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Sumatra und Java (Indonesien)

Über Generationen war das Deckblatt aus Deli der Maßstab der europäischen Zigarre: hauchdünn, elastisch und so zurückhaltend im Geschmack, dass es der Einlage die Bühne überlässt. Von Java kommen die Tabake aus Besuki und den Vorstenlanden hinzu, die als Deck-, Um- und Einlageblatt in niederländischen, deutschen und Schweizer Zigarren stecken. Diese Seite folgt dem Blatt von den Plantagen um Medan, Jember und Klaten über die Tabakmärkte in Amsterdam und Bremen bis ins Aroma.

LageDeli: Küstenebene um Medan zwischen den Flüssen Wampu und Ular (Nordsumatra); Besuki: Umland von Jember (Ostjava); Vorstenlanden: Klaten zwischen Yogyakarta und Surakarta (Zentraljava)
Klima und BodenFeuchttropisch; Deli ohne echten Trockenmonat, Java mit ausgeprägter Trockenzeit; junge Schwemmland- und Vulkanböden
TabakeDeli-Deckblatt (Sonnenanbau), Besuki NO (Deck-, Um- und Einlageblatt), Besuki TBN (Schattendeckblatt seit den 1980er-Jahren), Vorstenlanden (Einlage und Umblatt)
Meilensteine1859 Tabakgesellschaft in Jember, 1863 Nienhuys in Deli, 1869 Deli Maatschappij, 1957–1959 Verstaatlichung, ab 1959 Einschreibungen in Bremen
HandelBis Ende der 1950er-Jahre Einschreibungen vor allem in Amsterdam, danach in der Bremer Tabakbörse bis Anfang der 2010er-Jahre; seither freihändiger Verkauf
VerwendungDeck- und Umblatt für Zigarren, Zigarillos und Stumpen der niederländischen, deutschen und Schweizer Tradition
Anbau heuteDeli auf kleinen Flächen, 2025 Neupflanzung bei Medan; 2026 rund 500 Hektar Premium-Zigarrentabak (Deli und Besuki TBN) bei der staatlichen PTPN I; dazu Besuki NO von Kleinbauern

Zwei Inseln, zwei Tabakwelten

Wer in Indonesien von Tabak spricht, meint meist Kretek, die Nelkenzigarette, die den weitaus größten Teil der Ernte aufnimmt. Daneben gibt es seit dem 19. Jahrhundert eine zweite, leisere Tabakwelt, die nach Europa blickt: den Zigarrentabak. Seine berühmteste Herkunft ist Deli an der Nordostküste Sumatras, das Land um die heutige Millionenstadt Medan. Das Deckblatt von dort war über Generationen der Maßstab für europäische Zigarren – dünn, elastisch, gleichmäßig gefärbt und so zurückhaltend im Geschmack, dass es die Einlage rahmt, statt sie zu überdecken.

Auf Java kommen zwei weitere Herkünfte hinzu: Besuki um die Stadt Jember und die Vorstenlanden um Klaten, zwischen den alten Residenzstädten Yogyakarta und Surakarta. Gemeinsam bildeten diese Herkünfte das Rückgrat der niederländischen, deutschen und Schweizer Zigarre, vom Zigarillo bis zum Stumpen. Einen Überblick über alle Tabaktypen gibt die Seite Tabaksorten.

Deli: wie ein Deckblatt eine Region prägte

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Ostküste Sumatras dünn besiedeltes Sumpf- und Regenwaldland, aufgeteilt in kleine malaiische Sultanate. 1863 kam der junge niederländische Tabakpflanzer Jacobus Nienhuys auf Einladung des Sultans von Deli an die Küste, und schon 1864 erzielte er bemerkenswerte Ergebnisse; die ersten kleinen Ernten gingen bis 1867 ausschließlich nach Rotterdam. Sein Konzessionsvertrag lief über 99 Jahre und erlaubte ihm, so viel Land zu nehmen, wie er in fünf Jahren bebauen konnte.

Am 1. November 1869 gründete Nienhuys in Amsterdam mit zwei Partnern und der Nederlandsche Handel-Maatschappij als Aktionärin die Deli Maatschappij, die erste Aktiengesellschaft, die in Niederländisch-Indien wirtschaftete. Ihr prägender Kopf wurde Jacob Theodoor Cremer, Administrator in Medan und später Kolonialminister. Auf seine Initiative entstand 1883 die Deli-Eisenbahn; seit 1888 verband sie Medan mit dem Hafen Belawan, und der Umweg über Penang und Singapur entfiel. Medan wurde 1887 Hauptort der Residentur Ostküste Sumatras.

Der Erfolg zog Pflanzer aus halb Europa an; 1884 lebten an der Ostküste neben 390 Niederländern auch 123 Deutsche und 40 Schweizer. Der Schweizer Albert Breker nannte seine Pflanzung „Helvetia“ – der Name lebt in einem Stadtbezirk Medans fort. Bei ihm begannen 1869 Carl Fürchtegott Grob aus der Schweiz und Hermann Näher aus Lindau; aus ihrem eigenen, 1871 gegründeten Betrieb ging 1889 die Senembah Maatschappij hervor. Grob ließ sich 1883 bis 1885 in Zürich die Villa Patumbah bauen, benannt nach dem Ort seiner ersten Pflanzung und heute Sitz des Heimatschutzzentrums.

Um 1890 zählte man rund 170 Tabakpflanzungen. Dann kam der Einbruch: Die USA, seit den frühen 1880er-Jahren wichtige Käufer in Amsterdam, hatten 1890 ihren Zoll auf Deckblatttabak auf zwei Dollar je Pfund erhöht, und 1891 traf eine besonders große Ernte auf einen Markt, auf dem die amerikanische Nachfrage eingebrochen war. Auf Dauer setzten sich kapitalstarke Gesellschaften durch, allen voran die „Großen Vier“ – Deli Maatschappij, Senembah, Deli-Batavia und Arendsburg –, die über die Pflanzervereinigung Preise und Arbeitsbedingungen abstimmten. Den größeren Zusammenhang erzählt die Seite Geschichte.

Arbeit auf den Plantagen

Zur Geschichte dieses Blatts gehört die Arbeit, die es hervorbrachte. Weil sich kaum Einheimische für die Plantagen gewinnen ließen, holten die Pflanzer Arbeitskräfte von außen: zuerst Chinesen, angeworben über Vermittler in Penang und Singapur, später vor allem Javaner – insgesamt Hunderttausende. Die Kuli-Ordonnanz von 1880 band sie mit mehrjährigen Verträgen und stellte deren Bruch unter Strafe – die sogenannte „poenale sanctie“. Flucht oder Arbeitsverweigerung konnten Geld-, Prügel- oder Haftstrafen nach sich ziehen, und oft saßen die Pflanzer selbst zu Gericht. Der Jurist J. van den Brand machte die Missstände 1902 mit seiner Streitschrift „De millioenen uit Deli“ bekannt.

Die Wende brachte ein wichtiger Absatzmarkt: In den 1920er-Jahren gehörten die USA zu den wichtigsten Abnehmern des Deli-Deckblatts, und ihr Zollgesetz von 1930 sperrte Waren aus Kontraktarbeit unter Strafandrohung aus. Die Tabakgesellschaften verzichteten ab 1932 auf die Strafsanktion, 1941 fiel die Kuli-Ordonnanz. Die Feinheit des Blatts ist auch das Werk der Menschen, die es gepflückt, aufgefädelt und sortiert haben.

Terroir und Anbau in Deli

Das klassische Tabakland liegt in der flachen Küstenebene zwischen den Flüssen Wampu und Ular, in den alten Sultanaten Langkat, Deli und Serdang. Die jungen Schwemmlandböden enthalten unter anderem vulkanisches Material aus dem Hochland um den Tobasee. Das Klima ist feuchttropisch, ohne echten Trockenmonat, mit warmen Nächten nahe hundert Prozent Luftfeuchte. Feuchte Luft und häufig gedämpftes Licht lassen große, dünne, feinadrige Blätter wachsen – genau das, was man in Connecticut später unter Gazezelten nachzuahmen suchte. Wie Boden und Klima das Blatt formen, erklärt die Seite Die Tabakpflanze.

Eigentümlich war der Umgang mit dem Land. Schon die Pioniere merkten, dass Tabak auf demselben Boden nur einmal wirklich gut gelang. Man rodete Wald, pflanzte ein Jahr Tabak und überließ die abgeernteten Felder, die „djaloerans“, zum Teil der Bevölkerung für Reis, ehe wieder Wald heranwuchs. Das 1906 gegründete Deli-Proefstation in Medan bestätigte: Für Spitzenqualität musste ein Feld im Mittel acht Jahre ruhen. Deshalb brauchten die Gesellschaften riesige Konzessionen – die Deli Maatschappij allein verfügte 1931 über rund 180.000 Hektar –, von denen jedes Jahr nur ein kleiner Teil Tabak trug. Frisch gerodeter Wald galt als bester Grund; die Aufforstung der Brachen mit Albizzia-Bäumen, einem Mimosengewächs, brachte dagegen vielfach Enttäuschungen: Der Boden versauerte, Schadorganismen vermehrten sich, und der Tabak litt unter Krankheiten.

Vom Saatbeet zum Ballen

Zeitgenössische Handbücher beschreiben die Arbeitsschritte, die in groben Zügen bis heute gelten:

  1. Saatbeet: Auf gesundem Boden nahe den Feldern entstehen leicht erhöhte Beete, von denen das Wasser gut abfließt. Kleine Dächer aus Palmblatt oder Gras brechen Regen und Sonne, darübergespannte Tücher halten Schädlinge fern.
  2. Auspflanzen: Nach gut einem Monat kommen die Setzlinge aufs Feld, in höheren Lagen etwas später. Die Pflanzzeit zieht sich über zwei bis drei Monate: So reifen die Pflanzen nacheinander, schlechtes Wetter trifft kaum je die ganze Ernte, und dieselben Trockenschuppen dienen mehrmals hintereinander.
  3. Ernte: Blatt für Blatt wird von unten nach oben gepflückt, immer nur wenige Blätter auf einmal und jeweils dann, wenn sie die gewünschte Reife erreicht haben. Die untersten Sand- und Fußblätter, im Schatten der oberen gewachsen, sind am dünnsten und daher am teuersten.
  4. Trocknen: Auf Schnüre gefädelt, hängen die Blätter rund drei Wochen in Schuppen mit Palmblattdach, deren Luken ein Wächter je nach Wetter öffnet oder schließt; bei Nässe halten kleine Glutfeuer ohne Flamme und Rauch den Schimmel fern.
  5. Fermentieren: In Stapeln erhitzt sich der Tabak im Kern, je nach Blatt bis auf 50 bis 60 Grad. Dann wird er umgesetzt, das Äußere nach innen, und nach und nach zu immer größeren Stapeln vereint, bis die Temperatur nicht mehr steigt.
  6. Sortieren und Packen: In hellen Sortierhallen werden die Blätter nach Farbe, Blattposition, Länge und Güte in zahlreiche Klassen getrennt, gebündelt und zu Ballen gepresst. Früher schlug man diese in Matten aus Purun-Binsen von Borneo ein und versah sie mit dem Zeichen des Guts.

Java: Besuki und die Vorstenlanden

Auf Java ist der Tabakbau älter und bäuerlicher. Schon von der Ernte 1843/44 kamen rund 17.000 Ballen Java-Tabak in die Niederlande. Anders als in Deli gibt es eine ausgeprägte Trockenzeit, und der Tabak teilt sich die Felder mit dem Reis. Daher stammen zwei niederländische Begriffe, die „vor der Ernte“ und „nach der Ernte“ bedeuten – gemeint ist die Reisernte: Voor-Oogst-Tabak wird am Ende der Regenzeit gepflanzt, in der Trockenzeit geerntet und geht vor allem in Kretek-Zigaretten; Na-Oogst-Tabak wird am Ende der Trockenzeit gesetzt, in der Regenzeit geerntet und ist Javas Zigarrentabak.

Besuki: die Tabakstadt Jember

Auf den vulkanischen Böden unterhalb von Argopuro und Raung gründete der Niederländer George Birnie 1859 mit Partnern die Landbouw Maatschappij Oud-Djember. Sein Modell unterschied sich von Deli: Die Gesellschaft zog Setzlinge in Saatbeeten, die Bauern pflanzten sie auf eigenem Land nach Anweisung und lieferten die Blätter zu vorab vereinbarten Preisen in die Trockenscheunen der Gesellschaft. Aus dem Tabakgeschäft wuchs die Stadt Jember, die sich bis heute als Tabakstadt versteht.

Der Besuki-Na-Oogst-Tabak, kurz Besuki NO, liefert bis heute Deck-, Um- und Einlageblatt; er wächst in der Sonne, wird luftgetrocknet und fermentiert, und Hersteller beschreiben ihn als aromatisch mit leicht rauchiger Note. Angebaut wird er großenteils von Kleinbauern im Wechsel mit Reis, allein im Bezirk Wuluhan von fast 9.000. Seit den 1980er-Jahren kommt Besuki TBN hinzu, „Tembakau Bawah Naungan“, ein Deckblatt aus Schattenanbau unter Netzen.

Vorstenlanden: Tabak im Land der Fürsten

„Vorstenlanden“, Fürstenländer, hießen die Gebiete der Höfe von Surakarta und Yogyakarta, die seit der Teilung des Reiches Mataram 1755 unter niederländischer Oberhoheit fortbestanden. Europäische Pflanzer pachteten hier Land von Apanageinhabern des Hofadels, bis eine Agrarreform ab 1912 dieses System auflöste. Zentrum des Tabakbaus ist bis heute Klaten am Fuß des Merapi; die erste Pflanzung soll 1858 bei Gondang entstanden sein, und das 1898 gegründete Versuchsamt für Vorstenlanden-Tabak arbeitet noch immer.

Vorstenlanden-Tabak dient vor allem als Einlage und Umblatt; wichtigstes Zielland ist Deutschland. Er trocknet in den „los“, rund zwölf Meter hohen Hallen, deren Klappen in Dach und Wänden die Luftfeuchte regeln; an feuchten Tagen helfen kleine Feuer am Boden nach. Abgenommen werden die Blätter gegen fünf Uhr morgens, solange die Nachtfeuchte sie geschmeidig hält. Nach der Fermentation in täglich kontrollierten Stapeln wird nach Partie, Farbe und Länge sortiert, und jeder Ballen trägt Gut, Erntejahr, Partie, Sortierung und Länge als Zeichen.

Handelswege: von Amsterdam nach Bremen

Deli-Tabak wurde nicht freihändig verkauft, sondern in „Inschrijvingen“, schriftlichen Einschreibungen. Nach den Anfängen in Rotterdam zog der Handel nach Amsterdam, das um 1915 rund neun Zehntel der Sumatra-Ballen aufnahm. Von März bis Oktober gab es dort in normalen Jahren vierzehn Einschreibungen, in Rotterdam drei, und an einem Tag kamen 15.000 bis 18.000 Ballen und mehr zum Verkauf. Makler bemusterten und taxierten die Partien vorab, geboten wurde mit verschlossenen Zetteln, und die Käufer, meist Großhändler, teilten die Partien für die Fabrikanten auf. Schauplatz war die Nes in der Altstadt mit den Musterräumen der Makler und dem Verkaufslokal Frascati. Vom Wohlstand zeugt Nienhuys’ Stadthaus an der Herengracht von 1888, heute Sitz des NIOD-Instituts.

Ende der 1950er-Jahre zerbrach dieses Gefüge. Im Dezember 1957, mitten im Streit um Westneuguinea, entzog Indonesien den niederländischen Gesellschaften die Leitung ihrer Betriebe, Anfang 1959 folgte die Verstaatlichung. Im Februar 1959 vereinbarte die Regierung mit Bremer Kaufleuten den Verkauf an der Weser; drei Bremer Rohtabakfirmen gründeten dafür mit einem Bankenkonsortium und indonesischen Partnern die Deutsch-Indonesische Tabak-Handelsgesellschaft. Als die ersten Ballen der Ernte 1958 eintrafen, versuchten die Alteigentümer, sie beschlagnahmen zu lassen. Die Bremer Gerichte lehnten 1959 die beantragte Beschlagnahme ab; der „Bremer Tabakstreit“ wurde zu einem Lehrstück des Völkerrechts, das Hauptverfahren zog sich über Jahre hin und endete mit einem Vergleich.

Anfang der 1960er-Jahre entstand nach Plänen von Erik Schott die Tabakbörse am Speicherhof in der heutigen Überseestadt, eine klimatisierte Halle mit Sheddach. Auf langen Holztischen, den „Stells“, lagen die Tabakbündel zur Begutachtung, in Kabinen rollten Makler und Einkäufer Probezigarren. Zu einer Einschreibung kamen in den besten Jahren Hunderte Fachleute; die Gebote lagen in verschlossenen Umschlägen, die eine indonesische Delegation öffnete. Um 2010 kam nur noch ein Bruchteil der einstigen Mengen zur Einschreibung; bald danach gab man das Verfahren mangels Menge auf und verhandelt seither freihändig. Das Gebäude steht seit 2013 unter Denkmalschutz.

Das Deckblatt der europäischen Zigarre

In den Niederlanden war das Sumatra-Blatt über Generationen das Deckblatt der Wahl. Die klassische holländische Zigarre ist ein Kurzfiller aus fein geschnittenen Tabaken wie Brasil und Java, gebunden von einem Umblatt aus Besuki oder den Vorstenlanden und umhüllt vom Sandblatt aus Sumatra: trocken, sanft-würzig, mit leiser Süße, ohne Humidor haltbar. Zentren waren Kampen, Eindhoven, Valkenswaard und Veenendaal; in Kampen fertigt die 1832 gegründete Manufaktur De Olifant bis heute Zigarren auf traditionelle Weise.

Auch die deutsche Zigarrenindustrie in Bremen, im ostwestfälischen Bünde und in Baden griff für das Deckblatt häufig auf Sumatra zurück, bis 1959 über den Amsterdamer Markt, danach in Bremen. Das Wort „Sumatra“ steht bis heute auf mancher Packung, etwa bei Formaten der Marke Handelsgold aus Bünde. Allgemein bezeichnet es im Handel mitunter nur die Saatlinie, nicht die Herkunft. Zu Formaten und Typen siehe Tabakprodukte, zur Aufbewahrung von Trockenzigarren Tabak richtig lagern.

In der Schweiz lag das Zentrum im Aargauer Wynental, dem „Stumpenland“ um Reinach und Menziken. Ein Klassiker mit Sumatra-Deckblatt ist die Villiger Kiel, die Louise Villiger 1907 mit einem Mundstück aus Gänsekiel versah; heute ist es aus Kunststoff, das helle Deckblatt kommt weiterhin aus Indonesien. Ob Schweizer Pflanzer auf Sumatra auch heimische Fabriken belieferten, ist nicht belegt – nachweisbar sind vor allem Menschen und Kapital, die zwischen Zürich und Deli reisten.

Aromaprofil: die Kunst der Zurückhaltung

Ein gutes Deli-Deckblatt ist dünn, elastisch und feinadrig, gleichmäßig hell- bis mittelbraun, das Sandblatt oft mit leicht gräulichem Ton. Es brennt gleichmäßig und glimmt zuverlässig; schon die Handbücher der Kolonialzeit zählten die Glimmdauer zu den wertbestimmenden Eigenschaften. Und weil es so dünn ist, reicht wenig Blatt für viele Zigarren.

Die Pointe liegt im Geschmack. Ein niederländisches Standardwerk vom Ende der 1910er-Jahre nennt als Kennzeichen des meisten Sumatra-Tabaks gerade das Fehlen eines ausgeprägten Eigenaromas, anders als beim Havanna-Deckblatt. Das sei ein Vorzug, denn so könne der Hersteller die Einlage frei wählen; Zigarren ganz aus Sumatra-Tabak dagegen hätten nach nichts geschmeckt und sich nicht verkaufen lassen. Heute beschreiben Hersteller das Deli-Blatt als würzig-aromatisch und gut glimmend. Mit Java- und Brasil-Einlagen ergibt es das Profil der holländischen Zigarre: mild, trocken, fein-würzig. Den Gegenpol porträtiert kubanische-zigarren.org.

HerkunftAnbauVerwendungCharakter / Besonderheit
Deli (Nordsumatra)Sonnenanbau, lange BracheDeckblattdünn, elastisch; klassisch neutral, heute als würzig beschrieben
Besuki NO (Ostjava)Sonnenanbau, oft Kleinbauern im Wechsel mit ReisDeck-, Um- und Einlageblattaromatisch, leicht rauchig
Besuki TBN (Ostjava)unter Schattennetzen, seit den 1980er-JahrenDeckblattfein nach Farben und Güteklassen sortiert
Vorstenlanden (Zentraljava)am Fuß des Merapi, Trocknung in hohen „los“Einlage und UmblattExportware, vor allem für Deutschland

Praxistipp: Am deutlichsten zeigt sich der Charakter des Sumatra-Deckblatts im Vergleich zweier Zigarillos derselben Linie, die sich nur im Deckblatt unterscheiden, etwa Sumatra und Brasil: Das Sumatra-Exemplar wirkt meist feiner und trockener, das Brasil-Exemplar dunkler und süßer. Trockenzigarren dieser Art brauchen keinen Humidor; man lagert sie kühl und gleichmäßig temperiert in der Originalpackung.

Heute: kleine Mengen, großer Name

Die große Zeit des indonesischen Zigarrentabaks ist vorbei, verschwunden ist er nicht. Am stärksten geschrumpft ist Deli: Seit 1983 werden viele alte Tabakgüter im Wechsel mit Zuckerrohr bestellt, später kamen Ölpalmen hinzu, und Medan ist in die Felder gewachsen; die langen Brachen hielten manche Anwohner für ungenutztes Land und bebauten sie. Bei einer Pflanzung im Mai 2021 auf dem Gut Helvetia ging es um rund vier Hektar, die Ernte sollte an Käufer in Bremen gehen. Im März 2025 setzte die staatliche Plantagengesellschaft PTPN I auf Flächen in Helvetia und Klambir Lima erneut Deli-Tabak, im Mai folgte die erste Ernte; im Oktober 2025 kündigte sie an, wieder 500 Hektar für Deli-Tabak bereitzustellen.

Auf Java ist der Zigarrentabak lebendiger: Für 2024 plante dieselbe Gesellschaft in Jember und Klaten rund 750 Hektar Exporttabak mit gut 1.000 Tonnen Ernteziel für Europa und Amerika, dazu kommen die Besuki-Ernten der Kleinbauern. Für die Saison 2026 nennt die Gesellschaft rund 500 Hektar Premium-Zigarrentabak, Besuki TBN und Deli zusammengenommen. In Jember gilt Besuki-Tabak weiterhin als Wahrzeichen.

Der Name „Sumatra“ hat die Insel längst verlassen: Sumatra-Saat wächst auch in Ecuador und Kamerun. Indonesisches Blatt erkennt man an Angaben wie „Indonesien“, „Deli“ oder „Besuki“. Wie aus dem Blatt durch Trocknung und Fermentation ein Deckblatt wird, erklärt die Seite Verarbeitung; Fachbegriffe stehen im Glossar.

Quellen

  1. Inventaris van het archief van de NV Deli Maatschappij (2.20.46), mit Einleitung zur Unternehmensgeschichte – Nationaal Archief, Den Haag (archivierte Fassung vom 17. November 2025) – https://web.archive.org/web/20251117164021/https://www.nationaalarchief.nl/onderzoeken/archief/2.20.46
  2. K. W. van Gorkom’s Oost-Indische cultures, 2. Aufl., hg. von H. C. Prinsen Geerligs, Bd. 3, Amsterdam: de Bussy 1917–1919, Kapitel Tabak von A. van Bijlert – Digitalisat im Internet Archive – https://archive.org/details/drkwvangorkomsoo03gorkuoft
  3. Tabakbörse, Speicherhof 1 – Landesamt für Denkmalpflege Bremen – https://www.denkmalpflege.bremen.de/denkmaeler/tabakboerse-50899
  4. Patumbah liegt auf Sumatra – Heimatschutzzentrum in der Villa Patumbah, Zürich – https://www.heimatschutzzentrum.ch/medien/detail/patumbah-liegt-auf-sumatra-2
  5. R. T. Muktianto, H. C. Diartho: Komoditas Tembakau Besuki Na-Oogst dalam Perspektif Pembangunan Berkelanjutan di Kabupaten Jember – Caraka Tani, 2018 – https://jurnal.uns.ac.id/carakatani/article/view/20598

Häufige Fragen

Was macht das Sumatra-Deckblatt so besonders?

Das klassische Deckblatt aus Deli ist dünn, elastisch und feinadrig, gleichmäßig gefärbt und glimmt zuverlässig. Geschätzt wurde es vor allem für seine Zurückhaltung: Es bringt wenig Eigenaroma mit und lässt der Einlage Raum. Weil es so dünn ist, reicht zudem wenig Blatt für viele Zigarren.

Stammt jedes „Sumatra“-Deckblatt aus Sumatra?

Nein. „Sumatra“ bezeichnet im Handel oft nur die Saatlinie. Sumatra-Saat wird heute auch in Ecuador und Kamerun angebaut, und viele Deckblätter dieses Namens stammen von dort. Indonesisches Blatt erkennt man an Angaben wie „Indonesien“, „Deli“ oder „Besuki“; Deckblatt aus dem Deli-Gebiet selbst ist selten geworden.

Was bedeuten Na-Oogst und Voor-Oogst?

Die niederländischen Begriffe heißen „nach der Ernte“ und „vor der Ernte“ und beziehen sich auf den Reisanbau Javas. Voor-Oogst-Tabak wird am Ende der Regenzeit gepflanzt und in der Trockenzeit geerntet; er geht vor allem in Kretek-Zigaretten. Na-Oogst-Tabak wird am Ende der Trockenzeit gepflanzt, in der Regenzeit geerntet und liefert den Zigarrentabak, etwa Besuki NO.

Warum wurde indonesischer Tabak in Bremen gehandelt?

Nach der Übernahme und Verstaatlichung der niederländischen Plantagen 1957 bis 1959 verlegte Indonesien den Verkauf von Amsterdam nach Bremen. Dafür entstand 1959 die Deutsch-Indonesische Tabak-Handelsgesellschaft, Anfang der 1960er-Jahre folgte die Tabakbörse am Speicherhof. Bis Anfang der 2010er-Jahre fanden dort Einschreibungen mit verschlossenen Geboten statt, seither wird freihändig verkauft.

Was ist eine Trockenzigarre?

So nennt man die in den Niederlanden, in Deutschland und in der Schweiz verbreitete Zigarre, die nicht im Humidor, sondern kühl und trocken in der Originalpackung gelagert und so geraucht wird. Typisch sind ein Kurzfiller aus Java-, Brasil- und anderen Tabaken, ein Umblatt aus Java und ein Deckblatt aus Sumatra oder Brasilien. Im Rauch wirkt sie trockener als eine im Humidor gelagerte Zigarre aus der Karibik und zeigt oft eine feine Würze.