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Zigarre anschneiden und anzünden

Zwischen einer gut gelagerten Zigarre und ihrem ersten Zug liegen zwei Handgriffe, die in Sekunden erledigt sind – und die trotzdem entscheiden, ob sie so schmeckt, wie der Roller sie gedacht hat. Ein sauberer Schnitt öffnet den Kopf, ohne das Deckblatt zu lösen; ein geduldiges Anzünden legt eine gleichmäßige Glut, die kühl brennt und keine Fremdaromen mitbringt. Diese Seite erklärt die Schnittarten samt ihren Stärken je Format, das passende Werkzeug, das richtige Feuer und den Rhythmus, in dem eine Zigarre am besten zur Geltung kommt.

SchnitttiefeNur die Kappe, meist zwei bis drei Millimeter – die Schulter bleibt unversehrt
SchnittartenGerader Schnitt (Guillotine, Schere), V-Cut (Keilschnitt), Punch (Lochschnitt)
Geeignetes FeuerButangas-Feuerzeug (Jet oder Soft-Flame), lange Streichhölzer, Zedernspan
UngeeignetBenzinfeuerzeuge, Kerzen, Gasherd – sie tragen Fremdaromen in den Tabak
AnzündenFuß über der Flamme toasten, dabei drehen, erst dann ziehen; beim Jet zwei bis drei Zentimeter Abstand
RauchtempoEtwa ein Zug pro Minute, nicht inhalieren; eine Corona dauert rund 45 Minuten, eine Churchill bis zu 90
Zum SchlussAblegen statt ausdrücken – die Zigarre erlischt binnen weniger Minuten von selbst

Inhalt

  1. Warum Schnitt und Feuer die ersten zehn Minuten prägen
  2. Die Kappe: was man eigentlich anschneidet
  3. Schnittarten im Vergleich: Guillotine, V-Cut, Punch
  4. Werkzeuge: worauf es beim Cutter ankommt
  5. Das richtige Feuer: Zedernspan, Streichholz, Butan
  6. Das Toasten des Fußes – Schritt für Schritt
  7. Gleichmäßiger Brand: Asche, Kanu und Tunnel
  8. Ausgehen und Nachzünden
  9. Ablegen statt Ausdrücken
  10. Rauchtempo und Rhythmus
  11. Quellen
  12. Häufige Fragen

Warum Schnitt und Feuer die ersten zehn Minuten prägen

Zigarre mit Guillotine, V-Cutter und Bohrer neben einem brennenden Zedernspan
Ein sauberer Schnitt und ein ruhiges Feuer: die ersten Minuten einer Zigarre.

Eine handgerollte Zigarre verlässt die Manufaktur als geschlossenes System: Der Fuß ist offen geschnitten, der Kopf mit einer Kappe verschlossen, dazwischen hält das Deckblatt den Wickel aus Einlage und Umblatt unter Spannung. Ein zu tiefer Schnitt löst die Spannung des Deckblatts, ein stumpfes Werkzeug zerdrückt die Kappe, eine falsche Flamme verkohlt den Fuß und trägt Fremdaromen in die Einlage – und all das schmeckt man vor allem am Anfang, bitter und kratzig, oft über mehrere Zentimeter. Ein sorgfältiger Start belohnt dagegen mit kühlem, geradem Brand, fester Asche und einem Aroma, das sich Zug für Zug entfaltet. Welche Blätter als Deckblatt, Umblatt und Einlage dienen, erklären die Seiten Tabaksorten und Verarbeitung.

Die Kappe: was man eigentlich anschneidet

Der Kopf einer handgerollten Zigarre wird nicht einfach zugedreht, sondern mit einer Kappe verschlossen: einem oder mehreren kleinen, rund geschnittenen Stücken Deckblatt, die der Roller mit einem geschmacksneutralen Pflanzenkleber auf Tragantbasis aufsetzt. Bei kubanischen Zigarren besteht dieser Abschluss klassisch aus drei Lagen, der dreifachen Kappe. Die Kappe hält das spiralförmig aufgelegte Deckblatt am Kopf fest; darunter geht der Kopf mit einer leichten Rundung in den Körper über, der Schulter.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Man schneidet die Kappe an, nie unter die Schulter. Wer die Schulter kappt, trennt genau die Stelle ab, an der das Deckblatt verklebt ist; das Blatt verliert seinen Halt und rollt sich beim Rauchen auf. Zwei bis drei Millimeter genügen bei den meisten Formaten, die Öffnung sollte etwa drei Viertel des Durchmessers freilegen – so strömt der Rauch frei, und trotzdem bleibt ein Rand Deckblatt stehen. Bei einem Parejo, der zylindrischen Zigarre mit rundem Kopf, zeigt sich die Grenze der Kappe als feine Linie; bei Torpedo und Pyramide läuft der Kopf spitz zu, und man tastet sich mit zwei, drei schmalen Schnitten heran, bis der Zug stimmt.

Nur Zigarren mit fertiger Kappe brauchen den Schnitt; viele maschinell gefertigte Formate tragen ab Werk eine Einkerbung oder ein Mundstück. Ein trockenes Deckblatt knistert und splittert beim Schnitt – wer die Kappe kurz mit den Lippen anfeuchtet, rettet mehr Deckblätter, als man denkt.

Collage aus Zigarrenabschneider, Bohrer und Jet-Feuerzeug
Doppelklinge, Bohrer und Jet-Flamme: Werkzeuge für Schnitt und Feuer.

Schnittarten im Vergleich: Guillotine, V-Cut, Punch

Der gerade Schnitt

Der gerade Schnitt mit der Guillotine – Taschenguillotine oder schlicht Cutter – ist der Standard. Die Doppelguillotine schneidet mit zwei gegenläufigen Klingen von beiden Seiten und verschiebt den Wickel dabei kaum, weshalb Kenner sie bevorzugen. Der gerade Schnitt liefert die größte Öffnung, den freiesten Zug und die geringste Ansammlung von Kondensat am Kopf. Er passt zu jedem Format, verlangt aber ein Fenster, das zum Ringmaß passt: Das Ringmaß gibt den Durchmesser in Vierundsechzigstel Zoll an, eine Robusto mit Ringmaß 50 misst also knapp zwanzig Millimeter, und moderne Formate mit Ringmaß 58 oder 60 sprengen manche ältere Guillotine. Die Zigarrenschere schneidet ebenfalls gerade, mit zwei gebogenen Klingen; in geübter Hand ist sie das präziseste, aber auch das sperrigste Werkzeug.

Der V-Cut

Der V-Cut, auch Keil- oder Kerbschnitt, entfernt die Kappe nicht, sondern schneidet quer über den Kopf eine keilförmige Kerbe in den Wickel. Das Deckblatt bleibt rundum geschlossen, die Kerbe reicht aber tiefer als ein gerader Schnitt und bündelt den Rauch auf eine schmale Öffnung. Bei dicken Ringmaßen ist das ein Vorteil: Die Zigarre zieht leicht, ohne dass man den halben Kopf abträgt, und die Lippen finden Halt. Entwickelt wurde er für spitz zulaufende Formate. Sein Nachteil: Eine stumpfe Klinge oder zu viel Druck reißt das Deckblatt ein, und ein zu tiefer Keil lässt dünne Formate heiß und ungleichmäßig brennen.

Der Punch

Der Punch – Zigarrenbohrer oder Rundschneider – stanzt mit einer zylindrischen Klinge ein Loch in die Mitte der Kappe. Das Deckblatt bleibt bis auf den Bohrkreis unberührt, und keine Tabakkrümel bleiben an den Lippen. Eng verwandt ist der Zigarrenpiekser, ein schmaler Dorn, der die Kappe nur durchsticht, statt ein Stück herauszutrennen; er gilt als Vorläufer des Punch. Dafür ist die Öffnung klein: Bei dicken Formaten fällt der Zug leicht zu fest aus, und im engen Kanal sammeln sich Tabaksäfte und Kondensat, die dem letzten Drittel eine bittere Note geben können. Punches gibt es in mehreren Durchmessern, oft in den Boden eines Feuerzeugs eingebaut. Für Torpedos und andere spitze Köpfe taugt der Punch nicht – dort trifft die Klinge kaum Fläche, und die Kappe reißt.

SchnittPasst zuStärkenSchwächen
Gerader Schnitt (Guillotine, Schere)Allen Formaten, Standard für ParejosGrößte Öffnung, freier Zug, wenig KondensatBraucht scharfe Klinge und passendes Fenster; bei Torpedos schrittweise
V-Cut (Keilschnitt)Dicken Ringmaßen, Torpedos, PyramidenTiefe Öffnung bei geschlossenem Deckblatt, guter HaltStumpfe Klingen reißen das Deckblatt; zu tiefer Keil bei dünnen Formaten
Punch (Lochschnitt)Parejos mit flachem, rundem KopfDeckblatt bleibt intakt, keine Krümel, passt an den SchlüsselbundFester Zug bei dicken Formaten, Kondensat im Kanal, nichts für spitze Köpfe

Klassische Parejos von der Petit Corona bis zur Churchill vertragen jeden Schnitt; hier entscheidet die Vorliebe. Torpedo und Pyramide werden gerade oder mit dem Keil geöffnet, in jedem Fall in kleinen Schritten. Der schmale Fuß eines Perfecto und der ungeschnittene, zottige Fuß mancher Zigarren fangen beim Anzünden schneller Feuer, als man denkt, und werden besonders behutsam getoastet. Die Formate im Einzelnen erklärt das Glossar.

Werkzeuge: worauf es beim Cutter ankommt

Ein Zigarrenschneider ist ein Messer, und für ihn gilt, was für jedes Messer gilt: Die Schärfe entscheidet. Eine scharfe Klinge trennt die Kappe, eine stumpfe drückt sie zusammen, bevor sie schneidet – die Folge sind gequetschte Köpfe und eingerissene Deckblätter. Guillotinen aus rostfreiem Stahl mit sauber geschliffener Doppelklinge halten bei pfleglicher Behandlung Jahre; einfache Kunststoffmodelle mit dünner Klinge werden schnell stumpf. Zwei Details erleichtern das Leben: eine Anschlagplatte, die die Schnitttiefe begrenzt und Einsteiger vor dem Schnitt unter die Schulter bewahrt, und ein großzügig bemessenes Fenster, denn ein Cutter, in den eine Robusto gerade so passt, ist bei Ringmaß 56 nutzlos.

Praxistipp: Nach dem Schnitt lohnt der kalte Zug – ein, zwei Züge an der noch nicht angezündeten Zigarre. Er zeigt, ob der Widerstand stimmt: spürbar, aber nicht mühsam, etwa wie das Ziehen an einem dicken Strohhalm. Ist der Zug zu fest, schneidet man einen Hauch nach oder lockert den Kanal mit einer Zigarrennadel. Nebenbei verrät der kalte Zug schon viel über die Mischung – Heu, Zeder, Kakao, Pfeffer –, bevor ein einziges Blatt gebrannt hat.

Das richtige Feuer: Zedernspan, Streichholz, Butan

Die Regel für die Flamme ist einfach: Sie darf nichts mitbringen, was nicht aus dem Tabak stammt. Alles, was verbrennt, gibt Gase ab, und wer beim Anzünden zieht, saugt sie durch die gesamte Zigarre. Deshalb scheiden Kerzen, der Gasherd und vor allem Benzinfeuerzeuge aus. Das Dochtfeuerzeug nach Art des Zippo verbrennt Leichtbenzin, dessen Dämpfe und Verbrennungsprodukte eine unverkennbare Note hinterlassen – bei einer Zigarette kaum wahrnehmbar, bei einer Zigarre, die man eine Stunde lang schmeckt, ein Fehler, den man vom ersten Zug an bereut. Wer nur ein Benzinfeuerzeug zur Hand hat, zündet damit einen Span an und nimmt dessen Flamme.

Der Zedernspan

Die traditionsreichste Methode ist der Zedernspan, ein dünner Streifen spanischer Zeder – meist aus dem Zwischenblatt der Zigarrenkiste. Man bricht ihn schmal und lang, entzündet ihn an Kerze oder Streichholz und lässt ihn brennen, bis die Flamme ruhig steht. Sie ist breit, weich und verhältnismäßig kühl, und ihr feiner Holzduft verträgt sich mit dem Tabak, weil er aus derselben Kiste stammt, in der die Zigarre gereift ist. Ein solcher Span hieß früher Fidibus – ein altes Wort für den Papierstreifen oder Holzspan, mit dem man die Pfeife an der Kerze anzündete.

Das Streichholz

Streichhölzer sind die zweite klassische Wahl, mit einer Einschränkung: Der Zündkopf moderner Sicherheitshölzer enthält Schwefel, und die ersten Sekunden riechen danach. Deshalb lässt man den Kopf vollständig abbrennen und wartet, bis nur noch das Holz gleichmäßig brennt. Für Zigarren gibt es eigens lange, kräftige Hölzer – manche schwefelfrei –, die genug Brenndauer für das Toasten haben; Küchenstreichhölzer sind zu kurz.

Butan: Jet und Soft-Flame

Das Gasfeuerzeug hat sich seit der Nachkriegszeit durchgesetzt, weil Butan bei vollständiger Verbrennung praktisch geruchlos abbrennt. Die Soft-Flame – eine gelbe, weiche Flamme wie bei einer Kerze – ist mild und eignet sich für dünne Formate und empfindliche Deckblätter, ist aber windempfindlich. Das Jet-Feuerzeug, auch Turbo- oder Torch-Feuerzeug, mischt Gas und Luft vor und erzeugt eine blaue, zischende Flamme, die deutlich über tausend Grad heiß, sehr gerichtet und windstabil ist. Es toastet einen Fuß mit Ringmaß 60 in Sekunden – und verkohlt ihn ebenso schnell, wenn man ihn direkt hineinhält. Die Kunst liegt im Abstand: zwei bis drei Zentimeter über der Flammenspitze, ständig drehen, mit Geduld. In beiden Fällen lohnt mehrfach gefiltertes Butan, denn Verunreinigungen setzen die Düsen zu und bringen selbst Fremdgeruch.

MethodeFlammeStärkenSchwächen
ZedernspanBreit, weich, aromatischTraditionell, schonend, passt zum TabakBraucht eine Zündquelle, versagt bei Wind
Langes StreichholzWeich, kurzlebigÜberall verfügbar, natürliche FlammeKopf muss abbrennen, mehrere Hölzer nötig, windanfällig
Soft-Flame-Feuerzeug (Butan)Gelb, kerzenartigGeruchlos, sanft, gut für dünne FormateLangsam bei dicken Ringmaßen, windempfindlich
Jet-Feuerzeug (Butan)Blau, sehr heiß, gerichtetSchnell, windstabil, ideal im FreienVerkohlt bei zu wenig Abstand; sauberes Gas nötig

Das Toasten des Fußes – Schritt für Schritt

Anzünden heißt bei der Zigarre nicht, den Fuß in die Flamme zu halten und zu ziehen. Der Fuß wird zuerst getoastet: Man erhitzt die Schnittfläche gleichmäßig, bis Einlage, Umblatt und Deckblattrand rundum verkohlen und ein feiner Glutring entsteht – erst danach folgt der erste Zug. So umfasst die Glut von Anfang an die ganze Fläche, und keine Flammengase wandern durch den Tabak. Genau darum prägt das Anzünden die ersten zehn Minuten: Eine halbseitig gezündete Zigarre brennt einseitig heiß, schmeckt scharf und braucht oft mehrere Zentimeter, bis sie sich fängt.

  1. Die Zigarre in einem Winkel von etwa 45 Grad halten und den Fuß über die Flamme bringen – nicht hinein. Bei Streichholz und Span an die Spitze der Flamme, beim Jet zwei bis drei Zentimeter darüber.
  2. Die Zigarre langsam um die eigene Achse drehen, bis der Rand des Deckblatts rundum dunkel wird und die Schnittfläche matt schwarz ist. Bei einer Corona dauert das zehn bis zwanzig Sekunden, bei dicken Formaten länger.
  3. Den Fuß prüfen: Ein sanftes Anblasen lässt die Glut aufleuchten und zeigt, ob der Ring geschlossen ist. Kalte Stellen werden gezielt nachgetoastet.
  4. Jetzt die Zigarre an den Mund nehmen, den Fuß weiter über der Flamme halten und mit ruhigen, leichten Zügen anziehen – dabei weiterdrehen, damit die Glut gleichmäßig greift.
  5. Absetzen und prüfen: Glüht der Fuß rundum orange, ist die Arbeit getan, und der erste bewusste Zug darf kommen.

Manche blasen nach dem Anzünden vom Kopf her einmal sanft durch die Zigarre, um Bitterstoffe auszutreiben, die beim Toasten entstanden sind – ein Handgriff, der – anders als das Anblasen der Glut, das nur zeigt, ob der Ring geschlossen ist – dem Geschmack gilt.

Gleichmäßiger Brand: Asche, Kanu und Tunnel

Eine gut gerollte, gut gelagerte und gut angezündete Zigarre brennt gerade, mit schmalem Glutring und einer festen, hellgrauen bis weißen Asche. Die Asche darf zwei bis drei Zentimeter lang werden: Sie isoliert die Glut, hält den Brand kühl und dosiert den Sauerstoff. Ein Aschekegel, der nach innen schwarz und spitz wird, deutet auf zu schnelles Rauchen hin, bröselige Asche auf zu trockenen Tabak.

Brennt eine Seite voraus, spricht man vom Kanubrand. Ursachen sind ein ungleichmäßiger Wickel, Zugluft oder ein Anzünden, das nicht rundum war. Die Abhilfe beginnt mit dem Drehen: Die langsam brennende Seite kommt nach oben, wo die aufsteigende Wärme sie beschleunigt. Hilft das nicht, wird die zurückbleibende Kante mit dem Feuerzeug kurz nachgetoastet, ohne zu ziehen. Beim Tunnelbrand brennt die Einlage im Inneren weiter, während Umblatt und Deckblatt kalt bleiben; typische Auslöser sind eine zu feucht gelagerte Zigarre oder ein zu langsames Rauchtempo. Hier hilft nur, die Außenblätter rundum anzutoasten und danach gleichmäßiger zu ziehen. Ein Läufer schließlich, ein schmaler Brandstreifen, der dem Glutring vorauseilt, folgt meist einer Blattrippe oder einem Riss im Deckblatt; ein Hauch Feuchtigkeit vom Finger auf die Kante stoppt ihn.

Ausgehen und Nachzünden

Dass eine Zigarre ausgeht, ist keine Katastrophe, sondern Alltag: ein Gespräch, ein Telefonat, und nach wenigen Minuten ohne Zug erlischt die Glut. Zum Nachzünden klopft man die Asche vollständig ab, bläst vom Kopf her einmal vorsichtig durch die Zigarre, damit der abgestandene Rauch entweicht, und toastet den Fuß genauso wie beim ersten Mal: rundum, geduldig, ohne zu ziehen. Ist der Fuß stark verkohlt, weil die Zigarre länger lag, kratzt man die schwarze Schicht mit der Klinge des Cutters ab – sie schmeckt sonst bitter. Innerhalb einer halben Stunde nachgezündet, schmeckt eine Zigarre fast wie zuvor. Wer sie für den nächsten Tag beiseitelegt, wird meist enttäuscht: Kondensat und Rauchrückstände setzen sich beim Abkühlen im Wickel fest und geben ihr eine kalte, säuerliche Note.

Ablegen statt Ausdrücken

Am Ende wird eine Zigarre nicht ausgedrückt. Wer sie im Aschenbecher zerquetscht, presst die heiße Glut in die Reste des Wickels, und aus verbranntem Tabak, Kondensat und aufgeplatztem Deckblatt steigt ein beißender Qualm, der den Raum lange erfüllt. Man legt sie stattdessen auf die Auflage eines Zigarrenaschenbechers und lässt sie ausgehen; ohne Zug erlischt die Glut binnen weniger Minuten von selbst, ruhig und ohne Gestank. Wer nicht warten will, greift zum Glutlöscher, einem kleinen Metallbecher, in den man den glühenden Fuß stellt – ohne Sauerstoff erlischt die Glut rasch und ohne Qualm. Wann eine Zigarre zu Ende ist, entscheidet nicht die Länge, sondern der Geschmack: Im letzten Drittel hat sich der Wickel mit Rauchrückständen gesättigt, die Glut rückt näher an die Lippen, und die Zigarre wird kräftiger, wärmer, irgendwann bitter. Ob man sie mit einer Handbreit Rest ablegt oder bis zum Stummel raucht, ist Geschmackssache – ausgedrückt wird sie nie.

Rauchtempo und Rhythmus

Die alte Faustregel lautet: etwa ein Zug pro Minute. Sie ist kein Gesetz, aber eine gute Richtschnur, denn das Tempo steuert die Temperatur der Glut, und die Temperatur steuert den Geschmack. Wer zu schnell zieht, überhitzt den Wickel, die Aromen kippen ins Scharfe und Bittere, die Asche wird dunkel. Wer zu langsam zieht, lässt die Glut abkühlen, und die Zigarre geht aus oder brennt nur noch innen weiter. Dazwischen liegt der Rhythmus, in dem sich die Mischung entfalten kann: ein ruhiger Zug, der Rauch bleibt einige Sekunden im Mund, wird geschmeckt und ausgeatmet, nicht inhaliert. Wer die Aromen genauer erkunden will, lässt beim Ausatmen einen kleinen Teil des Rauchs durch die Nase entweichen; sie erkennt Noten von Leder, Kaffee, Zeder oder Gewürzen, die der Gaumen allein nicht auflöst. Kenner sprechen zudem von Dritteln: Das erste zeigt die Mischung frisch und meist am hellsten, im zweiten kommt die Tiefe, im dritten die Kraft. Wer die Zigarre ab und zu ablegt und die Glut ruhen lässt, hält den Wickel kühl.

Wen über die Handgriffe hinaus das Handwerk der Roller, die Formate und die Kultur der Havanna interessieren, findet auf den Schwesterseiten Kubanische Zigarren – Geschichte, Marken, Kultur und Kubanische Zigarren genießen – die Praxis ausführliche Seiten dazu; die Übersicht über Zigarren, Zigarillos und andere Erzeugnisse steht unter Tabakwaren.

Quellen

  1. Zigarrenschneider – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarrenschneider
  2. Zigarre – Wikipedia (Formate, Anschneiden, Anzünden) – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarre
  3. Cigar cutter – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Cigar_cutter
  4. Feuerzeug – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerzeug
  5. Streichholz – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Streichholz

Häufige Fragen

Wie tief schneidet man eine Zigarre an?

Nur so tief, dass die Kappe geöffnet wird – bei den meisten Formaten zwei bis drei Millimeter. Die Schulter, also die Rundung zwischen Kopf und Körper, bleibt unversehrt, weil dort das Deckblatt verklebt ist. Bei Torpedos und Pyramiden tastet man sich mit mehreren schmalen Schnitten heran, bis der Zug stimmt.

Kann man eine Zigarre mit einem Benzinfeuerzeug anzünden?

Besser nicht. Dochtfeuerzeuge verbrennen Leichtbenzin, und dessen Dämpfe und Verbrennungsrückstände geben dem Tabak eine Note, die man die ganze Zigarre über schmeckt. Geeignet sind Butangas-Feuerzeuge, lange Streichhölzer, deren Kopf man abbrennen lässt, und der klassische Zedernspan. Wer nur ein Benzinfeuerzeug hat, zündet damit einen Span an und nutzt dessen Flamme.

Jet-Feuerzeug oder Soft-Flame – was ist besser?

Beide brennen mit Butan und sind geruchlos; der Unterschied liegt in Hitze und Windstabilität. Das Jet-Feuerzeug arbeitet schnell und trotzt dem Wind, verlangt aber Abstand, weil seine blaue Flamme das Deckblatt sonst verkohlt. Die Soft-Flame ist sanfter und ideal für dünne Formate und ruhige Räume. Viele Kenner besitzen beides.

Was tun, wenn die Zigarre schief brennt?

Zuerst drehen: die langsam brennende Seite nach oben, dort beschleunigt die aufsteigende Wärme den Brand. Hilft das nicht, die zurückbleibende Kante kurz mit dem Feuerzeug nachtoasten, ohne dabei zu ziehen. Häufige Ursachen sind ungleichmäßiges Anzünden, Zugluft oder eine zu feucht gelagerte Zigarre.

Kann man eine halb gerauchte Zigarre am nächsten Tag weiterrauchen?

Möglich, aber selten ein Vergnügen. Kondensat und Rauchrückstände setzen sich beim Abkühlen im Wickel fest und geben der Zigarre eine kalte, säuerliche Note. Innerhalb einer halben Stunde lässt sich eine ausgegangene Zigarre dagegen problemlos nachzünden: Asche abklopfen, vom Kopf her durchblasen, Fuß frisch toasten. Für kurze Gelegenheiten wählt man besser ein kleines Format.