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Virginia und die Carolinas

Im Grenzland zwischen Virginia und North Carolina lernte der Tabak im 19. Jahrhundert, goldgelb zu werden: Magere Sandböden und eine neue Trocknung mit Holzkohle und Heißluft schufen den Bright Leaf, jenes süße, helle Blatt, das die Zigarette groß gemacht hat und viele klassische Pfeifentabake bis heute prägt. Diese Seite führt von einer Nacht im Caswell County über Old Belt und Eastern Belt, die Auktionshallen von Danville und die Fabriken von Durham bis in die Trockenkammern von heute – mit Gradkunde, Aromabild und dem Wandel einer ganzen Agrarlandschaft.

LagePiedmont im Süden Virginias und in North Carolina, Küstenebene North und South Carolinas; Ausläufer bis Georgia und Nordflorida
TabaktypFlue-cured Virginia (Bright Leaf), amtlich in den US-Typen 11a, 11b, 12, 13 und 14 geführt
Boden und KlimaMagere, sandige Böden, im Piedmont über rotem Ton; warme, feuchte Sommer; Ernte blattweise in mehreren Durchgängen
TrocknungHeißluft ohne Rauchkontakt, knapp eine Woche: Gelbphase um 38 °C, Blatttrocknung bis 54 °C, Rippentrocknung bis 71 °C
Historische HandelsplätzeDanville (offene Auktion seit 1858), Durham (Bull Durham, Familie Duke), Wilson (erster Verkauf 1890)
AromabildHell und süß mit zitrischer Säure; Honig, Getreide, Heu, bei roten Graden Trockenfrucht
HeuteVertragsanbau statt Auktion; North Carolina liefert mehr als die Hälfte des US-Flue-cured, 2022 mit nur noch 822 Tabakbetrieben

Der Bright Leaf Belt

Zwischen den Hügeln im Süden Virginias und den flachen Feldern der Küstenebene North Carolinas liegt ein Landstrich, den die Amerikaner Bright Leaf Belt nennen, den Gürtel des hellen Tabaks. Er reicht vom Gebiet um Danville über das Piedmont bis in die Küstenebene und weiter nach South Carolina, Georgia und Nordflorida. Im Spätsommer, wenn auf den Farmen die Trockenkammern laufen, zieht ein süßer Duft nach Heu und Honig über die Feldwege.

Hier entstanden im 19. Jahrhundert der Bright Leaf, die Heißlufttrocknung, die offene Auktion in großen Lagerhallen und die Zigarette als Massenprodukt. Im Welthandel heißt heißluftgetrockneter Tabak bis heute „Virginia“, gleich wo er wächst; die Typenkunde dazu steht auf der Seite Tabaksorten. Diese Seite porträtiert die Region, die dem Namen seinen Ursprung gab.

Wie der helle Tabak entstand

Rund zwei Jahrhunderte lang war Virginia-Tabak ein dunkles, kräftiges Blatt, gewachsen auf den fruchtbaren Flussniederungen rund um die Chesapeake Bay und in Fässern nach London verschifft. Im Grenzland zwischen Virginia und North Carolina aber, im Piedmont mit seinen hellen, sandigen Lehmböden über rotem Ton, machten die Pflanzer eine andere Erfahrung: Der karge, stickstoffarme Boden brachte dünne, feine Blätter hervor, die beim Trocknen gelegentlich eine auffallend helle Farbe annahmen – nur eben nicht verlässlich.

Die Überlieferung verbindet die Wende mit einer regnerischen Nacht des Jahres 1839. Auf der Farm von Abisha Slade im Caswell County, North Carolina, wachte der versklavte Stephen über eine Scheune mit trocknendem Tabak, schlief ein und fand die Feuer beim Erwachen fast erloschen. Er holte verkohlte Scheite aus der benachbarten Schmiede und legte sie nach, und unter der jähen, trockenen Hitze schlugen die Blätter in ein leuchtendes Gelb um. Slade machte aus dem Zufall eine Methode – magerer Sandboden für die Pflanze, Holzkohle für die Trocknung – und hatte um 1856 ein verlässliches Verfahren beisammen. Im selben Jahr erzielte seine Ernte in Lynchburg einen Preis, über den die Zeitungen berichteten, und bei anderen Farmern warb er mit Blattproben aus der Manteltasche für sein Verfahren. Nach dem Bürgerkrieg verlor Slade sein Vermögen und starb 1869 verarmt; über Stephens weiteres Leben ist wenig bekannt.

Die Holzkohle war nur der erste Schritt. Ab den 1870er-Jahren setzten sich Scheunen mit Rohren aus Eisenblech durch, den namensgebenden „flues“: Ein von außen mit Holz beschickter Ofen leitete seine Abgase durch Rohre am Scheunenboden ins Freie, die Wärme ging an die Luft über, der Rauch aber erreichte das Blatt nie. Mit dem Thermometer wurde die Trocknung steuerbar, und ausgerechnet die ärmsten Böden der Region wurden zu gesuchtem Tabakland.

Old Belt, Middle Belt, Eastern Belt

Lange blieb der helle Tabak eine Sache des Piedmont, des späteren Old Belt. Als in den 1880er-Jahren die Baumwollpreise verfielen, suchten die Farmer der Küstenebene North Carolinas nach einer neuen Geldfrucht, und Tabakunternehmer aus dem Süden Virginias und dem nördlichen Piedmont zogen nach Osten. Die tiefgründigen Sandböden der Ebene erwiesen sich als wie geschaffen für Bright Leaf: Binnen weniger Jahrzehnte wuchs die Tabakernte der Küstenebene von bescheidenen Anfängen auf viele Millionen Pfund. In Wilson fand 1890 der erste Tabakverkauf statt, und bald warb die Stadt mit dem Titel „World’s Greatest Tobacco Market“.

Nach diesen Gürteln teilt die amtliche Klassifikation der USA den heißluftgetrockneten Tabak bis heute in Typen ein, für den Piedmont sogar mit einer Beschreibung des Blattes:

US-TypGürtelKerngebietMerkmale
11aOld BeltPiedmont von Virginia und North CarolinaWiege des Bright Leaf; laut Norm meist schwereres Blatt mit dunklerem Farbton
11bMiddle BeltÜbergang zwischen Piedmont und Küstenebenelaut Norm meist dünneres Blatt mit hellerem Farbton
12Eastern BeltKüstenebene North Carolinasseit den 1880er-Jahren erschlossen; flache Felder, tiefe Sandböden
13Border BeltKüstenebene South Carolinas und Südosten North CarolinasMärkte wie Mullins in South Carolina
14Georgia-FloridaSüden Georgias, Norden Floridas, etwas Alabamasüdlichster Gürtel

Ganz verschwunden ist die dunkle Vorgeschichte nicht: Dieselbe Klassifikation führt für Virginia auch einen feuergetrockneten Tabak (Typ 21) aus dem Piedmont und den Bergen sowie einen sonnen- und luftgetrockneten (Typ 37) aus dem Landesinneren nördlich des James River.

Danville und Durham

Danville am Dan River, direkt nördlich der Grenze zu North Carolina, lebte über Generationen vom hellen Blatt. 1793 genehmigte die Generalversammlung Virginias dort ein Tabaklagerhaus; im 19. Jahrhundert wurde die Stadt zum größten Bright-Leaf-Markt Virginias und warb mit dem Titel „World’s Best Tobacco Market“. Entscheidend war das Jahr 1858. Bis dahin kaufte man Tabak in fest gepressten Fässern nach Stichproben; im Lagerhaus von Thomas D. Neal dagegen lag er lose ausgebreitet, und jeder Käufer konnte jede Partie prüfen, bevor er bot. Dieses „Danville System“ setzte sich im ganzen Gürtel durch. Am stärksten wuchs Danvilles Tabakindustrie in den 1870er- und 1880er-Jahren, als die Herstellung von Kautabak in Platten und Zöpfen aufkam. Davon zeugt ein Denkmalensemble von rund vierzig Straßenblöcken mit etwa 37 Fabriken, Auktionshallen und Lagerhäusern aus den Jahren 1870 bis 1910 und etwa 450 Arbeiterhäusern.

Durhams Aufstieg zur Tabakstadt beginnt mit einer Plünderung. Um 1862 hatte John Ruffin Green die erste Tabakfabrik an der Bahnstation Durham gekauft und stellte dort Rauchtabak aus hellem Blatt her. Im April 1865, als die Generäle Joseph E. Johnston und William T. Sherman beim nahen Bennett Place über die Kapitulation von Johnstons Armee verhandelten, bedienten sich die wartenden Soldaten beider Armeen an seinen Vorräten – und bestellten nach der Heimkehr per Post nach. Green nannte sein Produkt nun „Durham Smoking Tobacco“ und wählte einen Stier als Markenzeichen. Nach seinem Tod 1869 machten William T. Blackwell und Julian S. Carr den Bull Durham weltbekannt; 1884 stellte die Firma bereits mehr als fünf Millionen Pfund im Jahr her. Seit Mai 1871 wurde in Durham auch versteigert – die Stadt war Markt und Fabrik zugleich.

Zur selben Zeit wuchs in Durham das Unternehmen der Familie Duke. Washington Duke hatte Tabak zunächst auf seiner Farm vor der Stadt angebaut und verarbeitet; 1874 zog die Fabrikation nach Durham, 1881 kamen Zigaretten hinzu, und 1884 lief dort die Rollmaschine von James Bonsack, die rund 120.000 Stück am Tag schaffte. Wie James Buchanan Duke daraus die American Tobacco Company formte, erzählt die Seite Geschichte. In der Stadt wurden die Backsteinfabriken der American Tobacco Company zu einem Quartier mit Büros und Gastronomie, und zwei Lagerhäuser von 1904 bilden den Brightleaf Square.

Vom Auktionsgesang zum Vertragsanbau

Über Generationen war der Auktionstag der Höhepunkt des Farmjahres. In langen Hallen, deren Oberlichter Tageslicht auf die Ware fallen ließen, stand die Ernte in flachen, geflochtenen Körben, Reihe an Reihe. Ein Klassierer des Landwirtschaftsministeriums hatte jeder Partie zuvor ihre Gradbezeichnung gegeben. Dann zog die Verkaufsgruppe durch die Gänge: ein Mann des Lagerhauses mit dem Startgebot, der Auktionator mit seinem rasenden Singsang, dahinter die Einkäufer, die mit einem Nicken oder einem Fingerzeig boten. Für eine Partie genügten oft wenige Sekunden, und am Ende der Saison wussten ganze Städte an den erzielten Preisen, ob ein gutes Jahr vor ihnen lag. Wie der Singsang klang, erfuhr bald ganz Amerika: Ende 1937 trat Lee Aubrey „Speed“ Riggs, Auktionator aus Goldsboro, erstmals im Radio auf; Anfang 1938 wurde er zur Stimme der Lucky-Strike-Werbung der American Tobacco Company und beendete seine Auktionsrufe dort mit „Sold American!“.

Im selben Jahr begann das staatliche Tabakprogramm: Jede Tabakfarm erhielt eine an ihr Land gebundene Quote, dafür sicherte ein Stützpreis die Erlöse. Bis Ende der 1960er-Jahre kam der Tabak zudem gebündelt auf den Markt; die Familie sortierte die Blätter im Packhaus und band sie zu kleinen Bündeln, den „hands“. Danach wurde er lose verkauft, erst auf großen Jutetüchern, später in gepressten Ballen.

Das Ende der Auktionen kam schnell. 1999 kündigte Philip Morris an, Tabak direkt bei den Farmern unter Vertrag zu kaufen, weil die Auktionsware seinen Qualitätsansprüchen nicht genüge. In der Vermarktungssaison 2000/01 lief erst knapp ein Zehntel des Flue-cured-Tabaks über Verträge, ein Jahr später waren es 81 Prozent. Die Verträge legen Erntedurchgänge, Sortierung nach Blattetagen, Ballen und Höchstfeuchte fest. 2004 beschloss der Kongress das Ende von Quoten und Stützpreisen ab der Ernte 2005; Quoteninhaber und Farmer erhielten über zehn Jahre rund 9,6 Milliarden Dollar, aufgebracht durch Abgaben der Hersteller und Importeure. Seitdem sind die großen Auktionen Geschichte, nur vereinzelt werden noch Partien außerhalb der Verträge versteigert.

Flue-Curing heute: von der Holzscheune zur Bulk Barn

Bis in die 1960er-Jahre prägten hohe, schmale Trockenscheunen aus Rundholz oder Brettern das Land. An den Erntetagen wurden die reifen Blätter von unten nach oben gebrochen und an der Scheune büschelweise an Holzstöcke gebunden, jeder Stock dicht behängt, mehrere Hundert Stöcke je Scheune. Fünf bis sieben Tage dauerte dann die Trocknung, und das Holzfeuer wollte Tag und Nacht gehütet sein. Blattetagen und Anbaujahr beschreibt die Seite Die Tabakpflanze.

Dann kam die Mechanisierung. Um 1960 kam die Bulk Barn auf die Farmen: eine isolierte Kammer, in der ein Gebläse warme Luft durch dicht gepackte Gestelle oder Kisten mit losen Blättern treibt; das Anbinden an Stöcke entfiel. In den folgenden Jahrzehnten löste sie die hohen Holzscheunen fast überall ab. Etwa zur selben Zeit hielten Erntemaschinen Einzug, die reife Blätter gezielt abstreifen. Beide Neuerungen zusammen senkten den Arbeitsbedarf auf den Farmen erheblich, wie der Wirtschaftsforschungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums festhält.

Die frühen Bulk Barns heizten mit Propan- oder Ölbrennern direkt in den Luftstrom. Ab dem Jahr 2000 wurden sie in großer Zahl auf Wärmetauscher umgerüstet, weil Stickoxide aus den Abgasen die Bildung von Nitrosaminen im Blatt fördern. Damit kehrte die Technik zu ihrem Namen zurück: Wie bei den alten Rohren bleiben Abgas und Tabak getrennt. Eine Trocknung dauert knapp eine Woche; die Leitfäden der Beratungsdienste in Virginia und North Carolina beschreiben sie in diesen Schritten:

  1. Befüllen und Abtrocknen: Die Blätter einer Etage kommen gleichmäßig verteilt in Kisten oder Gestelle; zuerst wird nur die Oberflächenfeuchte entfernt, je nach Wetter bis zu zwölf Stunden lang.
  2. Gelbphase: Die Temperatur steigt um gut ein Grad pro Stunde auf etwa 38 °C (100 °F), die Luft bleibt feucht. Das Blatt lebt noch: Stärke wird zu Zucker, das Chlorophyll zerfällt, gelbe Carotinoide treten hervor.
  3. Blatttrocknung: Sind alle Blätter gelb und welk, klettert die Temperatur auf etwa 54 °C (130 °F), und die Lüftung öffnet sich. Die Hitze tötet das Gewebe und hält die Farbe fest; wer zu früh zu scharf trocknet, konserviert grüne Töne.
  4. Rippentrocknung: Bei etwa 71 °C (160 °F) trocknen zuletzt die dicken Mittelrippen durch; die Lüftungsklappen können dann weitgehend schließen.
  5. Rückbefeuchten und Ballen: Das spröde Blatt nimmt wieder so viel Feuchte auf, dass es nicht bricht – der Tabak kommt „in order“, sagen die Farmer. Dann wird er nach Etagen getrennt zu Ballen gepresst, laut den meisten Verträgen mit weniger als 18 Prozent Feuchte.

Das Aromabild: süß, hell, zitrisch

Weil die Hitze das Blatt abtötet, bevor es braun wird, bleibt ein großer Teil der in der Gelbphase gebildeten Zucker erhalten; die Chemie dahinter erklärt die Seite Verarbeitung. Im Rauch zeigt sich das als helle, fast fruchtige Süße mit Anklängen an Honig und Getreide, getragen von einer lebhaften Säure, die an Zitronenschale erinnert.

Die amerikanische Gradbezeichnung liefert das Vokabular für die Nuancen. Sie besteht aus drei Bestandteilen: einem Buchstaben für die Blattgruppe (X für Lugs, C für Cutters, B für Leaf), einer Ziffer für die Qualität von 1 („Choice“) bis 6 („Poor“) und einem Farbkürzel. B3F bedeutet also Leaf in guter Qualität und oranger Farbe. Für den Genuss sind die Farbklassen am aufschlussreichsten; als Faustregel unter Kennern gilt:

FarbklasseKürzelBlattEindruck im Rauch
LemonLzitronen- bis hellgelb, oft dünnerlebhaft, grasig-frisch, deutlich zitrisch
OrangeFgoldgelb bis orange, vollerrunde Süße, Honig, Getreide, reifes Steinobst
Orange-RedFRkupferfarbenSüße mit mehr Tiefe und Körper
RedRrot- bis mahagonibraun, meist kräftigerweniger Säure, dunkle Süße, Trockenfrüchte, Brotkruste

Kürzel wie K für gescheckte oder G für grüne Blätter kennzeichnen Partien, bei denen Reife oder Trocknung nicht ganz getroffen wurden. Auch die Herkunft zählt: Das schwerere, dunklere Blatt des Old Belt bringt mehr Körper mit, das dünnere des Middle Belt mehr Leichtigkeit. Gepresst als Flake oder Plug reift Virginia über Jahre nach und gewinnt an Tiefe, wie die Seite Schnittarten zeigt.

Rückgrat der Zigarette, Grundton der Pfeife

Ohne Bright Leaf wäre die Zigarette kaum zum Massenprodukt geworden. Sein milder, leicht säuerlicher Rauch ließ sich leichter inhalieren als der alkalische Rauch dunkler Tabake – mit den Folgen, die die Seite Gesundheit einordnet. Zwei Schulen gingen daraus hervor: Im britischen Einflussbereich, von Großbritannien bis Kanada, setzte sich die reine Virginia-Zigarette durch, in den USA ab 1913 mit Camel die American Blend, die Bright Leaf mit Burley und Orienttabak verschneidet. Geschichte und Design der Zigarette porträtiert die Schwesterseite zigarette.com.

In der Pfeife ist Virginia der Grundton vieler naturbelassener Stile: Basis englischer Mischungen, über der Latakia den Ton angibt, Partner des Perique und Hauptdarsteller in Flakes, Plugs und Coins. Die Stilkunde bieten die Seiten Mischungsfamilien und Latakia und Perique.

Praxistipp: Den Charakter des Bright Leaf lernt man am besten im Vergleich kennen: eine helle, zitronige Virginia-Mischung als Ribbon neben einem roten Virginia-Flake, beide ohne Aromatisierung. Den Flake vorher eine Weile an der Luft antrocknen lassen und beide langsam rauchen – zuckerreicher Tabak wird bei Hast heiß und scharf. Im direkten Wechsel treten Säure und Süße, Heu und Trockenfrucht deutlich hervor; wie man dafür stopft, zeigt die Seite Pfeife stopfen und anzünden.

Wandel auf dem Land

Wie tief der Umbruch reicht, zeigen die Zahlen des amerikanischen Agrarzensus:

JahrBetriebe mit Tabak in North CarolinaBetriebe mit Tabak in den USATabakfläche je Betrieb (USA)
1954rund 150.000rund 512.0003,0 Acres
20027.85056.9777,5 Acres
20228222.98769,5 Acres

Erntemaschinen und Bulk Barns machten große Flächen mit wenigen Arbeitskräften möglich, der lose Verkauf sparte die Bündelarbeit, und seit Quoten ab 1961 innerhalb eines Countys gepachtet und ab 1982 auch verkauft werden durften, wuchsen die Betriebe. Das Ende des Programms beschleunigte die Konzentration. Die verbliebene Handarbeit, etwa beim Köpfen der Blütenstände und bei der Ernte, leisten heute vor allem Saisonkräfte aus Mexiko, die über das Gastarbeiterprogramm H-2A kommen; die steigenden Kosten dieses Programms sehen Agrarökonomen als Risiko für die Anbaufläche.

Nach dem Ende der Quoten erwartete das Landwirtschaftsministerium, dass sich der Anbau in flache, gut mechanisierbare Gebiete wie die Küstenebene der Carolinas verlagern und im hügeligen Piedmont zurückgehen würde. Heute stammt mehr als die Hälfte des amerikanischen Flue-cured-Tabaks aus North Carolina, während Virginia 2024 rund 25 Millionen Pfund auf gut 12.000 Acres erntete.

Geblieben sind die Spuren: verfallende Holzscheunen am Feldrand, Lagerhallen, die in Wilson und Durham neue Nutzungen gefunden haben, und die Erinnerung an die Zeit, als die Eröffnung des Tabakmarkts in Wilson jedes Jahr ein Ereignis für die ganze Stadt war. Wer der Geschichte nachreisen möchte, findet in Durham die Duke Homestead mit ihrem Tabakmuseum, in Kenly das Tobacco Farm Life Museum über den Alltag der Farmerfamilien und in Danville das Tabakviertel mit seinen Backsteinhallen.

Quellen

  1. Slade, Abisha – NCpedia (State Library of North Carolina) – https://www.ncpedia.org/biography/slade-abisha
  2. Danville Tobacco Warehouse and Residential District – Virginia Department of Historic Resources – https://www.dhr.virginia.gov/historic-registers/108-0058/
  3. Carolyn Dimitri: Contracting in Tobacco? Contracts Revisited – USDA Economic Research Service, 2003 (PDF) – https://ers.usda.gov/sites/default/files/_laserfiche/outlooks/39457/50276_tbs254-01.pdf?v=78943
  4. Tom Capehart: Trends in U.S. Tobacco Farming – USDA Economic Research Service, 2004 (PDF) – https://ers.usda.gov/media/9280/tb-257-02.pdf?v=87855
  5. T. David Reed: Curing Tobacco – Flue-Cured Tobacco Production Guide 2024, Virginia Tech (PDF) – https://www.arec.vaes.vt.edu/content/dam/arec_vaes_vt_edu/southern-piedmont/2024-flue-cured-production-guide/07%20Curing%202024.pdf

Häufige Fragen

Warum heißt der Tabak „Bright Leaf“?

„Bright“ meint die Farbe: Durch die Heißlufttrocknung kommt das Blatt zitronengelb bis orange statt braun aus der Trockenkammer. Möglich wurde das im 19. Jahrhundert im Grenzland von Virginia und North Carolina, wo magere Sandböden dünne, helle Blätter lieferten und die Pflanzer lernten, sie erst mit Holzkohle, später mit Heizrohren gezielt zu trocknen.

Was unterscheidet Old Belt und Eastern Belt?

Der Old Belt ist das ursprüngliche Anbaugebiet im hügeligen Piedmont von Virginia und North Carolina; die amtliche US-Norm beschreibt sein Blatt als meist schwerer und dunkler. Der Eastern Belt umfasst die flache Küstenebene North Carolinas, in die sich der Anbau ab den 1880er-Jahren ausbreitete. Dazwischen liegt der Middle Belt mit dünnerem, hellerem Blatt, im Süden folgen Border Belt und Georgia-Florida-Belt.

Stammt jeder Virginia-Tabak aus Virginia?

Nein. „Virginia“ bezeichnet im Handel heißluftgetrockneten Tabak, gleich wo er wächst – große Mengen kommen aus China, Brasilien, Simbabwe oder Indien. Innerhalb der USA stammt heute mehr als die Hälfte der Ernte aus North Carolina; der Bundesstaat Virginia erntet deutlich weniger.

Gibt es noch Tabakauktionen?

Kaum noch. Nachdem Philip Morris 1999 den Direktkauf angekündigt hatte, lief schon in der Saison 2001/02 der größte Teil des Flue-cured-Tabaks über Anbauverträge. Mit dem Ende von Quoten und Stützpreisen ab der Ernte 2005 verloren die Auktionshallen ihre Funktion; nur vereinzelt werden noch Partien versteigert, die außerhalb der Verträge verkauft werden.

Was bedeutet eine Gradbezeichnung wie B3F?

Die US-Norm kennzeichnet heißluftgetrockneten Tabak mit drei Bestandteilen: einem Buchstaben für die Blattgruppe (B für Leaf, C für Cutters, X für Lugs), einer Ziffer für die Qualität von 1 bis 6 und einem Farbkürzel (L für Lemon, F für Orange, R für Red). B3F steht damit für Leaf in guter Qualität und oranger Farbe.