Glossar

Tabak hat eine eigene Sprache. Sie stammt aus der Botanik, aus Trockenscheunen und Fermentationshallen, aus den Zigarrenmanufakturen der Karibik, aus Steuergesetzen und aus der Medizin. Dieses Glossar erklärt über hundert Begriffe aus all diesen Welten – von „Air-cured“ bis „Zusatzstoffe“ – in wenigen Sätzen, aber mit den Zusammenhängen, die man braucht, um die übrigen Seiten dieser Domain zu lesen: Pflanze, Sorten, Verarbeitung, Produkte, Geschichte, Gesundheit und Recht & Steuer.

Inhalt

  1. Zum Aufbau dieses Glossars
  2. A bis D
  3. E bis H
  4. I bis L
  5. M bis P
  6. Q bis T
  7. U bis Z
  8. Begriffe nach Themenfeld

Zum Aufbau dieses Glossars

Die Begriffe sind alphabetisch in sechs Buchstabengruppen geordnet. Jeder Eintrag beginnt mit dem gebräuchlichsten deutschen Wort; wo die Fachsprache englisch oder spanisch ist – und das ist sie in der Tabakwelt oft –, steht die fremdsprachige Form in Klammern. Ein „siehe“ führt zu dem Eintrag, unter dem ein Begriff ausführlicher erklärt ist; am Ende sind alle Begriffe nach Themenfeldern sortiert. Durchgehend werden Tabaktypen (Virginia, Burley) von Verfahren (flue-cured, Cavendish) und Produkten (Zigarette, Snus) unterschieden, und bei gesundheitsbezogenen Einträgen werden Unterschiede zwischen den Konsumformen benannt, aber nicht beschönigt.

A bis D

Trockenscheune mit luftgetrocknetem Tabak – Blick in eine offene Tabakscheune, in der Reihen ganzer Tabakpflanzen und Blattbündel an Holzlatten hängen
Lufttrocknung (air-cured): Wochenlang hängen die Blätter in offenen Scheunen, bis sie ihre Zucker verbraucht haben und braun geworden sind.
Abhängigkeit (Tabakabhängigkeit)
Eine anerkannte Erkrankung, in der Klassifikation ICD-10 unter F17 geführt. Sie beruht auf der Wirkung des Nikotins auf das Belohnungssystem des Gehirns und wird durch Gewohnheiten, Rituale und soziale Situationen verstärkt. Beim Absetzen treten Reizbarkeit, Unruhe, Konzentrationsprobleme und gesteigerter Appetit auf, am stärksten in den ersten Tagen. Den Schweregrad schätzt der Fagerström-Test.
Air-cured (luftgetrocknet)
Trocknung über mehrere Wochen in offenen, überdachten Scheunen, deren Klappen je nach Wetter geöffnet und geschlossen werden. Weil der Prozess langsam läuft, verbraucht das Blatt seine Zucker fast vollständig; es entsteht ein zuckerarmer, brauner Tabak mit alkalischem Rauch – typisch für Burley, dunkle Tabake und praktisch alle Zigarrentabake. Alle Verfahren im Vergleich unter Curing.
Alkaloide
Stickstoffhaltige Pflanzenstoffe, die viele Nachtschattengewächse als Fraßschutz bilden. Beim Tabak dominiert das Nikotin; daneben kommen Nornikotin, Anatabin und Anabasin in kleinen Mengen vor. Gebildet werden sie in der Wurzel und in die Blätter transportiert, wo sie sich in den oberen Etagen anreichern.
American Blend
Der weltweit verbreitetste Zigarettenstil: heißluftgetrockneter Virginia, luftgetrockneter Burley und sonnengetrockneter Orient, ergänzt durch Soße und Topping. Er entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA und verdrängte nach 1945 in weiten Teilen Europas die reinen Virginia- und die Orient-Zigaretten. Der Burley trägt die Aromatisierung, der Orient liefert Würze, der Virginia die Süße.
Ammoniak
Entsteht bei der Fermentation aus dem Abbau von Eiweißen – der stechende Geruch einer Fermentationshalle stammt großteils von ihm. In der Zigarettenherstellung werden Ammoniumverbindungen zudem in Soßen und Tabakfolie eingesetzt; umstritten ist, ob sie den Anteil freien Nikotins im Rauch erhöhen und die Aufnahme beschleunigen.
Aromen (charakteristische Aromen)
Rechtlich ein deutlich wahrnehmbarer Geruch oder Geschmack, der nicht vom Tabak stammt – Frucht, Vanille, Gewürze, Menthol. Die Tabakproduktrichtlinie verbietet solche Aromen in Zigaretten und Feinschnitt, weil sie den Einstieg erleichtern; Pfeifentabak, Zigarren und Wasserpfeifentabak sind ausgenommen, für erhitzte Tabakerzeugnisse gilt das Verbot seit 2023 ebenfalls. Davon zu unterscheiden sind die natürlichen Noten des Blattes – heuartig beim Virginia, nussig beim Burley, harzig beim Orient.
Bauerntabak
Deutsche Bezeichnung für Nicotiana rustica, die zweite kultivierte Tabakart – siehe Nicotiana und Machorka.
Black Cavendish
Ein durch Verfahren definierter Pfeifentabak: Virginia oder Burley wird mit Zuckerlösung gesoßt und über Stunden oder Tage unter Dampf und Druck erhitzt, bis das Blatt fast schwarz ist. Die Zucker karamellisieren, die Schärfe verschwindet; es bleibt ein sehr milder, süßlicher Tabak, der Toppings gut aufnimmt – die Basis der meisten aromatisierten Mischungen dänischer Prägung. Siehe Cavendish.
Blattetagen
Die Position eines Blattes am Stängel bestimmt seinen Charakter mehr als fast alles andere: Von unten nach oben werden die Blätter dicker, ölreicher, kräftiger und nikotinreicher. Die Zigarrenwelt unterscheidet Volado, Seco und Ligero, der traditionelle deutsche Anbau Grumpen, Sandblatt, Hauptgut und Bestgut. Die Etagen werden getrennt geerntet, getrocknet und sortiert. Mehr auf der Seite über die Tabakpflanze.
Blauschimmel
Die gefürchtetste Blattkrankheit des Tabaks, verursacht durch Peronospora tabacina, einen Falschen Mehltau: gelbe Flecken oben, grau-blauer Sporenrasen unten, ganze Bestände können in Tagen zusammenbrechen. Um 1960 zog eine Epidemie durch Europas Anbaugebiete; seither sind Saatbeethygiene, Fungizide und resistente Sorten Standard.
Blend (Mischung)
Die Rezeptur eines Produkts: welche Typen, Herkünfte, Erntejahre und Etagen in welchen Anteilen zusammenkommen. Ein Blend gleicht Ernteschwankungen aus und hält ein Produkt über Jahre konstant – die eigentliche Aufgabe des Blenders. Das Gegenstück ist der Puro. Die Typen beschreibt die Seite Tabaksorten.
Brasil (Brasil-Deckblatt)
Die dunklen, luftgetrockneten Tabake aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia, vor allem aus Mata Fina und Mata Norte: dunkelbraun bis schwarz, weich, leicht süßlich und erdig. Seit dem 19. Jahrhundert ein klassisches Deckblatt und Einlagetabak europäischer Zigarren und Zigarillos. Brasilien ist heute zudem einer der größten Exporteure von Virginia und Burley.
Broadleaf (Connecticut Broadleaf)
Eine großblättrige Sorte aus dem Connecticut-Tal, die – anders als der dortige Schattentabak – in voller Sonne wächst, als ganze Pflanze geschnitten und luftgetrocknet wird. Das dicke, ölreiche Blatt verträgt lange Fermentation und liefert die klassischen Maduro-Deckblätter. Verwandte Typen wachsen in Pennsylvania und im mexikanischen San Andrés.
Burley
Nach Virginia der zweitwichtigste Tabaktyp. Der „White Burley“ geht auf eine 1864 in Ohio entdeckte Mutation mit hellem Stängel zurück. Burley ist luftgetrocknet, zuckerarm, vergleichsweise nikotinreich und trocken-nussig; seine schwammige Struktur nimmt Soßen besser auf als jeder andere Tabak, weshalb er im American Blend die Aromatisierung trägt. Anbauschwerpunkte: Kentucky, Tennessee, Malawi, Brasilien.
Cavendish
Kein Tabaktyp, sondern ein Veredelungsverfahren für Pfeifentabak: soßen, erhitzen oder dämpfen, pressen – der Tabak wird dunkler, weicher und milder. Der Name wird traditionell auf den Seefahrer Thomas Cavendish zurückgeführt, der im 16. Jahrhundert Tabak auf der Überfahrt mit Zucker versetzt haben soll; belegt ist das nicht. Je nach Intensität: Golden, Brown oder Black Cavendish.
COPD
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung vereint chronische Bronchitis und Emphysem: Die Atemwege sind dauerhaft entzündet und verengt, die Lungenbläschen werden zerstört. Rauchen ist die mit Abstand häufigste Ursache; die Krankheit schreitet schleichend fort und fällt oft erst bei Atemnot unter geringer Belastung auf. Ein Rauchstopp verlangsamt den Verlauf, bringt verlorene Lungenfunktion aber nicht zurück.
Criollo
Wörtlich „einheimisch“: die ursprüngliche kubanische Samenlinie, aus der die meisten Zigarrentabake der Karibik und Mittelamerikas abstammen. Traditionell diente Criollo als Einlage und Umblatt, die daraus gezüchtete Sorte Corojo als Deckblatt der Havanna. Die robustere Linie Criollo 98 wird heute in Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik ebenso angebaut wie auf Kuba.
Curing (Trocknung)
Der englische Oberbegriff für die Trocknung des Blattes, die zugleich ein biochemischer Umbau ist: Chlorophyll wird abgebaut, Stärke in Zucker umgewandelt und – je nach Verfahren – wieder veratmet, das Blatt wechselt von Grün über Gelb zu Braun. Die vier Grundverfahren unterscheiden sich so stark, dass sie die großen Tabaktypen definieren. Einzelheiten auf der Seite Verarbeitung.

Die vier Trocknungsverfahren im Vergleich

VerfahrenWieDauerTypische TabakeErgebnis
Air-cured (luftgetrocknet)in offenen, belüfteten Scheunen hängendmehrere WochenBurley, dunkle Tabake, Zigarrentabakezuckerarm, braun, alkalischer Rauch
Flue-cured (heißluftgetrocknet)Heißluft in geschlossenen Kammern, Rauchgase bleiben draußenetwa eine WocheVirginiazuckerreich, zitronengelb bis orange, mild-süß
Fire-cured (feuergetrocknet)Schwelfeuer aus Hartholz im Boden geschlossener ScheunenTage bis WochenKentucky, Latakia (Sonderform)dunkel, rauchig, kräftig, sehr haltbar
Sun-cured (sonnengetrocknet)auf Schnüre gezogen, auf Gestellen im Freienein bis mehrere WochenOrientkleinblättrig, würzig, reich an ätherischen Ölen
Dunkler Tabak (Dark Air-cured, Tabaco negro)
Schwere, großblättrige, luftgetrocknete und meist fermentierte Tabake, dunkelbraun bis schwarz, kräftig und nikotinreich. Historisch die Grundlage der „schwarzen“ Zigaretten Frankreichs und Spaniens, der dunklen Feinschnitte in Deutschland und den Niederlanden sowie von Kau- und Schnupftabak; heute leben sie vor allem in Zigarren fort. In Deutschland war der Geudertheimer lange der wichtigste dunkle Tabak.
Deckblatt (Wrapper, Capa)
Das äußere Blatt der Zigarre, das den Wickel spiralförmig umschließt. Es muss dünn, elastisch, feinadrig, gleichmäßig gefärbt und makellos sein, gut brennen und fein schmecken. Deckblätter wachsen deshalb auf eigenen Feldern, oft als Schattentabak, und werden aufwendiger sortiert als alle anderen Tabake. Berühmte Herkünfte: Connecticut, Sumatra, Kamerun, Bahia, Ecuador, Vuelta Abajo.
Deckblattfarben (Claro, Colorado, Maduro, Oscuro)
Eine Farbskala von Claro (hell) über Colorado (rötlich-braun) bis Maduro (dunkelbraun) und Oscuro (fast schwarz); das grünliche Candela behält durch schnelle Hitzetrocknung sein Chlorophyll. Die Farbe entsteht aus Etage, Trocknung und Dauer der Fermentation. Sie verrät etwas über Süße und Tiefe des Deckblatts, aber wenig über die Stärke, die von der Einlage abhängt.

E bis H

Einlage (Filler, Tripa)
Das Innere der Zigarre, in dem ihr Charakter entsteht. Bei Premiumzigarren besteht sie aus ganzen, gefalteten Blättern (Longfiller), meist einer Kombination aus Ligero, Seco und Volado, wobei der kräftige Ligero in die Mitte kommt, damit er langsam mitbrennt. Maschinelle Zigarren und Zigarillos verwenden Tabakstücke (Shortfiller).
Entrippen (Stripping, Despalillo)
Das Entfernen der Mittelrippe aus dem getrockneten Blatt. Bei Zigarrentabaken geschieht es von Hand – Deckblätter werden halbiert, Einlageblätter oft nur bis zur Hälfte entrippt –, bei Zigarettentabaken übernehmen Dreschanlagen die Trennung von Blattgewebe und Rippe. Die Rippen werden zu Tabakfolie oder Füllstoff weiterverarbeitet.
Entwöhnung (Rauchstopp)
Der Ausstieg gelingt am ehesten, wenn Verhaltensunterstützung und Medikamente kombiniert werden: Beratung oder Kurs plus Nikotinersatz oder verschreibungspflichtige Wirkstoffe; damit steigen die Erfolgsaussichten gegenüber dem Versuch ohne Hilfe deutlich. Rückfälle gehören zum Prozess, viele brauchen mehrere Anläufe. Der Nutzen setzt sofort ein und wächst über Jahre. Die Wege beschreibt die Seite Gesundheit.
Ernte
Beim Priming bricht man die Blätter einzeln, von unten nach oben, in mehreren Durchgängen, sobald die jeweilige Etage reif ist – üblich bei Virginia, Orient und Zigarrentabaken. Beim Stalk-cutting wird die ganze Pflanze geschnitten und in die Scheune gehängt, sodass die Blätter beim Trocknen weiter aus dem Stängel zehren – üblich bei Burley, Broadleaf und dunklen Tabaken.
E-Zigarette
Ein batteriebetriebenes Gerät, das eine Flüssigkeit aus Propylenglykol, Glycerin, Aromen und meist Nikotin an einer Heizwendel verdampft. Es entsteht Aerosol, kein Rauch; die meisten Verbrennungsgifte fehlen oder liegen weit niedriger, doch Nikotin, Aldehyde und Spuren von Metallen bleiben, und Langzeitdaten fehlen. In der EU ist der Nikotingehalt auf 20 Milligramm je Milliliter begrenzt; in Deutschland werden Liquids seit 2022 besteuert.
Fagerström-Test
Ein kurzer Fragebogen zur Messung der körperlichen Nikotinabhängigkeit. Die gewichtigsten Fragen: wie bald nach dem Aufwachen die erste Zigarette folgt und wie viele täglich. Der Punktwert reicht von geringer bis sehr starker Abhängigkeit und steuert die Dosierung der Nikotinersatztherapie.
FCTC (WHO-Rahmenübereinkommen)
Das Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, der erste völkerrechtliche Vertrag unter dem Dach der WHO: 2003 verabschiedet, 2005 in Kraft, von der großen Mehrheit der Staaten ratifiziert, Deutschland eingeschlossen. Er verpflichtet zu Werbebeschränkungen, Warnhinweisen, Steuerpolitik und Nichtraucherschutz und verlangt, die Gesundheitspolitik vor der Einflussnahme der Industrie zu schützen.
Feinschnitt
Fein geschnittener Tabak zum Selbstdrehen oder Stopfen in Filterhülsen, steuerrechtlich über den Schnitt definiert – Rauchtabak gilt als Feinschnitt, sobald mehr als ein Viertel des Gewichts der Tabakteile schmaler oder kürzer als anderthalb Millimeter ist. Weil Feinschnitt lange niedriger besteuert wurde, gilt er als Ausweichprodukt bei steigenden Zigarettenpreisen. Die Selbstgedrehte ist keine mildere Zigarette, da sie meist ohne Filter und gleich tief inhaliert geraucht wird.
Fermentation
Der kontrollierte Gärprozess, in dem aus getrocknetem Blatt genussfähiger Tabak wird. Angefeuchtete Blätter werden zu Stapeln (pilones) geschichtet, in denen Mikroorganismen und Enzyme die Temperatur steigen lassen; bei Erreichen der Zielwärme wird umgeschichtet, damit jedes Blatt gleichmäßig reift. Dabei entweichen Ammoniak und Reizstoffe, ein Teil des Nikotins wird abgebaut, die Farbe vertieft sich. Zigarrentabake durchlaufen mehrere Fermentationen über Monate. Details auf der Seite Verarbeitung.
Feuchthaltemittel (Humectants)
Stoffe, die Wasser binden und den Tabak geschmeidig halten: Glycerin, Propylenglykol, Sorbit. Sie kommen mit der Soße auf den Tabak, verhindern Zerbröseln und beeinflussen das Brennverhalten. In Wasserpfeifentabak und in den Liquids der E-Zigarette sind Glycerin und Propylenglykol Hauptbestandteile und Träger des sichtbaren Nebels.
Filter
Das Mundstück der Zigarette, fast immer aus Celluloseacetat-Fasern. Der Filter hält im Maschinentest einen Teil der Partikel zurück, doch Raucher gleichen das aus, indem sie tiefer ziehen oder die feinen Belüftungslöcher verdecken (siehe Light). Filter sind weltweit das häufigste Abfallstück in der Umwelt und tragen in der EU seit 2021 eine Kennzeichnung als Einwegplastik.
Fire-cured (feuergetrocknet)
Trocknung über Schwelfeuern aus Hartholz auf dem Boden geschlossener Scheunen. Der Rauch durchdringt das Blatt über Tage bis Wochen, macht es dunkel, kräftig, rauchig-würzig und sehr haltbar. Das Verfahren stammt aus Kentucky und Tennessee („Dark Fired Kentucky“) und wird auch in Italien für Toscano-Zigarren angewandt. Verwendung in Schnupf- und Kautabak, Pfeifenmischungen und kräftigen Zigarren; eine Sonderform ist Latakia.
Flue-cured (heißluftgetrocknet)
Trocknung in geschlossenen Kammern, die über Rohre („flues“) oder Wärmetauscher beheizt werden, sodass keine Rauchgase an den Tabak gelangen. Der Prozess dauert etwa eine Woche: Erst wird das Blatt bei mäßiger Wärme gelb, dann steigt die Temperatur, bis Blattfläche und Rippe trocken sind. Weil alles schnell geht, bleiben die Zucker erhalten – das Ergebnis ist der helle, süßliche Virginia.
Geudertheimer
Eine dunkle, luftgetrocknete Sorte, benannt nach dem elsässischen Ort Geudertheim, die im 19. und 20. Jahrhundert den Anbau in Pfalz, Baden und Elsass prägte: Umblatt und Einlage für Zigarren, Rohstoff dunkler Zigaretten und Feinschnitte. Mit dem Wandel zum American Blend verlor sie ihren Markt; heute wächst in Deutschland überwiegend Virginia und Burley.
Habano
Spanisch für „aus Havanna“, in zwei Bedeutungen gebräuchlich: als geschützte Bezeichnung einer auf Kuba aus kubanischem Tabak hergestellten Zigarre und als Sortenname für Tabake kubanischer Samenlinie, die auch in Nicaragua, Honduras oder Ecuador wachsen. Ein „Habano-Deckblatt“ aus Ecuador ist also kein kubanisches Blatt, sondern eines aus kubanischem Saatgut. Alles zur kubanischen Zigarre auf der Schwesterseite kubanischezigarren.org.
Homogenisierter Tabak (Tabakfolie, Reconstituted Tobacco)
Ein Werkstoff aus Tabakresten: Rippen, Staub und Bruch werden gemahlen, mit Wasser und Bindemitteln zu Brei verarbeitet und auf papiermaschinenähnlichen Anlagen zu einer gleichmäßigen Bahn geformt. Sie lässt sich wie Blatt schneiden oder zu Umblatt und Deckblatt maschineller Zigarillos verarbeiten; auch die Sticks von Tabakerhitzern bestehen daraus.
Humidor
Ein Behälter zur Lagerung von Zigarren bei konstanter Feuchte, vom Tischkästchen bis zum begehbaren Raum, klassisch mit spanischem Zedernholz ausgekleidet, das Feuchte puffert und den Tabakkäfer abschreckt. Befeuchter und Hygrometer halten die Luft bei etwa 70 Prozent relativer Feuchte. Zu trocken gelagerte Zigarren werden brüchig und brennen heiß, zu feuchte schimmeln; bei Wärme schlüpfen die Larven des Tabakkäfers.

Praxishinweis Feuchte und Lagerung: Tabak ist hygroskopisch, er nimmt Wasser aus der Luft auf und gibt es wieder ab. Zigarren wollen gleichbleibende Feuchte um 70 Prozent; Feinschnitt und Pfeifentabak trocknen in einer geöffneten Packung binnen Tagen aus und rauchen sich dann heiß und kratzig. Nachfeuchten geschieht vorsichtig und indirekt, etwa über ein feuchtes Tonstück im verschlossenen Behälter, nie durch direktes Benetzen – zu viel Feuchte ist der sicherste Weg zum Schimmel.

I bis L

Blattetagen der Zigarrentabakpflanze – Botanische Illustration einer einzelnen, gekopften Zigarrentabakpflanze in Seitenansicht
Von unten nach oben: Volado (leicht, gut brennend), Seco (aromatisch, ausgewogen) und Ligero (dick, ölig, kräftig) – die Etage bestimmt die Rolle des Blattes in der Zigarre.
Inhalation (Lungenzug, Paffen)
Ob Rauch in die Lunge gezogen oder nur im Mund gehalten wird, hängt vor allem von seiner Chemie ab: Der leicht saure Rauch zuckerreicher, heißluftgetrockneter Tabake lässt sich inhalieren, der alkalische Rauch von Zigarren und Pfeifen kratzt beim Lungenzug, gibt sein Nikotin aber über die Mundschleimhaut ab. „Nicht inhaliert“ heißt deshalb nicht „ohne Nikotin“; es verschiebt die Risiken auf Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre.
Jugendschutz
In Deutschland dürfen Tabakwaren und E-Zigaretten – mit und ohne Nikotin – nicht an Personen unter 18 Jahren abgegeben werden, und Minderjährige dürfen in der Öffentlichkeit nicht rauchen. Die Altersgrenze wurde 2007 von 16 auf 18 angehoben; Automaten müssen seither das Alter prüfen. Hintergrund: Die meisten Raucherkarrieren beginnen im Jugendalter, und das jugendliche Gehirn wird besonders schnell abhängig.
Kanzerogene (krebserzeugende Stoffe)
Tabakrauch enthält tausende Verbindungen, darunter Dutzende nachgewiesene Krebserreger: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo[a]pyren, tabakspezifische Nitrosamine, Benzol, Formaldehyd, 1,3-Butadien, Cadmium, Arsen und das radioaktive Polonium-210. Die Internationale Krebsforschungsagentur stuft Tabakrauch, Passivrauch und rauchlosen Tabak als sicher krebserzeugend ein. Die meisten Stoffe entstehen bei der Verbrennung; die Nitrosamine sind schon im unverbrannten Tabak enthalten.
Kasing (Soße, Soßierung, Casing)
Die Behandlung des Tabaks mit einer wässrigen Lösung aus Zuckern, Kakao, Lakritz, Fruchtextrakten und Feuchthaltemitteln, meist vor dem Schneiden. Die Soße gleicht Ernteunterschiede aus, mildert Schärfe und prägt den Grundcharakter; Burley nimmt sie am stärksten auf. Abzugrenzen ist das Topping nach dem Schnitt. Premium-Zigarrentabake werden nicht gesoßt.
Kautabak
Fermentierter, meist gesüßter und aromatisierter Tabak, der in die Wange gelegt wird; der Speichel wird ausgespuckt. Formen: gepresster Plug, gedrehter Twist, loses Blatt, in Deutschland der „Priem“. Verbreitet in den US-Südstaaten und Südasien, in Europa eine Nische. In Deutschland nicht tabaksteuerpflichtig, aber keineswegs harmlos: Mundhöhlen- und Speiseröhrenkrebs, Zahnfleischschwund und starke Abhängigkeit sind die Hauptrisiken.
Kentucky
Dunkler, feuergetrockneter Tabak aus Kentucky und Tennessee: dickes, dunkelbraunes Blatt, kräftiger, rauchiger, nikotinreicher Rauch. Traditionell für Schnupf- und Kautabak, heute auch für kräftige Pfeifenmischungen und Zigarren. Unter demselben Namen wird die Sorte in Italien angebaut, wo sie den Rohstoff der Toscano-Zigarren liefert.
Kohlenmonoxid (CO)
Ein farb- und geruchloses Gas jeder unvollständigen Verbrennung – also jeder Zigarette, Zigarre, Pfeife und besonders reichlich der Wasserpfeife mit ihrer Kohle. Es bindet um ein Vielfaches stärker an den roten Blutfarbstoff als Sauerstoff und blockiert den Sauerstofftransport; bei hohen Konzentrationen drohen Kopfschmerz, Übelkeit und Bewusstlosigkeit. In der Ausatemluft messbar, dient es in der Entwöhnung als Nachweis der Rauchfreiheit.
Köpfen und Geizen (Topping, Suckering)
Das Ausbrechen des Blütenstandes, sobald die Pflanze zu blühen beginnt: Sie investiert danach nicht mehr in Samen, sondern in die verbliebenen Blätter, die dicker, schwerer und nikotinreicher werden. Weil die Pflanze anschließend Seitentriebe aus den Blattachseln treibt, folgt das Geizen – das Entfernen dieser Triebe von Hand oder mit Wuchshemmstoffen.
Kräuterzigaretten
Zigaretten ohne Tabak und Nikotin, gefüllt mit Kräutern wie Damiana, Pfefferminze, Eibisch oder Huflattich, verwendet als Übergangshilfe beim Rauchstopp oder als Requisite in Film und Theater. Nikotinfrei heißt nicht schadstofffrei: Was verbrennt, erzeugt Teer, Kohlenmonoxid und Feinstaub, und das Ritual bleibt erhalten. Ausführlich auf der Schwesterseite kraeuterzigaretten.com.
Latakia
Der rauchigste aller Tabake: ein Orient-Blatt, das nach der Sonnentrocknung wochenlang über schwelenden Feuern aus aromatischen Hölzern und Sträuchern geräuchert wird, bis es schwarz glänzt. Benannt nach der syrischen Hafenstadt, stammt er heute überwiegend aus Zypern. Sein Aroma erinnert an Weihrauch, Leder und Lagerfeuer; schon kleine Anteile prägen englische Pfeifenmischungen.
Light, Mild (Bezeichnungsverbot)
Bezeichnungen wie „light“, „mild“ oder „ultra“ sind auf Tabakverpackungen in der EU seit 2003 verboten, weil sie einen geringeren Schaden suggerieren, den es nicht gibt. Die niedrigeren Maschinenwerte solcher Zigaretten beruhten auf Belüftungslöchern im Filter, die Raucher unbewusst verdecken, und auf tieferem Inhalieren. Die anschließend eingeführten Farbcodes hat die Tabakproduktrichtlinie ebenfalls eingeschränkt.

Hinweis zu „mild“, „leicht“, „natürlich“ und „ohne Zusätze“: Keiner dieser Begriffe beschreibt ein geringeres Gesundheitsrisiko. Milde bezieht sich auf das Geschmacksempfinden, „natürlich“ auf die Herstellung, „ohne Zusätze“ auf die Rezeptur – der Rauch enthält in allen Fällen dieselben Verbrennungsprodukte in ähnlicher Menge. Der einzige Vergleichsmaßstab, der für die eigene Gesundheit zählt, ist nicht die andere Zigarette, sondern der Verzicht.

Ligero
Die obersten Blätter der Zigarrentabakpflanze, die am längsten reifen und die meiste Sonne erhalten: dick, ölig, dunkel, nikotinreich, langsam brennend. Der Ligero liefert die Stärke einer Zigarre, wird länger fermentiert als die anderen Etagen und in der Einlage in die Mitte gelegt, damit die besser brennenden Blätter ihn umgeben.
Longfiller
Eine Einlage aus ganzen, der Länge nach gelegten Blättern – das Kennzeichen der handgerollten Premiumzigarre. Longfiller brennt gleichmäßig, entwickelt den Geschmack über die Länge und lässt sich nur von geübten Torcedores verarbeiten. Das Gegenstück ist der Shortfiller. „Totalmente a mano“ auf kubanischen Kisten bezeichnet die vollständig von Hand gefertigte Longfiller-Zigarre.

Die Blattetagen der Zigarrentabakpflanze im Überblick

EtageSpanischDeutsch (traditionell)MerkmaleRolle in der Zigarre
oberste BlätterLigeroBestgut, Obergutdick, ölig, dunkel, nikotinreich, langsam brennendStärke; Kern des Wickels
mittlere BlätterSecoHauptgutdünner, aromatisch, ausgewogenAroma; Hauptmasse der Einlage
untere BlätterVoladoSandblatt, Grumpenleicht, mild, gut brennendBrennverhalten; Milde
Deckblattpflanzen (eigene Felder, oft unter Gaze)CapaDeckblattdünn, elastisch, feinadrig, makellosHülle; Optik und feines Aroma

M bis P

Machorka
Der grobe, sehr kräftige Tabak aus Nicotiana rustica, über Jahrhunderte in Russland, der Ukraine und Osteuropa angebaut. Machorka wurde samt zerkleinerter Stängel geraucht, oft in Zeitungspapier gedreht, und war im 20. Jahrhundert der Tabak der Soldaten und der Landbevölkerung. Mit der Fabrikzigarette ist er fast verschwunden.
Maduro
Spanisch für „reif“: ein dunkelbraunes bis fast schwarzes Deckblatt aus längerer, wärmerer Fermentation dicker Blätter – klassisch Broadleaf, San Andrés oder Brasil. Der lange Prozess baut Zucker zu dunklen Röstnoten um; Maduro schmeckt süßlich, nach Kakao, Kaffee und Trockenfrucht. Entgegen dem Augenschein macht es eine Zigarre nicht automatisch stärker, denn die Stärke kommt aus der Einlage.
Menthol
Ein Aromastoff aus Pfefferminzöl, der die Kälterezeptoren reizt und die Atemwege unempfindlicher macht – Rauch fühlt sich kühler an und wird tiefer inhaliert. Weil Menthol so den Einstieg erleichtert, hat die EU Mentholzigaretten und mentholhaltigen Feinschnitt einschließlich Aromakapseln seit Mai 2020 verboten. In Pfeifen- und Wasserpfeifentabak, Zigarren und E-Liquids bleibt es erlaubt.
Moassel (Wasserpfeifentabak)
Der feuchte, klebrige Tabak der Wasserpfeife: grob geschnittenes Blatt, vermengt mit Melasse oder Honig, reichlich Glycerin und intensiven Fruchtaromen, oft mit mehr Zusatzstoffen als Tabak. Er wird nicht angezündet, sondern unter Kohle durch Folie oder einen Metallaufsatz erhitzt, sodass die Glycerinmischung verdampft und der Tabak verschwelt. In Deutschland seit den 2020er-Jahren eine eigene Steuerkategorie mit begrenzten Packungsgrößen.
Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Die Pflanzenfamilie des Tabaks, zu der Kartoffel, Tomate, Paprika, Aubergine und Petunie zählen – ebenso Tollkirsche, Stechapfel und Bilsenkraut. Viele Mitglieder bilden wirksame Alkaloide, vom Solanin der Kartoffel über das Atropin der Tollkirsche bis zum Nikotin.
Nichtraucherschutz
Gesetzliche Rauchverbote in geschlossenen Räumen zum Schutz Dritter vor Passivrauch. In Deutschland regelt ein Bundesgesetz seit 2007 Einrichtungen des Bundes und den öffentlichen Verkehr; für Gaststätten, Schulen und Behörden gelten Landesgesetze, die unterschiedlich streng ausfielen – Bayern, das Saarland und Nordrhein-Westfalen gingen am weitesten. Ob E-Zigaretten und Tabakerhitzer erfasst sind, hängt vom Landesgesetz ab.
Nicotiana
Die Pflanzengattung des Tabaks mit rund 75 Arten, überwiegend in Amerika und Australien heimisch, benannt nach Jean Nicot, der die Pflanze um 1560 an den französischen Hof schickte; Linné übernahm den Namen 1753. Angebaut werden zwei Arten: Nicotiana tabacum, der Kulturtabak, eine alte Hybride zweier südamerikanischer Wildarten, und Nicotiana rustica, der gedrungenere, nikotinreichere Bauerntabak.
Nikotin
Das Hauptalkaloid des Tabaks, 1828 in Heidelberg erstmals rein dargestellt: eine farblose, ölige Flüssigkeit, die sich an der Luft braun färbt. Die Pflanze bildet es in der Wurzel als Fraßschutz und lagert es in den Blättern ab. Im Körper wirkt es an den nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren, setzt Dopamin frei und erzeugt eine der stärksten bekannten Abhängigkeiten; inhaliert erreicht es das Gehirn in Sekunden. Zugleich ein Gift, das lange als Insektizid diente.
Nikotinbeutel (Nicotine Pouches)
Kleine weiße Beutel mit Nikotin, Pflanzenfasern und Aromen, aber ohne Tabak, die wie Snus unter die Oberlippe gelegt werden. Ohne Tabak fallen sie nicht unter das EU-Tabakrecht; in Deutschland ordnen die Behörden sie bislang dem Lebensmittelrecht zu, das Nikotin als Zutat nicht zulässt, sodass sie hier derzeit nicht verkauft werden dürfen. Der Rauch fehlt, das abhängig machende Nikotin nicht.
Nikotinersatztherapie (NET)
Die Zufuhr von Nikotin ohne Tabak und Rauch, um Entzugssymptome zu dämpfen: Pflaster für den gleichmäßigen Grundspiegel, Kaugummi, Lutschtablette, Spray oder Inhaler für den akuten Bedarf; die Kombination beider ist wirksamer als jede Einzelform. Nikotinersatz ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich und erhöht die Chancen, dauerhaft aufzuhören, spürbar – vor allem zusammen mit Beratung.
Nitrosamine (TSNA)
Tabakspezifische Nitrosamine entstehen, wenn Nikotin und verwandte Alkaloide bei Trocknung, Fermentation und Lagerung mit Nitrit reagieren, das Bakterien aus dem Nitrat des Blattes bilden. NNK und NNN gehören zu den stärksten Krebserregern im Tabak und sind schon im unverbrannten Blatt enthalten, weshalb sie auch bei rauchlosen Produkten zählen. Trockene Scheunenführung und die Pasteurisierung von Snus senken die Bildung deutlich.
Orient (Orienttabak, Türkischer Tabak)
Kleinblättrige, sonnengetrocknete Tabake aus Türkei, Griechenland, Bulgarien und Nordmazedonien. Die Pflanzen stehen dicht auf mageren Böden, tragen viele kleine Blätter und bilden zum Schutz vor Sonne und Trockenheit Harze und ätherische Öle, die den würzig-süßen Charakter ausmachen; bekannte Provenienzen sind Basma, Izmir und Samsun. Orient war die Grundlage der Zigarette des 19. Jahrhunderts und ist heute die dritte Komponente des American Blend.
Passivrauchen
Das unfreiwillige Einatmen von Tabakrauch, überwiegend aus dem Nebenstrom der glimmenden Zigarette, der dieselben Schadstoffe enthält, einige sogar in höherer Konzentration. Passivrauchen verursacht Lungenkrebs und Herzkrankheiten bei Erwachsenen, bei Kindern Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen, Asthma und plötzlichen Kindstod; einen unbedenklichen Schwellenwert gibt es nicht. Es ist die wissenschaftliche Grundlage des Nichtraucherschutzes.
Pfeifentabak
Gröber geschnittener Tabak aus Virginia, Burley, Orient, Latakia, dem in Fässern vergorenen Perique aus Louisiana und Cavendish, in Stilen von unaromatisierten englischen Mischungen über reine Virginias bis zu süßen dänischen Aromaten, in Formen von losem Schnitt über gepressten, in Scheiben geschnittenen Flake bis zum Plug. Der Rauch wird meist nicht inhaliert. Steuerlich eine eigene, gegenüber Zigaretten günstigere Kategorie. Mehr auf der Seite Tabakwaren.
Priming (Blattpflücken)
Das Ernten einzelner Blätter nach Reifegrad, im Deutschen „Brechen“. Da die Pflanze von unten nach oben reift, geht man in mehreren Durchgängen durch das Feld und nimmt je Pflanze wenige Blätter mit; bei Virginia übernehmen das auch Maschinen, bei Zigarrentabaken bleibt es Handarbeit. Siehe Ernte.
Puro
Eine Zigarre, deren Deckblatt, Umblatt und Einlage aus einem einzigen Land stammen. Ursprünglich die rein kubanische Zigarre; heute nennt man auch nicaraguanische oder dominikanische Zigarren aus ausschließlich heimischem Tabak so.

Q bis T

Rauch (Hauptstrom, Nebenstrom)
Tabakrauch ist ein Aerosol aus einer Gasphase – Kohlenmonoxid, Aldehyde, Blausäure – und einer Partikelphase, dem Kondensat, in dem das Nikotin sitzt. Der Hauptstromrauch wird beim Zug durch den Tabak gesogen; der Nebenstromrauch steigt zwischen den Zügen vom Glutkegel auf und enthält manche Schadstoffe in höherer Konzentration – er trifft vor allem den Passivraucher.
Reifung (Aging)
Die Lagerung fermentierten Tabaks über Monate oder Jahre in Ballen, Kisten oder Fässern, bei der sich Aroma und Struktur harmonisieren: Restschärfe verschwindet, Einzelnoten verbinden sich. Zigarrentabake reifen vor dem Rollen in Ballen und danach als fertige Zigarre in klimatisierten Räumen. Reifung bindet Kapital und ist deshalb ein Merkmal hochwertiger Produkte. Mehr auf der Seite Verarbeitung.
Rippe (Stem)
Die Mittelader des Blattes: holzig, nitratreich, arm an Aroma, schwer entzündlich. In Zigarrentabaken wird sie ganz oder zur Hälfte entfernt (siehe Entrippen); in der Zigarettenindustrie werden Rippen gewalzt, geschnitten, teils mit Kohlendioxid aufgebläht und als kostengünstiger Bestandteil eingesetzt oder zu Tabakfolie verarbeitet. Bei der Trocknung hält die Rippe am längsten Feuchte.
Rohtabak
Getrockneter, sortierter und verpackter Tabak, wie er zwischen Anbau und Fabrik gehandelt wird – in Ballen, Kisten oder Fässern, nach Typ, Herkunft, Erntejahr und Sortierklasse. Der Handel läuft über Leaf-Dealer, die weltweit einkaufen und aufbereiten, sowie über Anbauverträge der Hersteller. Rohtabak ist in Deutschland nicht steuerpflichtig, unterliegt aber zollamtlicher Überwachung.
Rückverfolgbarkeit (Track & Trace)
Ein EU-weites System, das den Weg jeder Tabakpackung vom Hersteller bis zum letzten Großhändler erfasst: Jede Packung trägt ein individuelles Kennzeichen, das an jeder Station gescannt wird, dazu Sicherheitsmerkmale wie das Steuerzeichen. Für Zigaretten und Feinschnitt gilt es seit 2019, für alle übrigen Tabakerzeugnisse seit 2024.
Saatbeet (Anzucht)
Tabaksamen sind winzig – ein Gramm enthält viele tausend Körner –, weshalb sie nicht direkt aufs Feld gesät, sondern in Saatbeeten oder Anzuchtschalen herangezogen werden. Nach einigen Wochen, bei etwa einer Handbreit Höhe, kommen die Pflänzchen ins Feld. Saatbeethygiene ist die erste Verteidigungslinie gegen Blauschimmel.
Schattentabak (Shade-grown, Tapado)
Tabak, der unter Gaze wächst, die das Feld wie ein Zelt überspannt. Im gefilterten Licht bilden die Pflanzen dünnere, größere, feineradrige und elastischere Blätter mit heller, gleichmäßiger Farbe – die idealen Eigenschaften eines Deckblatts. Um 1900 im Connecticut-Tal entwickelt, auf Kuba als tapado für die Deckblattfelder der Vuelta Abajo Standard; in Ecuador ersetzt die Wolkendecke die Gaze.
Schnupftabak
Fein gemahlener, meist fermentierter und oft aromatisierter Tabak, der durch die Nase eingezogen wird: Der bayerische Schmalzler ist grob und dunkel, englische und deutsche Snuffs sind fein und häufig mentholisiert. Schnupftabak kommt ohne Verbrennung aus, das Nikotin wirkt über die Nasenschleimhaut. In Deutschland steuerfrei; Schleimhautreizungen, Abhängigkeit und ein erhöhtes Krebsrisiko im Nasen-Rachen-Raum sind die Themen.
Seco
Die mittleren Blätter der Zigarrentabakpflanze, dünner als der Ligero, aromatischer als das Volado. Seco bringt Aroma, Ausgewogenheit und den größten Teil der Masse in die Einlage; viele mittelkräftige Zigarren bestehen überwiegend daraus. Das traditionelle deutsche Gegenstück ist das Hauptgut.
Shortfiller
Eine Einlage aus geschnittenen Tabakstücken statt ganzer Blätter. Shortfiller lässt sich maschinell verarbeiten, verwertet Bruch und Reste und ist die Regel bei Zigarillos und preiswerten Zigarren, oft mit Tabakfolie als Umblatt und Deckblatt. Er brennt schneller und heißer als Longfiller; im Rauchverhalten steht ein Shortfiller-Zigarillo der Zigarette oft näher als der Zigarre.
Snus
Ein schwedischer Oraltabak aus gemahlenem, mit Wasser, Salz und Feuchthaltemitteln vermischtem Tabak, der nicht fermentiert, sondern pasteurisiert wird – das unterdrückt die Bakterien, die Nitrosamine bilden. Lose oder im Beutel wird er unter die Oberlippe gelegt. Der Verkauf ist in der EU seit den 1990er-Jahren verboten, Schweden handelte beim Beitritt eine Ausnahme aus; in Deutschland ist der Eigenimport zulässig. Die Verbrennungsgifte fehlen und die Risiken liegen deutlich unter denen des Rauchens – doch das Nikotin macht abhängig, und Schleimhautveränderungen sowie mögliche Folgen für Herz und Bauchspeicheldrüse werden diskutiert.
Sortierung (Grading, Escogida)
Die Einteilung des Tabaks nach Etage, Farbe, Größe, Struktur und Fehlern. Bei Deckblättern entstehen Dutzende Klassen, die geübte Sortierer bei Tageslicht von Hand unterscheiden; im Virginia-Handel legen standardisierte Klassifikationen den Preis fest. Sortierung macht aus heterogenem Erntegut berechenbare Partien und ist damit die Grundlage jeder Mischung.
Steuerzeichen (Banderole)
Der Papierstreifen unter der Folie jeder Packung, mit dem Hersteller oder Importeur die Tabaksteuer entrichten: Sie beziehen die Zeichen vom Zoll und haben die Steuer damit im Voraus bezahlt. Aufgedruckt sind Menge und Kleinverkaufspreis – und dieser Preis ist der verbindliche Ladenpreis, weshalb es in Deutschland keine Rabatte auf Zigaretten gibt. Packungen ohne gültiges Zeichen sind unversteuert.
Sumatra (Sumatra-Deckblatt)
Die Region Deli im Nordosten der indonesischen Insel liefert seit den 1860er-Jahren eines der berühmtesten Deckblätter der Welt: dünn, elastisch, hellbraun, neutral und hervorragend brennend, lange über Auktionen in Amsterdam und später Bremen gehandelt und prägend für die deutsche und niederländische Zigarre. Sumatra-Saatgut wächst heute auch in Ecuador und Kamerun, weshalb „Sumatra“ wie Habano zugleich Sortenlinie und Herkunft bezeichnet.
Sun-cured (sonnengetrocknet)
Trocknung im Freien: Die kleinen Blätter werden auf Schnüre gezogen und auf Gestellen der Sonne ausgesetzt, nachts und bei Regen abgedeckt. Das Verfahren dauert ein bis mehrere Wochen, ist typisch für Orienttabake, deren ätherische Öle es bewahrt, und an trockenes, warmes Klima gebunden. Alle Verfahren im Vergleich unter Curing.
Tabakerhitzer (Heat-not-Burn)
Elektronische Geräte, die kurze Sticks aus Tabakfolie mit Glycerinzusatz auf einige hundert Grad erhitzen, ohne dass der Tabak brennt. Das Aerosol enthält Nikotin in ähnlicher Menge wie Zigarettenrauch, aber deutlich weniger Verbrennungsprodukte. Ob sich das in geringere Krankheitslast übersetzt, ist offen; unschädlich sind die Produkte nicht, und die Abhängigkeit bleibt. In Deutschland wie Zigaretten besteuert; das Verbot charakteristischer Aromen gilt seit 2023 auch für die Sticks.
Tabakerzeugnisgesetz (TabakerzG)
Das deutsche Gesetz von 2016, das die Tabakproduktrichtlinie umsetzt und mit einer Verordnung Herstellung, Kennzeichnung, Inhaltsstoffe und Werbung regelt. Es erfasst auch „verwandte Erzeugnisse“ wie E-Zigaretten und enthält Warnhinweispflichten, Aromenverbot, Meldepflichten für Zusatzstoffe und die Werbeverbote, die in den 2020er-Jahren auf Außen- und Kinowerbung ausgedehnt wurden. Überblick unter Recht & Steuer.
Tabakmosaikvirus (TMV)
Das erste Virus, das die Wissenschaft beschrieben hat: 1892 zeigte Dmitri Iwanowski, dass der Erreger der Mosaikkrankheit bakteriendichte Filter passiert, 1898 beschrieb Martinus Beijerinck den Erreger als „contagium vivum fluidum“ und begründete damit den modernen Virusbegriff. Auf der Pflanze verursacht es hell-dunkle Mosaikmuster und Wachstumsstörungen. Es ist außerordentlich stabil, überlebt in getrocknetem Tabak und wird über Hände und Werkzeuge übertragen – Raucher sollten vor der Arbeit an Tomaten die Hände waschen.
Tabakproduktrichtlinie (TPD, Richtlinie 2014/40/EU)
Der europäische Rechtsrahmen für Tabak- und verwandte Erzeugnisse, seit 2016 wirksam. Sie schreibt kombinierte Bild-Text-Warnhinweise auf 65 Prozent der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Feinschnittpackungen vor, verbietet charakteristische Aromen, legt Mindestpackungen von 20 Zigaretten und 30 Gramm Feinschnitt fest, begrenzt Nikotin in E-Liquids und führte die Rückverfolgbarkeit ein. Eine Vorgängerrichtlinie hatte 2001 die Grenzwerte für Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid gebracht.
Tabaksteuer
Eine vom Zoll verwaltete Verbrauchsteuer des Bundes, eine der ertragreichsten überhaupt. Zigaretten werden mit einem Betrag je Stück plus einem Prozentsatz des Kleinverkaufspreises belastet, ergänzt um eine Mindeststeuer; Feinschnitt, Pfeifen- und Wasserpfeifentabak, Zigarren, erhitzter Tabak und E-Liquids haben eigene Sätze, Kau- und Schnupftabak sind steuerfrei. Tabaksteuern gelten als wirksamstes Einzelinstrument der Tabakkontrolle, weil höhere Preise den Konsum senken, besonders bei Jugendlichen. Einzelheiten unter Recht & Steuer.
Teer (Kondensat)
Die Partikelphase des Rauchs abzüglich Wasser und Nikotin: ein klebriges, braunes Gemisch aus tausenden Verbindungen, darunter die meisten Krebserreger. Die EU begrenzt den Gehalt im Rauch einer Zigarette unter Normbedingungen auf zehn Milligramm Teer, ein Milligramm Nikotin und zehn Milligramm Kohlenmonoxid. Diese Maschinenwerte sagen wenig über die tatsächliche Aufnahme aus (siehe Light) und dürfen deshalb nicht mehr auf die Packung.
Terroir
Aus dem Weinbau entlehnt: das Zusammenspiel von Boden, Klima, Lage und Anbautradition, das derselben Sorte an verschiedenen Orten einen anderen Charakter gibt. Der sandig-rote Boden der Vuelta Abajo, die Flusstäler Connecticuts und die leichten Böden der Pfalz sind Terroirs mit eigenem Profil. Mehr auf der Seite Tabakpflanze.
Topping (Aromatisierung)
Die abschließende, feine Aromatisierung des geschnittenen Tabaks mit alkoholischen Lösungen von Aromastoffen – Vanille, Kakao, Rum, Frucht –, die in kleinen Mengen aufgesprüht werden und vor allem den Duft prägen. Anders als die Soße dringt das Topping nicht ins Blatt ein; bei Zigaretten setzt das Verbot charakteristischer Aromen enge Grenzen. Das englische „topping“ bezeichnet daneben das Köpfen.
Torcedor (Zigarrenroller)
Der Facharbeiter, der die Zigarre von Hand rollt, mit Holzbrett, der halbmondförmigen chaveta, Pflanzenleim für die Kappe und Holzformen, in denen die Wickel gepresst werden. In den Rollsälen Kubas liest seit dem 19. Jahrhundert ein Vorleser aus Zeitungen und Romanen – eine Tradition, aus der Markennamen wie „Montecristo“ hervorgingen. Mehr auf kubanische-zigarren.org.

U bis Z

Stillleben der Tabak- und Nikotinprodukte – Stillleben auf dunklem Holz
Verbrannt, erhitzt oder unverbrannt: Die Produktformen unterscheiden sich in Verarbeitung, Aufnahmeweg des Nikotins und rechtlicher Einordnung.
Umblatt (Binder, Capote)
Das Blatt, das die gebündelte Einlage zusammenhält und unter dem Deckblatt unsichtbar bleibt. Es muss reißfest, elastisch und gut brennbar sein, darf aber geschmacklich zurücktreten; oft dienen Deckblätter zweiter Wahl oder Tabake aus Java, Connecticut oder kubanischer Samenlinie. Bei maschinellen Zigarren ersetzt häufig Tabakfolie das natürliche Umblatt.
Verbrennung (Pyrolyse)
Beim Rauchen glimmt Tabak: Im Glutkegel herrschen mehrere hundert Grad, dahinter zersetzt die Hitze den Tabak ohne ausreichend Sauerstoff (Pyrolyse), noch weiter hinten destillieren Nikotin und Aromen aus. Diese unvollständige Verbrennung erzeugt Kohlenmonoxid und die meisten Krebserreger. Produkte lassen sich danach einteilen, ob Tabak verbrannt (Zigarette, Zigarre, Pfeife), erhitzt (Tabakerhitzer, Wasserpfeife) oder gar nicht thermisch behandelt wird (Snus, Schnupf-, Kautabak).
Virginia (Bright Leaf)
Der weltweit meistangebaute Tabaktyp, benannt nach der Kolonie, in der der englische Tabakanbau im 17. Jahrhundert begann. Der heutige Virginia ist das Ergebnis der Heißlufttrocknung: Sie bewahrt den Blattzucker und ergibt ein zitronengelbes bis mahagonifarbenes, süßlich-heuartiges Blatt, dessen leicht saurer Rauch sich inhalieren lässt – die Grundlage der Zigarette. Ausführlich auf der Seite Tabaksorten.
Vitola
Das Format einer Zigarre aus Länge, Ringmaß (dem Durchmesser in Vierundsechzigstel Zoll) und Form. Man unterscheidet die gerade Zigarre (parejo) von den Figurados – spitz zulaufende Torpedos und Pyramiden, bauchige Perfectos. Namen wie Corona, Robusto, Churchill oder Lancero bezeichnen Standardmaße; auf Kuba trennt man die Fabrikbezeichnung vom Verkaufsnamen, denn dasselbe Format kann bei verschiedenen Marken verschieden heißen. Eine Formattabelle steht auf der Seite Tabakwaren.
Volado
Die untersten Blätter der Zigarrentabakpflanze: dünn, hell, mild, nikotinarm – und mit den besten Brenneigenschaften. Volado sorgt dafür, dass die Zigarre gleichmäßig glimmt und der kräftige Ligero nicht erlischt. Auf Kuba heißen die alleruntersten Blätter libre de pie und werden teils gar nicht verwendet; das traditionelle deutsche Gegenstück sind Grumpen und Sandblatt.
Vuelta Abajo
Die westlichste Tabakregion Kubas in der Provinz Pinar del Río, mit San Juan y Martínez und San Luis als Kern, gilt als bestes Zigarrentabakgebiet der Welt. Sandige, rötliche Böden, ein günstiges Wechselspiel aus Wärme, Feuchte und Trockenzeit und eine über Generationen verfeinerte Anbaukultur bringen dort Deckblatt, Umblatt und Einlage für die Habanos hervor. Ausführlich auf kubanischezigarren.org.
Warnhinweise
Die vorgeschriebenen Texte und Bilder auf Tabakverpackungen. Auf Zigaretten- und Feinschnittpackungen nehmen kombinierte Bild-Text-Warnungen in der EU seit 2016 je 65 Prozent der Vorder- und Rückseite ein und rotieren in Sätzen, dazu kommt der allgemeine Hinweis, dass Rauchen tödlich ist. Zigarren und Pfeifentabak tragen kleinere Textwarnungen, E-Zigaretten den Hinweis auf das stark abhängig machende Nikotin. Weil sich die Wirkung abnutzt, wechseln die Motive regelmäßig.
Wasserpfeife (Shisha, Hookah, Nargile)
Ein Rauchgerät, das im 16. und 17. Jahrhundert in Persien und Indien aufkam. Der Moassel im Kopf wird mit glühender Kohle erhitzt; der Rauch zieht durch das Wasser, das ihn kühlt, aber kaum reinigt. In einer oft einstündigen Sitzung wird ein Vielfaches des Rauchvolumens einer Zigarette inhaliert, dazu die Abgase der Kohle. Kohlenmonoxidvergiftungen, Abhängigkeit und über geteilte Mundstücke übertragene Infektionen sind die spezifischen Risiken.
Wickel (Bunch)
Der Rohling der Zigarre: die gebündelte Einlage im Umblatt, noch ohne Deckblatt. Der Torcedor legt die Einlageblätter so zusammen, dass Luft über die ganze Länge durchziehen kann, umhüllt sie mit dem Umblatt und presst die Wickel in Holzformen. Zu dicht gebündelt zieht die Zigarre nicht, zu locker brennt sie heiß.
Zigarette
Feingeschnittener Tabak in einer Papierhülle, meist mit Filter. Mit der Rollmaschine der 1880er-Jahre wurde sie vom Handrollprodukt zum industriellen Massenartikel; moderne Maschinen fertigen viele tausend Stück pro Minute. Der leicht saure Rauch Virginia-basierter Mischungen wird inhaliert, was die Zigarette zur schädlichsten verbreiteten Konsumform macht – der größte Teil der tabakbedingten Todesfälle geht auf sie zurück. Zu Technik und Mischungen die Schwesterseite zigarette.com, zu ihrem Aufstieg die Seite Geschichte.
Zigarillo
Eine kleine, leichte Zigarre, in der Regel maschinell aus Shortfiller mit Umblatt und Deckblatt aus Naturtabak oder Tabakfolie gefertigt, mit oder ohne Filter. Steuerrechtlich zählt er zu den Zigarren und wird deutlich niedriger belastet als die Zigarette – was Hersteller dazu brachte, zigarettenähnliche Produkte als Zigarillos zu deklarieren, bis der Gesetzgeber die Abgrenzung nachschärfte. Bei kleinen, milden Formaten wird häufig inhaliert, mit entsprechendem Risiko.
Zigarre
Ein Rauchprodukt aus Einlage, Umblatt und Deckblatt, alle aus fermentiertem Tabak. Die Premiumzigarre wird als Longfiller von Hand gerollt, maschinelle Zigarren und Zigarillos verwenden Shortfiller. Ihr alkalischer Rauch wird gewöhnlich nicht inhaliert, gibt sein Nikotin aber über die Mundschleimhaut ab und belastet Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre, wo Zigarrenraucher deutlich erhöhte Krebsrisiken tragen.
Zucker (Blattzucker)
Der Zuckergehalt des getrockneten Blattes hängt vom Trocknungsverfahren ab: Heißluftgetrockneter Virginia behält einen beträchtlichen Teil seiner Zucker, luftgetrockneter Burley fast keinen. Zucker macht den Rauch sauer, bindet das Nikotin in eine weniger reizende Form und erlaubt so das tiefe Inhalieren; beim Verbrennen entstehen aus ihm Aldehyde. Zuckerarme Tabake erhalten ihre Süße über die Soße.
Zusatzstoffe
Alles, was dem Tabak bei der Herstellung zugesetzt wird: Zucker und Soßenbestandteile, Feuchthaltemittel, Aromen, Brennzusätze für das Papier, Klebstoffe, Konservierungsmittel. Hersteller müssen der Behörde für jedes Produkt alle Inhaltsstoffe mit Mengen und Zweck melden. Zusatzstoffe können den Rauch angenehmer, den Einstieg leichter und die Nikotinaufnahme effizienter machen; keiner macht ihn unschädlicher, weshalb die Werbung mit „ohne Zusatzstoffe“ eingeschränkt ist.

Tabak- und Nikotinprodukte im Überblick

ProduktTabakThermische BehandlungAufnahmeweg des NikotinsRechtliche Einordnung in Deutschland
Zigarette, FeinschnittjaVerbrennungLunge (Inhalation)Tabakerzeugnis; Tabaksteuer; Aromenverbot
Zigarre, ZigarillojaVerbrennungüberwiegend MundschleimhautTabakerzeugnis; Tabaksteuer (niedriger als Zigarette)
PfeifentabakjaVerbrennungüberwiegend MundschleimhautTabakerzeugnis; Tabaksteuer
Wasserpfeifentabak (Moassel)jaErhitzen und Verschwelen unter KohleLungeTabakerzeugnis; eigene Steuerkategorie
Tabakerhitzerja (Tabakfolie)Erhitzen ohne VerbrennungLungeTabakerzeugnis; besteuert wie Zigaretten
E-ZigaretteneinVerdampfenLungeverwandtes Erzeugnis; Steuer auf Liquids
Snusjakeine (pasteurisiert)MundschleimhautVerkauf verboten (EU-Recht)
NikotinbeutelneinkeineMundschleimhautderzeit nicht verkehrsfähig (Lebensmittelrecht)
Kau- und SchnupftabakjakeineMund- bzw. NasenschleimhautTabakerzeugnis; keine Tabaksteuer

Begriffe nach Themenfeld

Dieselben Einträge nach Sachgebieten geordnet, jeweils mit der zugehörigen Themenseite.

Die Geschichte des Tabaks ordnet viele dieser Begriffe in ihren zeitlichen Zusammenhang ein.