lange galt die Stadt als größter Burley-Markt der Welt, und von Thanksgiving bis in den Januar zogen die Auktionatoren im Sprechgesang an Körben voller gebündelter Blätter entlang. In Tennessee spielte Greeneville diese Rolle; in der 1932 gegründeten Versuchsstation vor der Stadt entstand Burley 21, Mitte der 1950er-Jahre freigegeben und eine der ersten Tabaksorten mit Resistenz gegen die Bakterienkrankheit Wildfeuer.
Ein Burley-Jahr: vom Setzling zum Ballen
Burley trocknet scheinbar von selbst, verlangt aber Arbeit vom Frühjahr bis in den Winter:
- Anzucht: Die staubfeinen Samen keimen in Anzuchtplatten, die im Gewächshaus auf Wasser schwimmen; nach sieben bis zehn Wochen sind die Setzlinge bereit.
- Auspflanzen und Köpfen: Im Mai und Juni kommen sie aufs Feld, im Hochsommer bricht man die Blütenstände aus, damit die Kraft in 20 bis 24 Blätter geht.
- Ernte: Drei bis fünf Wochen später, wenn die oberen Blätter gelbgrün schimmern, schlägt man die ganze Pflanze mit dem Tabakbeil ab und spießt sie auf einen Holzstock, höchstens sechs Pflanzen je Stock.
- Welken: Einige Tage bleiben die Stöcke auf dem Feld; der angewelkte Tabak ist bis zu einem Fünftel leichter und bricht weniger.
- Trocknen: In der Scheune hängt er Etage über Etage, oft acht Wochen und mehr, bis auch Rippen und Stängel trocken sind.
- Abnehmen und Strippen: An feuchten Tagen, wenn die Blätter wieder geschmeidig sind – „in case“, sagen die Pflanzer –, wird abgehängt. Im Winter streift man die Blätter von Hand ab und sortiert sie nach Stängelposition, von unten nach oben: Flyings, Lugs, Leaf und Tips.
- Verpacken: Früher wurden die Blätter zu „Hands“ gebündelt und auf Körben versteigert, ab den 1980er-Jahren in kleine Ballen gepresst; heute gehen sie meist in große Ballen von bis zu 750 Pfund, rund 340 Kilogramm.
Hohe Scheunen und die Kunst der Lufttrocknung
Die Burley-Scheune ist das Wahrzeichen des Bluegrass: ein schlichter Längsbau unter einem Satteldach, mit einer Durchfahrt in der Mitte und waagerechten Balken, den Tier Rails, die in drei bis fünf Etagen die Tabakstöcke tragen. Zwischen den senkrechten Wandbrettern sitzen lange, schmale Klappen, die zusammen ein Viertel bis ein Drittel der Wand ausmachen sollen. Viele Scheunen sind schwarz gestrichen – ob der Anstrich Sonnenwärme einfangen sollte oder schlicht das billige, teerhaltige Holzschutzmittel der Gegend war, darüber gehen die Erklärungen auseinander.
Die Trocknung ist Wetterarbeit. Zwei Wochen lang vergilbt das Blatt, zwei weitere wird es braun, und der Pflanzer steuert allein mit den Klappen. Trocknet der Tabak zu schnell, bleibt er grünstichig oder gelb gescheckt; hält sich feuchtwarme Luft tagelang im Behang, droht der „Houseburn“, eine Fäulnis, die das Blatt dunkel und leicht macht. Als ideal gelten heute Tagesmittel von 72 bis 75 Prozent Luftfeuchte, denn die Käufer wünschen inzwischen ein dickeres, rot- bis dunkelbraunes Blatt statt des blassen White Burley früherer Jahrzehnte. Ein Beratungsdienst der Universität von Kentucky wertet dafür ein landesweites Netz von Wetterstationen aus und empfiehlt, wann die Klappen offen stehen sollen. Was chemisch im Blatt geschieht, beschreibt die Seite Verarbeitung.
Neben den Scheunen stehen heute auch einstöckige, folienüberdachte Trockengerüste auf dem Feld: billiger als eine Scheune, ohne gefährliches Klettern in die oberen Etagen und in trockenen Jahren nicht selten mit besserem Ergebnis.
Der Black Patch: dunkler Tabak im Westen
Als Black Patch, „schwarzer Flecken“, bezeichnet man die rund dreißig Countys im Südwesten Kentuckys und im Norden Tennessees, benannt nach ihrem dunklen, früher schlicht „schwarz“ genannten Tabak. Östlich des Tennessee River wächst um Hopkinsville, Clarksville und Springfield der Typ 22 auf den Karstebenen des Pennyroyal und dem Highland Rim, westlich davon um Mayfield, Murray und Paducah der Typ 23 auf den lössbedeckten Ebenen der Jackson Purchase. Wie der Tabak die Region geprägt hat, zeigt das Pennyroyal Area Museum in Hopkinsville.
Hier war Tabak zu Hause, lange bevor der Burley kam. Clarksville am Cumberland River wurde 1788 Tabak-Inspektionsstelle, und 1858 verschifften seine Händler mehr als 18.000 Hogsheads, große Fässer voll gepresster Blätter, auf die internationalen Märkte. Zu den großen Abnehmern zählten die staatlichen Tabakmonopole Europas, die Regien; in Italien heißt der feuergetrocknete Tabak für die Toscano-Zigarre bis heute schlicht „Kentucky“.
Auch die Pflanze ist eine andere: niedriger geköpft, auf 16 bis 18 breite, schwere Blätter. Reif ist sie fünf bis sieben Wochen nach dem Köpfen, wenn die oberen Blätter dick und ölig sind und beim Knicken zwischen den Fingern brechen. Anders als der Burley welkt der Dark Fired nach dem Schnitt erst eine halbe Stunde bis einige Stunden am Boden, bevor er aufgespießt wird – nicht länger, denn in der Sonne holt sich das dunkle Blatt schnell einen Sonnenbrand. Die Feuerscheune soll binnen zwei Tagen gefüllt sein, damit ihr Inhalt im gleichen Takt vergilbt.
Eiche, Hickory und Sägemehl: die Feuertrocknung
Die Feuerscheune ist hoch, schmal und dicht verschalt, mit Klappen, die satt in ihren Rahmen schließen. Auf dem Erdboden legt der Pflanzer Reihen aus Hartholzschwarten aus – am liebsten abgelagerte Eiche und Hickory – und deckt sie mit grobem Sägemehl ab, das die Flammen erstickt und das Holz nur schwelen lässt. Nadelholz ist tabu, sein Harz gäbe dem Tabak fremde Töne. Die Universitäten von Kentucky und Tennessee beschreiben vier Phasen:
- Vergilben: Fünf bis acht Tage hängt der Tabak ohne Feuer. Dann folgen erste, rauchige Feuer um 38 °C; wer zu früh zu heiß feuert, „bläut“ das Blatt, es bleibt stumpf grünlich.
- Farbe setzen: Bei geschlossenen Klappen und 38 bis 46 °C färbt sich das Blatt über ein bis zwei Wochen gleichmäßig braun.
- Durchtrocknen: Mit mehr Hitze, aber nicht über 54 °C, trocknen Rippen und Stängel aus.
- Finish: Bei höchstens 49 °C erzeugen wenig Holz und viel Sägemehl so viel Rauch wie möglich; ein bis zwei langsame Feuer legen jene Rauchpatina auf das Blatt, die im Handel „Finish“ heißt und deren Stärke der Käufer vorgibt.
Insgesamt dauert die Feuertrocknung meist fünf bis sechs Wochen, und selbst die Anleitungen der Universitäten nennen sie mehr Kunst als Wissenschaft: Das Feuer soll schwelen, nicht brennen, und offene Flammen haben schon manche Scheune samt Ernte gekostet. Größere Betriebe legen heute breite Glutbetten statt vieler Querreihen und sparen so Holz, und auf Wunsch der Käufer wird seltener gefeuert als früher, vermutlich um Rückstände wie Benzo[a]pyren zu senken – die gesundheitliche Einordnung steht auf der Seite Gesundheit. Im August und September aber steigt über dem Black Patch noch immer Rauch aus den Scheunen, und der Geruch von Hickory liegt über dem Land.
Die Tabakkriege im Black Patch
Um 1900 geriet der Black Patch in eine Krise, die bis heute zum Gedächtnis der Region gehört. Der Tabaktrust um James B. Duke und die Einkäufer der europäischen Regien boten nicht mehr gegeneinander, sondern teilten die Countys unter sich auf, und die Preise fielen unter die Kosten des Anbaus. Am 24. September 1904 gründeten Tausende Farmer in Guthrie an der Grenze zu Tennessee die Planters’ Protective Association, um ihre Ernten gemeinsam zurückzuhalten, bis die Preise stiegen. Viele Pflanzer blieben jedoch draußen, zumal der Trust gerade ihnen mehr zahlte.
Aus dem Streit wurde Gewalt. Maskierte Night Riders zerstörten die Saatbeete von Pflanzern, die nicht mitmachten, peitschten sie und die Einkäufer des Trusts aus und brannten Scheunen und Lagerhäuser nieder, im Dezember 1906 in Princeton, ein Jahr später in Hopkinsville. Miliz, Verhaftungen und Prozesse beendeten den Terror bis etwa 1910; den Trust zerschlug 1911 der Oberste Gerichtshof, wie die Seite Geschichte erzählt, und die Pflanzervereinigung hielt sich bis zum Ersten Weltkrieg, der die europäischen Märkte verschloss. Auch im Burley-Land wehrten sich die Farmer, und zwar mit einem Anbaustreik: 1908 blieben vielerorts die Tabakfelder leer, bis der Trust einlenkte. Robert Penn Warren, 1905 in Guthrie geboren, machte die Night Riders 1939 zum Stoff seines ersten Romans, „Night Rider“.
Nussig und hell, rauchig und dunkel: die Aromen
Burley ist ein zurückhaltender Tabak, und darin liegt sein Wert. Nach der langen Lufttrocknung hat das Blatt seinen Zucker fast ganz veratmet; es ist hell- bis rotbraun, offenporig und saugfähig. Im Rauch zeigt es Walnuss, geröstete Haselnuss, ungesüßten Kakao und eine trockene Erdigkeit, dazu mehr Kraft, als seine Milde vermuten lässt. Weil es Soßen aufnimmt, ohne seinen Charakter zu verlieren, ist Burley in unzähligen Mischungen das Gerüst, das man kaum bemerkt, aber vermissen würde.
Dark Fired gibt sich dagegen sofort zu erkennen. Das dicke, ölige Blatt ist dunkel- bis schwarzbraun. In der Dose duftet der Tabak nach kaltem Kaminfeuer und Leder, im Rauch kommen Hickory, gebratener Speck, feuchte Erde und dunkles Brot hinzu, getragen von einer herben Süße. Er ist kräftig und nikotinreich und am schönsten in kleiner Dosis oder mit hellem Virginia. Mit dem Latakia verbindet ihn der Rauch, doch ihm fehlt dessen harziger Weihrauchton – mehr dazu unter Latakia und Perique.
| Merkmal | Burley | Dark Fired Kentucky |
|---|---|---|
| US-Typ | 31, luftgetrocknet | 22 (östlich des Tennessee River) und 23 (westlich davon), feuergetrocknet |
| Kerngebiete | Bluegrass um Lexington, Mittel- und Osttennessee | Black Patch um Hopkinsville, Clarksville, Springfield, Mayfield und Murray |
| Pflanze und Ernte | 20 bis 24 Blätter; drei bis fünf Wochen nach dem Köpfen, sofort aufgespießt | 16 bis 18 Blätter; fünf bis sieben Wochen nach dem Köpfen, erst am Boden angewelkt |
| Trocknung | luftige Scheune, acht Wochen und mehr, ohne Feuer | dichte Feuerscheune, fünf bis sechs Wochen über Eiche und Hickory, bis 54 °C |
| Sortierung | Flyings, Lugs, Leaf, Tips | Lugs, Seconds, Leaf; heute oft nur Lug und Leaf |
| Blatt | hell- bis rotbraun, offenporig, fast zuckerfrei | dunkel- bis schwarzbraun, dick, ölig, mit Rauchpatina |
| Aroma | Walnuss, Kakao, trockene Erde; kaum Süße | Hickoryrauch, Leder, Speck, Erde; herbe Süße |
| Verwendung | American-Blend-Zigaretten, Pfeifen- und Kautabak | Oraltabak, Plug und Twist, Snuff, Pfeifenflakes, Zigarren |
| Fläche und Ertrag 2024 (USDA, nur Kentucky und Tennessee) | rund 11.600 ha, gut 2,2 t je Hektar | rund 3.400 ha, knapp 3,6 t je Hektar |
Von der Pfeife bis zum Kautabak
Über ein Jahrhundert lang ging der größte Teil des Burley in die Zigarette: Die amerikanische Mischung aus Virginia, Burley und etwas Orient, die sich ab 1913 durchsetzte, brauchte ihn als soßenfreundlichen Gegenpol zum süßen Virginia, wie zigarette.com ausführlich erzählt. In der Pfeife trägt er die amerikanische Tradition schlichter, leicht gesoßter Mischungen, Plugs und Cube Cuts und in Europa viele Aromatics und dunkle Flakes, wie die Seite Mischungsfamilien zeigt. Neu ist der „Red Leaf“-Burley: dicker und dunkler, fast wie ein dunkler Tabak angebaut, als Beimischung für Oraltabak.
Dark Fired ist heute vor allem Rohstoff rauchloser Tabake, allen voran des feuchten Oraltabaks, den man in Amerika als „Moist Snuff“ zwischen Lippe und Zahnfleisch legt; in Hopkinsville verarbeitet ein großes Werk die dunklen Tabake der umliegenden Farmen. Dazu kommen Kautabak in Form gepresster Plugs und gedrehter Twists sowie trockener, fein gemahlener Snuff. Tabak zum oralen Gebrauch darf in der EU außer in Schweden nicht verkauft werden, Kau- und Schnupftabak dagegen schon, wie die Seite Recht und Steuer zusammenfasst. Europäische Genießer kennen den Kentucky daher vor allem aus der Pfeife, als Rückgrat dunkler Flakes mit Virginia, und aus der italienischen Toscano. Die schönsten, makellosen Blätter schließlich werden als Zigarrendeckblatt bis heute von Hand gebündelt.
Praxistipp: Den Unterschied schmeckt man am besten nacheinander: erst eine Pfeife mit reinem, unaromatisiertem Burley, dann eine mit einem Flake, dessen Beschreibung „Dark Fired“ oder „Kentucky“ nennt. Den Flake vorher eine halbe Stunde antrocknen lassen, denn gepresste Tabake kommen oft feucht aus der Dose; für den kräftigen Kentucky genügt ein kleiner Pfeifenkopf. Ein Bourbon aus demselben Bundesstaat liegt als Begleiter nahe, weitere Ideen bietet die Seite Tabak und Getränke.
Anbau heute: weniger Farmen, mehr Westen
Kaum ein Zweig der amerikanischen Landwirtschaft hat sich in zwanzig Jahren so verändert wie der Tabakbau in Kentucky. Seit den 1930er-Jahren regelten Anbauquoten und Mindestpreise, wer wie viel Tabak anbauen durfte, und so zogen Zehntausende Familienbetriebe Burley auf oft nur ein bis zwei Hektar. 2004 wurden die Quoten gegen über zehn Jahre verteilte Ausgleichszahlungen abgelöst, die Auktionen wichen weitgehend Anbauverträgen mit Tabakfirmen und Rohtabakhändlern. Der Agrarzensus zählte in Kentucky 2002 noch 29.237 Tabakbetriebe, 2022 nur noch 984, die dafür im Schnitt gut 18 statt anderthalb Hektar Tabak anbauen.
Zugleich hat sich der Schwerpunkt nach Westen verschoben: Gemessen am Produktionswert führen Christian County um Hopkinsville und Calloway County um Murray, und im Westen wächst inzwischen mehr Tabak als im Bluegrass. Der Burley hängt an der Zigarette, deren Absatz seit Jahrzehnten sinkt; der Dark Fired profitierte lange von wenig Konkurrenz auf dem Weltmarkt und vom Geschäft mit rauchlosen Tabaken. In Tennessee war die Dark-Fired-Ernte 2024 fast doppelt so groß wie die Burley-Ernte. Doch seit Nikotinbeutel mit wenig oder gar keinem Tabakblatt dem Oraltabak Marktanteile abnehmen, sinken auch hier die Vertragsmengen.
Die Handarbeit leisten vielfach Saisonkräfte mit befristetem Visum, viele von ihnen aus Mexiko; die Käufer verlangen Nachweise guter Agrarpraxis bis hin zum Verzicht auf Kinderarbeit. Viele der alten Scheunen stehen leer oder verfallen, und die Hälfte der Gelder, die Kentucky aus dem großen Tabakvergleich von 1998 erhält, fließt seit 2000 per Gesetz in den Umbau der Landwirtschaft. Wo der Tabak aber noch wächst, wird er mit einem Wissen angebaut, das Generationen alt ist – und im Spätsommer riecht das Land noch immer nach ihm.
Quellen
- Burley and Dark Tobacco Production Guide 2025–2026 (ID-160) – University of Kentucky, University of Tennessee, Virginia Tech und NC State University (PDF) – https://publications.mgcafe.uky.edu/sites/publications.ca.uky.edu/files/ID160-Burley-and-Dark-Tobacco-Production-Guide-2025-2026-Remediated.pdf
- Will Snell: 2022 Tobacco Census Data for Kentucky – University of Kentucky, Department of Agricultural Economics, 2024 (PDF) – https://agecon.mgcafe.uky.edu/sites/agecon.ca.uky.edu/files/2022%20Tobacco%20Census%20Data%20for%20Kentucky.pdf
- Black Patch War – Tennessee Encyclopedia – https://tennesseeencyclopedia.net/entries/black-patch-war/
- Dark Fire-Cured Tobacco – Pennyroyal Area Museum, Museums of Historic Hopkinsville-Christian County – https://www.museumsofhopkinsville.org/exhibition/dark-fire-cured-tobacco/
- Burley (tobacco) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Burley_(tobacco)
Häufige Fragen
- Was unterscheidet Burley von Dark Fired Kentucky?
Beide werden als ganze Pflanze geerntet und in Scheunen getrocknet, aber auf entgegengesetzte Weise. Burley hängt acht Wochen und länger im Luftzug offener Scheunen und wird zu einem hell- bis rotbraunen, fast zuckerfreien, nussig-trockenen Blatt, das Soßen gut aufnimmt. Dark Fired trocknet fünf bis sechs Wochen über schwelendem Hartholz und wird dunkel, dick und rauchig-würzig. Burley geht vor allem in Zigaretten und Pfeifentabak, Dark Fired in rauchlose Tabake, dunkle Pfeifenmischungen und Zigarren.
- Woher hat der Black Patch seinen Namen?
Von seinem Tabak. Der dunkle, feuergetrocknete Tabak aus dem Südwesten Kentuckys und dem Norden Tennessees wurde früher schlicht „schwarzer Tabak“ genannt, und nach ihm heißt die ganze Region von rund dreißig Countys um Hopkinsville, Clarksville, Springfield, Mayfield und Paducah. Bekannt wurde der Name auch durch die Black Patch Wars, den Kampf der Pflanzer gegen den Tabaktrust zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
- Ist Dark Fired Kentucky dasselbe wie Latakia?
Nein, auch wenn beide ihr Aroma dem Rauch verdanken. Dark Fired ist ein großblättriger Tabak aus Kentucky und Tennessee, der schon bei der Trocknung auf der Farm über Eiche und Hickory geräuchert wird. Latakia entsteht aus kleinblättrigem, zunächst sonnengetrocknetem Orienttabak, der anschließend über aromatischen Hölzern und Sträuchern nachgeräuchert wird, heute vor allem auf Zypern. Dark Fired schmeckt erdiger und kräftiger, Latakia würziger und weihrauchartiger.
- Warum sind viele Tabakscheunen in Kentucky schwarz?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Häufig heißt es, der dunkle Anstrich heize die Scheune in der Sonne auf und beschleunige so die Trocknung; andere verweisen auf teerhaltige Holzschutzmittel, die billig waren und das Holz konservierten. Mit der Zeit wurde Schwarz schlicht zur Tradition und zum Markenzeichen des Bluegrass. Für die Trocknung selbst entscheidend sind die Lüftungsklappen, mit denen der Pflanzer den Luftstrom durch den Tabak regelt.
- Wird in Kentucky und Tennessee heute noch viel Tabak angebaut?
Ja, wenn auch in ganz anderen Strukturen als früher. Zwischen 2002 und 2022 ist die Zahl der Tabakbetriebe in Kentucky von rund 29.000 auf 984 gesunken, vor allem nach dem Ende des staatlichen Quotensystems 2004; die verbliebenen Farmen sind dafür viel größer und bauen meist auf Vertrag an. Aus Kentucky kommt heute der Löwenanteil des amerikanischen Burley, und fast der gesamte Dark Fired der USA stammt aus Kentucky und Tennessee. Der Schwerpunkt hat sich dabei in den Westen, in den Black Patch, verschoben.