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Tabak und Getränke: Pairing
Ein gereifter Rum kann eine Habano zum Leuchten bringen – und derselbe Rum eine zarte Connecticut-Zigarre erdrücken. Pairing ist keine Geheimwissenschaft, sondern die Frage, welche Aromen sich tragen und welche sich überdecken. Diese Seite erklärt die vier Stellschrauben, stellt die klassischen Paare vor, nennt alkoholfreie Alternativen und zeigt, wie aus jedem Versuch eine brauchbare Notiz wird.
| Leitregel | Intensität angleichen – ein kräftiger Tabak verlangt ein kräftiges Getränk, ein milder ein leises |
|---|---|
| Vier Stellschrauben | Intensität, Süße, Rauch und Gerbstoff |
| Klassische Paare | Habano und gereifter Rum, Maduro und Espresso, Virginia-Flake und Schwarztee, Latakia-Mischung und Islay-Whisky |
| Trinktemperatur | Spirituosen zimmerwarm statt eisgekühlt, Kaffee und Tee heiß, aber nicht kochend – Kälte dämpft Aromen |
| Neutralisator | Stilles Wasser bei Zimmertemperatur zwischen den Zügen und bei jedem Getränkewechsel |
| Ohne Alkohol | Espresso, Cold Brew, Schwarztee, Lapsang Souchong, Kakao, Ginger Beer – oft die präziseren Partner |
| Dokumentation | Verkostungsnotiz mit Tabak, Getränk, Drittel und Wechselwirkung – das Gedächtnis für Aromen ist kurz |
Warum das Getränk mitschmeckt
Die Zunge kennt nur wenige Grundqualitäten – süß, sauer, salzig, bitter und umami. Alles, was man darüber hinaus „Aroma“ nennt, entsteht in der Nase, und zwar vor allem beim Ausatmen, wenn flüchtige Stoffe über den Rachen von hinten an die Riechschleimhaut gelangen. Das Aroma des Tabakrauchs entsteht überwiegend auf diesem retronasalen Weg; daneben registriert die Zunge vor allem Bitterkeit, die Schleimhaut die Schärfe. Ein Getränk dagegen spricht zuerst den Mund an: mit Süße, Säure, Wärme, Gerbstoff und einer Textur, die der Rauch nicht hat. Pairing heißt, beide Kanäle so zu verbinden, dass sie einander ergänzen, statt sich zu stören.
Die Tradition dahinter ist regional gewachsen. In der Karibik gehören Zuckerrohr und Tabak seit Jahrhunderten zur selben Landschaft, und so wurde der Rum zum natürlichen Begleiter der Zigarre. In Kuba begleitet der kleine, süße Kaffee die Habano, in Italien die Toscano den Espresso an der Bar, in England wurden Pfeife und Schwarztee zur stillen Einheit des Nachmittags. Keine dieser Verbindungen ist am Reißbrett entstanden, aber alle folgen einer Logik, die sich in vier Prinzipien fassen lässt – und wer sie kennt, kombiniert auch abseits der Klassiker sicher.
Die vier Stellschrauben: Intensität, Süße, Rauch, Gerbstoff
Intensität
Die wichtigste Regel ist die einfachste: Beide Partner sollten etwa gleich stark sein. Eine vollmundige Zigarre mit hohem Ligero-Anteil – den obersten, sonnenreichsten Blättern der Pflanze, die den Körper eines Blends tragen – verträgt einen Rum in Fassstärke oder einen kräftigen Cognac. Eine milde Zigarre mit hellem Connecticut-Deckblatt wird von demselben Rum überrollt; sie verlangt etwas Leises, einen Fino-Sherry, einen Cold Brew. Umgekehrt geht ein zarter Darjeeling neben einer pfeffrigen Zigarre aus Nicaragua unter. Scheitert ein Pairing, liegt es meist am Ungleichgewicht der Kraft, nicht an falschen Aromen.
Süße
Süße ist der große Vermittler: Sie bindet Bitterkeit, rundet Schärfe ab und glättet die Kanten eines würzigen Rauchs. Deshalb funktionieren gereifte Rums mit Karamell und Vanille, Bourbon mit seiner Eichensüße, Portwein und Sherry aus der Pedro-Ximénez-Traube so verlässlich. Der Tabak bringt eigene Süße mit – Virginia enthält von Natur aus viel Zucker, ein Maduro-Deckblatt gewinnt seine Kakaonote aus langer Fermentation, viele Pfeifentabake sind gesüßt. Trockene, säurebetonte Getränke heben dagegen die Bitterkeit des Rauchs hervor und lassen selbst eine gute Zigarre hart wirken.
Rauch
Rauch im Getränk ist eine Frage der Dosis. Ein torfiger Whisky, ein Rauchbier oder ein über Kiefernholz geräucherter Tee können mit einem rauchigen Tabak in Resonanz treten, weil die beiden Rauchquellen auf verschiedenen Ebenen liegen. Sie können sich aber auch gegenseitig auslöschen, bis der Gaumen nur noch Rauch wahrnimmt. Die Faustregel: Rauch trifft entweder auf Rauch mit genug Süße im Spiel oder auf ein Gegengewicht – einen nussigen Sherry, einen milden Kaffee. Zu einem hellen, grasigen Tabak passt ein Rauchgetränk fast nie; es überdeckt ihn vollständig.
Gerbstoff
Gerbstoffe – Tannine aus Traubenschalen, Eichenfässern und Teeblättern – binden die Eiweiße des Speichels und lassen den Mund trocken und rau werden. Tabakrauch tut Ähnliches. Treffen beide ungebremst aufeinander, wird der Gaumen pelzig, und die Aromen verschwinden hinter Trockenheit. Darum ist junger, tanninreicher Rotwein einer der schwierigsten Partner überhaupt, während Süße und Fett Tannine abpuffern: ein Tawny Port, ein reifer Amarone, ein Schwarztee mit einem Schuss Milch. Wer Tee pur trinkt, lässt ihn kürzer ziehen; wer Rotwein möchte, wählt einen gereiften mit weichen Tanninen. Mehr zu Zuckergehalt und Kraft der Blatttypen steht auf der Seite Tabaksorten.
Vier klassische Paare und warum sie funktionieren
Habano und Rum
Kubanische Zigarre und kubanischer Rum sind Kinder derselben Insel: Beide leben vom Klima, in dem Zuckerrohr und Tabak gedeihen, beide reifen in Holz, beide verließen über Jahrhunderte dieselben Häfen. Eine Habano bringt Erde, Leder, Zedernholz und eine pfeffrige Würze mit, die im letzten Drittel an Kraft gewinnt. Ein über Jahre in Eichenfässern gereifter Ron añejo antwortet mit Karamell, Vanille, Trockenfrüchten und einer weichen Süße, die genau diese Würze einbettet. Stark gezuckerte Rums decken die Zigarre zu, sehr junge weiße Rums bringen zu wenig Körper; am besten funktionieren gereifte, trockene Qualitäten. Was zusammen wächst, passt meist zusammen – ein dominikanischer Rum zur dominikanischen Zigarre folgt derselben Logik. Ein Rhum agricole aus Martinique, aus frischem Zuckerrohrsaft statt aus Melasse gebrannt, ist grasiger und gehört eher zu einer hellen Zigarre. Zur Herkunft der Habano mehr auf kubanische-zigarren.org.
Maduro und Espresso
Ein Maduro-Deckblatt wird länger und wärmer fermentiert als ein helles; dabei wandeln sich die Blattzucker, das Blatt wird dunkelbraun bis schwarz und entwickelt Noten von Kakao, Kaffee, Süßholz und dunklem Brot. Der Espresso bringt dieselbe Familie mit – Röstaromen, Bitterschokolade, eine dichte Crema und eine Bitterkeit, die die Süße des Maduro erst sichtbar macht. Der kubanische cafecito, ein kurzer, kräftig gesüßter Kaffee, ist die karibische Fassung dieses Paares; die italienische ist die Toscano aus feuergetrocknetem Kentucky an der Espressobar. Bewährt hat sich ein kurzer, nicht überextrahierter Espresso mit wenig Zucker; wirkt die Zigarre zu bitter, glättet die Milch eines Cortado die Kanten. Weil Kaffee nicht betäubt, ist dies zudem das beste Paar für den Vormittag. Wie Deckblätter zu ihrer Farbe kommen, erklärt die Seite Verarbeitung.
Virginia-Flake und Schwarztee
Virginia ist der zuckerreichste Tabaktyp: heißluftgetrocknet, hell, mit Noten von Heu, Zitrus und Brot und einer feinen Säure. Als Flake – gepresst und in Scheiben geschnitten – brennt er langsam und kühl, und seine Süße nimmt über die Füllung hinweg zu. Schwarztee liefert das Gegenstück: Gerbstoff gegen Süße, Malz gegen Heu, Wärme gegen den kühlen Rauch. Ein malziger Assam trägt einen dunkel gepressten, gedämpften Virginia, ein blumiger Darjeeling oder ein frischer Ceylon den hellen Flake, und Earl Grey verbindet seine Bergamotte mit den Zitrusnoten des Tabaks. Enthält die Mischung Perique – den unter Druck in Fässern vergorenen Tabak aus Louisiana mit Pfeffer und Trockenfrucht –, verträgt sie einen kräftigeren Aufguss. Der Tee bleibt ungezuckert, Milch nur bei sehr starkem Aufguss. Pfeife und Tee sind die englische Nachmittagstradition schlechthin, und sie hat einen praktischen Vorzug: Der Gaumen bleibt über eine ganze Stunde frisch.
Latakia und Islay-Whisky
Latakia ist Orienttabak, der nach der Trocknung wochenlang über schwelenden Hölzern und Sträuchern geräuchert wird – ursprünglich in Syrien, heute fast ausschließlich auf Zypern. Er riecht nach Lagerfeuer, Leder, Teer und Weihrauch und ist die Seele der englischen Mischungen, in denen er mit Virginia und Orient verschnitten wird. Der torfige Whisky von Islay entsteht auf verwandte Weise: Das gemälzte Korn wird über Torffeuer gedarrt und nimmt Phenole auf, die später als Rauch, Jod, Seetang und Salz im Glas stehen. Holzrauch und Torfrauch liegen auf verschiedenen Registern, und das maritime Salz des Whiskys hebt den würzigen Latakia an, statt ihn zu wiederholen; der Virginia-Anteil der Mischung liefert die nötige Süße. Die stark getorften Brennereien der Südküste – Ardbeg, Lagavulin, Laphroaig – passen zu latakiareichen Mischungen, mildere, nur leicht oder gar nicht getorfte Islay-Abfüllungen zu leichteren Blends. Ein paar Tropfen Wasser im Glas nehmen dem Whisky die Alkoholschärfe, die sonst den Rauch der Pfeife übertönt.
Wein, Bier und Weinbrand
Cognac – und in Frankreich auch Armagnac – zählt seit dem 19. Jahrhundert zu den klassischen Zigarrenbegleitern: Traubenbrände, die in Eiche zu Dörrobst, Nuss und Gewürz reifen; ein junger VS passt zur hellen Zigarre, ein XO zu Habano und Maduro. Sherry ist unterschätzt: Ein trockener, nussiger Oloroso verträgt fast jede mittelkräftige Zigarre, ein Pedro Ximénez mit seiner Rosinensüße sogar Latakia. Wein bleibt das schwierigste Feld, weil Säure und Tannin gegen den Rauch arbeiten; Tawny Port, Banyuls, Madeira oder ein reifer, weicher Rotwein gehen, ein junger, säurebetonter Weißwein eher nicht. Schaumwein ist der Grenzfall: Ein reifer Champagner, dessen Säure sich abgerundet hat und der Brioche- und Nussnoten mitbringt, kann eine helle, cremige Zigarre in kleinen Schlucken begleiten; die Kohlensäure bleibt dabei ein Störfaktor, weshalb er eher den Auftakt setzt, als den ganzen Weg zu tragen. Bier bringt Kohlensäure mit, hat aber eigene Trümpfe: Stout und Porter mit Röstmalz zum Maduro, ein Bamberger Rauchbier, dessen Malz über Buchenholz gedarrt wird, zu Latakia und Kentucky, ein malzsüßes Bockbier zum Virginia. Einen Überblick über die Tabakwaren selbst gibt die Seite Tabakwaren im Überblick.
Reihenfolge und Temperatur
Wer an einem Abend mehrere Tabake oder Getränke probiert, geht von leicht nach kräftig: erst die helle Zigarre mit dem Fino, dann die Habano mit dem Rum, zuletzt der Maduro mit dem Port – umgekehrt ist der Gaumen nach dem ersten Paar für alles Feine verloren. Dieselbe Ordnung gilt innerhalb einer Zigarre: Sie beginnt meist leicht, wird im zweiten Drittel runder und im letzten kräftig und dicht. Ein Getränk, das den Anfang trug, kann am Ende zu leise sein. Manche Kenner beginnen deshalb mit Tee oder Kaffee und wechseln für die zweite Hälfte zum Rum, andere bleiben bei einem Glas und lassen es sich mitentwickeln. Auch die Dauer will bedacht sein: Ein Robusto brennt eine knappe Stunde, ein Espresso ist nach zwei Minuten leer. Das ist kein Fehler – der Espresso setzt den Auftakt, danach übernimmt Wasser –, aber eine bewusste Entscheidung. Ein Begleiter für den ganzen Weg muss in kleinen Schlucken über eine Stunde tragen.
Die Temperatur entscheidet mehr, als man denkt. Kälte betäubt die Rezeptoren, hält flüchtige Aromen im Glas und macht Tannine härter. Rum, Whisky und Cognac gehören deshalb zimmerwarm ins Glas, ohne Eis; wer den Alkohol mildern will, nimmt einige Tropfen Wasser statt Eiswürfeln, die verwässern und abkühlen zugleich. Rotwein trinkt man leicht gekühlt, Süßwein und Sherry kühl, aber nicht eisig. Kaffee und Tee sollen heiß sein, aber nicht kochend – ein Schluck, der die Zunge verbrennt, verbrennt auch den nächsten Zug.
Praxistipp: Ein neues Paar probiert man zuerst getrennt – zwei, drei Züge pur, dann ein Schluck des Getränks pur – und erst danach im Wechsel. So zeigt sich sofort, ob das Getränk die Zigarre hebt, verdeckt oder nur nebenherläuft, und man muss nicht raten, woher ein Eindruck stammt.
Wasser als Neutralisator
Das wichtigste Getränk am Tisch ist stilles Wasser bei Zimmertemperatur. Es spült Rauchbestandteile vom Gaumen, ersetzt den Speichel, den der Rauch austrocknet, und stellt die Wahrnehmung nach jedem Getränkewechsel auf null. Ohne Wasser verschmelzen die Eindrücke bald zu einem einzigen, und man kann nicht mehr sagen, was der Tabak leistet und was das Glas. Ein Schluck vor dem ersten Zug, einer vor jedem Wechsel und einer, wenn die Zigarre im letzten Drittel schärfer wird – mehr braucht es nicht.
Kohlensäure ist kein Ersatz: Sie reizt die Schleimhaut, betont Säure und macht die Zunge empfindlicher, als gut ist; stark mineralisches Wasser bringt zudem eigene Salz- und Bitternoten mit. Ein weiches, stilles Wasser ist die neutralste Wahl. Im Whiskyglas hat Wasser noch eine zweite Aufgabe: Wenige Tropfen senken die Alkoholstärke gerade so weit, dass gebundene Aromastoffe frei werden und die Schärfe nachlässt, die sonst den Tabak überdeckt.
Alkoholfreie Kombinationen
Alkohol ist kein notwendiger Bestandteil eines guten Pairings – oft ist er der Störenfried, weil er die Schleimhäute betäubt und die Wahrnehmung mit jedem Glas gröber macht. Ohne ihn schmeckt der Tabak klarer, und die Auswahl ist größer, als sie scheint.
- Kaffee: Espresso zum Maduro, Cortado zur würzigen Zigarre, ein heller, fruchtiger Filterkaffee aus Äthiopien mit Zitrus- und Beerennoten zum Virginia, ein säurearmer, weicher Cold Brew zur milden Connecticut-Zigarre.
- Tee: Assam und Darjeeling zur Pfeife; ein halbfermentierter Oolong mit Honig- und Röstnoten zu Orienttabak; Lapsang Souchong, über Kiefernholz geräuchert, als alkoholfreies Gegenstück zum Islay-Whisky neben Latakia; Rooibos, tanninarm und von Natur aus süßlich, zu Burley und aromatisierten Pfeifentabaken.
- Kakao: Trinkschokolade, ungesüßt oder nur leicht gesüßt, greift die Kakaonoten des Maduro auf und puffert mit ihrem Fett jede Schärfe ab.
- Ginger Beer und Malzbier: Die Schärfe des Ingwers setzt einen Kontrapunkt zu erdig-würzigen Zigarren; ein alkoholfreies Malzbier mit Röstsüße trägt einen Kentucky.
- Säfte nur mit Vorsicht: Traubensaft oder naturtrüber Apfelsaft passen zu einer Virginia-Perique-Mischung, Zitrussäfte lassen fast jeden Tabak sauer und dünn wirken.
Kleine Pairing-Tabelle nach Tabaktyp
Die Tabelle fasst die bewährten Verbindungen zusammen – als Ausgangspunkt, nicht als Gesetz; die eigene Notiz zählt am Ende mehr als jede Empfehlung. Für Feinschnitt und Zigarette gilt die Virginia-Zeile, wobei ihr kurzer Rhythmus besser zu Kaffee als zu einer Spirituose passt. Begriffe wie Ligero, Maduro oder Latakia erklärt das Glossar.
| Tabaktyp | Typischer Charakter | Mit Alkohol | Ohne Alkohol | Eher nicht |
|---|---|---|---|---|
| Helle Zigarre (Connecticut, Claro) | mild, cremig, nussig, leicht grasig | Fino-Sherry, junger Cognac, Rhum agricole, reifer Champagner in kleinen Schlucken | Cold Brew, Darjeeling, Milchkaffee | Torfwhisky, Fassstärke-Rum, tanninreicher Rotwein |
| Habano, kubanische Zigarre | Erde, Leder, Zeder, Pfeffer, mittlere bis volle Kraft | gereifter Ron añejo, Cognac XO, Oloroso-Sherry | Espresso, kräftiger Assam | säurebetonter Weißwein, Sprudel |
| Maduro, Oscuro | Kakao, Kaffee, Süßholz, dunkle Süße | Tawny Port, Bourbon, Stout oder Porter | Espresso, Trinkschokolade | leichte, trockene Weißweine |
| Ligero-betonte Zigarre (Nicaragua, Honduras) | pfeffrig, kraftvoll, würzig | Rum in Fassstärke, Rye Whiskey, Armagnac | dunkel gerösteter Kaffee, Ginger Beer | alles Leise – es geht unter |
| Virginia-Flake (Pfeife) | Heu, Zitrus, Brot, zunehmende Süße | Speyside-Single-Malt, Fino, Bockbier | Darjeeling, Ceylon, Earl Grey, Apfelsaft | Torfwhisky, Espresso – beides überdeckt |
| Virginia-Perique | Pfeffer, Trockenfrucht, Würze | Bourbon, Tawny Port, Rye Whiskey | Assam, Traubensaft | Sprudel, Zitrussäfte |
| Latakia-Mischung (English Mixture) | Holzrauch, Leder, Weihrauch, Würze | Islay-Whisky, Rauchbier, Oloroso oder Pedro Ximénez | Lapsang Souchong, starker Schwarztee | süße Liköre, leichte Weißweine |
| Burley und aromatisierte Pfeifentabake | Nuss, Kakao, Vanille, Kirsche | Bourbon, gereifter Rum, Porter | Milchkaffee, Rooibos, Kakao | tanninreicher Rotwein, Torfwhisky |
| Feuergetrockneter Kentucky (Toscano) | Rauch, Erde, Kraft, trocken | Grappa, Rauchbier, Rye Whiskey | Espresso, Malzbier | milde, süße Getränke |
Verkostungsnotizen führen
Das Gedächtnis für Aromen ist kurz. Was am Abend als perfektes Paar erschien, ist nach drei Wochen nur noch „irgendein Rum zu irgendeiner Zigarre“. Wer Pairings ernsthaft erkunden will, führt deshalb Notizen – auf Papier oder im Telefon, Hauptsache mit denselben Feldern in derselben Reihenfolge, damit sich die Einträge später vergleichen lassen.
- Rahmen: Datum, Tageszeit, ob man vorher gegessen hat. Ein Pairing nach einem scharfen Essen fällt anders aus als eines auf nüchternem Gaumen.
- Tabak: Marke, Linie, Format, Herkunft, Alter und die Feuchte, bei der er lag; bei Pfeifentabak zusätzlich Schnitt und Stopftechnik.
- Getränk: Bezeichnung, Alter, Alkoholgehalt, Temperatur, ob Wasser dazukam; beim Kaffee die Röstung, beim Tee die Ziehzeit.
- Solo: Zwei, drei Stichworte zum Tabak allein und zum Getränk allein, bevor beide zusammenkommen.
- Drittel: Für Anfang, Mitte und Ende je ein Satz zum Zusammenspiel – trägt das Getränk, tritt es zurück, deckt es zu? Viele Paare funktionieren nur in einem Drittel.
- Urteil: Eine einfache Skala von eins bis fünf und ein Satz, was man beim nächsten Mal ändert – Getränk, Temperatur oder Reihenfolge.
Beim Vokabular hilft es, in Familien zu denken statt in Einzelwörtern: Erde und Leder, Holz und Zeder, Gewürz und Pfeffer, Süße und Karamell, Frucht, Blüte, Rauch, Nuss, Röstung. Aromenräder aus der Wein- und Kaffeewelt lassen sich fast unverändert übernehmen. Wichtiger als das treffende Wort ist die Wechselwirkung – „verstärkt“, „ergänzt“, „neutral“ oder „überdeckt“ sind die vier Begriffe, auf die es ankommt. Nach einigen Dutzend Einträgen zeichnet sich ein Muster ab: ob man Süße oder Kontrast bevorzugt, Kaffee oder Rum, ob das erste oder das letzte Drittel entscheidet. Von da an ist Pairing keine Frage von Empfehlungen mehr, sondern von Erfahrung. Wie der Tabak seinen Weg von der Karibik nach Europa fand, beschreibt die Seite Geschichte des Tabaks.
Quellen
- Habano – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Habano
- Latakia (tobacco) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Latakia_(tobacco)
- Scotch Whisky, Abschnitt Islay – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Scotch_Whisky
- Tannine (Gerbstoffe) und Adstringenz – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Tannine
- Retronasal smell (retronasales Riechen, Grundgeschmacksrichtungen) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Retronasal_smell
Häufige Fragen
- Muss es Alkohol sein, oder funktioniert Pairing auch mit Kaffee und Tee?
Es funktioniert ohne Alkohol oft sogar präziser, weil nichts die Schleimhäute betäubt. Espresso zum Maduro, Schwarztee zum Virginia-Flake und Lapsang Souchong zu Latakia gehören zu den verlässlichsten Paaren überhaupt; Kakao, Rooibos und Ginger Beer erweitern das Feld.
- Warum passt Rotwein so selten zur Zigarre?
Weil Tannin und Säure des Weins mit dem Rauch um denselben Gaumen konkurrieren: Beide trocknen den Mund aus, und die Aromen verschwinden hinter einem pelzigen Gefühl. Reife Rotweine mit weichen Tanninen, Süßweine wie Tawny Port oder Banyuls und Sherry funktionieren deutlich besser.
- Whisky mit Eis oder ohne?
Ohne. Kälte hält die Aromen im Glas, betäubt die Rezeptoren und macht das Getränk härter; Eis verwässert außerdem. Wer die Alkoholschärfe mildern möchte, gibt wenige Tropfen zimmerwarmes Wasser hinzu – das öffnet den Whisky, statt ihn zu dämpfen.
- In welcher Reihenfolge probiert man mehrere Paare?
Von leicht nach kräftig, sowohl beim Tabak als auch beim Getränk: helle Zigarre und Fino zuerst, Habano und Rum danach, Maduro und Port zuletzt. Zwischen den Paaren ein Schluck stilles Wasser, damit der Gaumen wieder bei null beginnt.
- Wie erkennt man, ob ein Pairing wirklich funktioniert?
Indem man beide Partner erst getrennt und dann im Wechsel probiert und sich fragt, ob das Getränk den Tabak verstärkt, ergänzt, neutral begleitet oder überdeckt. Notiert man diese Einschätzung je Drittel, zeigt sich schnell, welche Verbindungen tragen und welche nur am Anfang gefallen.