Pfeifentabak › Latakia und Perique: die Spezialtabake

Latakia und Perique: die Spezialtabake

Ein paar schwarze Fasern zwischen hellem Virginia genügen, und aus einem braven Tabak wird eine English Mixture; ein Löffel dunkler, klebriger Krümel verwandelt einen Flake in einen VaPer. Latakia und Perique sind die Gewürze der Pfeifenwelt – der eine im Rauch schwelender Sträucher entstanden, der andere unter dem Druck eines Whiskyfasses. Diese Seite erzählt, woher beide kommen, wie sie gemacht werden, wie sie schmecken und in welchen Mengen sie eine Mischung tragen, statt sie zu erdrücken.

Latakia – HerkunftHeute nahezu vollständig Zypern; historisch das Hinterland der syrischen Hafenstadt Latakia
Latakia – VerfahrenSonnengetrockneter Orienttabak, drei bis vier Wochen im Rauch schwelender Mastix-, Myrten-, Pinien- und Zypressenzweige
Perique – HerkunftSt. James Parish am Mississippi, Louisiana; Kernanbau auf wenigen Feldern bei Grand Point
Perique – VerfahrenKurz luftgetrocknet, entrippt, zu Bündeln gerollt und rund ein Jahr in Eichenfässern unter Druck vergoren
AromabildLatakia: Rauch, Leder, Weihrauch – Perique: Pfeffer, Pflaume, Sauerkirsche, Essig
Übliche AnteileLatakia 5–50 % je nach Stil, Perique meist 2–15 %; beide fast nie pur
Weitere WürztabakeDark Fired Kentucky (feuergetrocknet) und Orient-Provenienzen wie Izmir, Samsun, Basma

Gewürz und Basis: was Spezialtabake in einer Mischung tun

Eine Pfeifenmischung ist wie ein Gericht aufgebaut: Es gibt Zutaten, die satt machen, und Zutaten, die man schmeckt. Virginia und Burley liefern mit Süße, Körper und Brennverhalten die Grundlage, Orient gibt eine erste Würze dazu. Die Handschrift eines Blenders aber liegt in den wenigen Prozent Spezialtabak, die den Charakter der ganzen Dose bestimmen. Latakia und Perique sind die berühmtesten dieser Würztabake und könnten kaum unterschiedlicher sein: Der eine entsteht im Rauch, der andere unter Druck; der eine ist mild im Nikotin und laut im Aroma, der andere kräftig in beidem.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie das Blatt nicht durch Zusätze verändern, sondern durch Handwerk – Sonne, Feuer, Zeit und Gewicht statt Casing und Topping. Was die Basistabake botanisch ausmacht, beschreibt die Seite Tabaksorten; die Grundverfahren der Trocknung und Fermentation erklärt Verarbeitung. Hier geht es um die Veredelung darüber hinaus.

Latakia: Rauch als Handwerk

Name und Herkunft

Latakia ist nach der syrischen Hafenstadt Latakia benannt, dem antiken Laodikeia, über die der Tabak des Hinterlands seit dem 19. Jahrhundert verschifft wurde. Der Name bezeichnet keine Pflanze und keinen Anbautyp, sondern ein Verfahren: Sonnengetrockneter Orienttabak wird wochenlang im Rauch schwelender Hölzer und Sträucher nachbehandelt, bis er schwarz, ledrig und durchdringend aromatisch ist. Die Überlieferung führt das Verfahren auf einen Zufall zurück: Überschüssige Ernte, unter dem Dach gelagert, nahm den Rauch der offenen Herdfeuer an – und schmeckte danach besser als zuvor. Belegen lässt sich das nicht, plausibel ist es: Räuchern war in der Levante seit jeher ein Mittel, Vorräte haltbar zu machen.

Ins viktorianische England kam Latakia über die britischen Handelsinteressen im östlichen Mittelmeer. Charles Dickens’ Wochenschrift „All the Year Round“ rühmte ihn 1860 als besten Tabak Syriens, und die Londoner Tabakhäuser bauten um ihn herum jenen Stil, den man bis heute English Mixture nennt.

Von Syrien nach Zypern

Der klassische syrische Latakia stammte von einer schmalblättrigen Landsorte namens Shekk-el-Bint aus den Bergen hinter der Küste. Die ganzen Pflanzen wurden samt Blüten geschnitten, wochenlang in der Sonne getrocknet und in fensterlosen Steinscheunen mit Feuergruben im Boden geräuchert – über dem, was die Umgebung hergab: Steineiche, Aleppokiefer, Johannisbrotbaum, Zeder, Sträucher vom Hang. Diese Herkunft verlor im Lauf des 20. Jahrhunderts immer mehr an Boden, bis der Export um 2010 ganz zum Erliegen kam. Der Holzhunger der Eisenbahnen und zweier Weltkriege lichtete die syrischen Wälder, Blauschimmel vernichtete 1963 einen Großteil der Tabakernte, Auflagen zum Schutz der Wälder verteuerten das Räuchern, politische Verwerfungen taten das Übrige.

Zypern hatte die Lücke da längst gefüllt. Auf der Insel wird Latakia aus kleinblättrigen Orientpflanzen gewonnen; welche Sorten genau, ist nicht sicher überliefert, am häufigsten wird ein Smyrna-Typ genannt. Geräuchert wird nach demselben Prinzip, aber mit einem eigenen Holzrezept, in dem der Mastixstrauch die Hauptrolle spielt, ergänzt um Myrte, Pinie und Zypresse. Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich: Syrischer Latakia war mahagonibraun, spitz und weinig-säuerlich – Blender vergleichen ihn mit einem trockenen Fino-Sherry; zyprischer Latakia ist fast schwarz, runder, süßer und tiefer, eher ein Vintage Port. Wie viel Nikotin der syrische mitbrachte, wird unterschiedlich beschrieben; die Fermentation, die bei den Verarbeitern auf die Räucherung folgte, baute jedenfalls einen Teil davon ab.

Die Räucherung Schritt für Schritt

Das zyprische Verfahren ist gut dokumentiert und läuft, mit Abweichungen von Betrieb zu Betrieb, in fester Folge ab:

  1. Ernte im Ganzen: Die reifen Pflanzen werden in Abschnitten mit Stängel und Blüte geschnitten; die unteren Blätter kommen lose dazu.
  2. Sonnentrocknung: Zwei bis drei Wochen liegen die Abschnitte auf dem Boden oder hängen an Gestellen und werden regelmäßig gewendet.
  3. Einhängen: In niedrigen, fensterlosen Räucherscheunen hängt der Tabak an Stangen unter dem Dach; in der Mitte des Lehmbodens liegen ein oder zwei Feuergruben, mit einem Blech abgedeckt, damit die unteren Reihen nicht Feuer fangen.
  4. Feuerführung: Die ersten Tage schwelt leicht aromatisches Material wie Myrte, dann folgt Hartholz, das Hitze bringt und das Blatt trocknet; anschließend sorgen grüne Zweige für dichten Rauch, und zum Abschluss kommen noch einmal aromatische Sträucher aufs Feuer. Insgesamt dauert das drei bis vier Wochen.
  5. Entnahme: Von unten nach oben wird entnommen, was fertig ist; das brüchige Blatt wird wieder befeuchtet, zu großen Stapeln gebündelt und ruht, bis es den gewünschten Feuchtegrad hat. Manche Verarbeiter lassen es zusätzlich fermentieren, viele verzichten darauf.

Am Ende ist das Blatt schwarz, biegsam wie dünnes Leder und intensiv im Duft. Weil Zweige, Laub und Sträucher verfeuert werden statt Scheitholz, ist der Rauch harzig und würzig, nicht bloß holzig – näher am Weihrauch als am Kaminfeuer.

Aromabild und Verhalten in der Pfeife

Latakia riecht kalt nach Räucherkammer, Teer und Leder; brennend kommen Weihrauch, ein Hauch Süße und etwas Salziges hinzu, das an Räucherfisch oder Torfwhisky erinnert. Auf der Zunge ist er weniger dramatisch, als die Nase vermuten lässt: weich, fast cremig, mit einer leisen Herbe im Abgang. Technisch ist er ein Segen für jede Mischung: Das Blatt enthält kaum Zucker, brennt langsam und kühl und beißt nicht – deshalb verzeihen Latakia-Mischungen ein flotteres Tempo. Der Nikotingehalt zyprischer Ware ist niedrig; die Wucht einer schweren English Mixture kommt aus dem Aroma, nicht aus dem Nikotin.

Dosierung: vom Hauch bis zur Bombe

Latakia ist schon in winzigen Mengen wahrnehmbar. Erfahrene Blender beschreiben es so: Ab etwa drei Prozent ist er zu ahnen, ab fünf unverkennbar, um zehn Prozent beginnt sein süß-rauchiger Charakter zu tragen. In klassischen English Mixtures stellt er grob ein Viertel bis ein Drittel des Tabaks, in kräftigen Rezepten bis zur Hälfte. Wer noch mehr hineingibt, landet bei dem, was Pfeifenraucher halb bewundernd „Latakia-Bombe“ nennen – eindimensionaler, aber mit treuer Anhängerschaft. Heikel ist die Balance mit Orienttabaken, deren Kräuter- und Blütennoten unter zu viel Rauch verschwinden; Balkan-Mischungen leben von einer sparsamen Hand. Eine Eigenheit kennt jeder, der Dosen jahrelang liegen lässt: Latakia verliert mit der Zeit an Kraft. Während Virginia unter Luftabschluss nachreift und süßer wird, wird der Rauch leiser – eine lange gelagerte English Mixture ist runder, aber zahmer als am ersten Tag.

Perique: Druck, Zeit und ein Whiskyfass

Ein Tabak aus einem einzigen Landstrich

Perique kommt aus dem St. James Parish, einem Landkreis am Mississippi zwischen Baton Rouge und New Orleans, und dort im Kern von einem schmalen Geländerücken bei Grand Point mit dunklem Schwemmboden. Als akadische Siedler, die Vorfahren der Cajuns, in den 1770er-Jahren die Gegend besiedelten, bauten Choctaw und Chickasaw dort bereits Tabak an und pressten ihn der Überlieferung nach in ausgehöhlten Baumstümpfen unter Hebeldruck, um ihn zu vergären. Der Farmer Pierre Chenet griff das Verfahren auf und begann um 1824, den Tabak in größerem Maßstab herzustellen; sein Spitzname „Périque“ blieb am Produkt haften. Über die Ehe seiner Enkelin mit Celestin Poche kam das Wissen 1829 in die Familie Poche – die 1917 gegründete L. A. Poche Perique Tobacco Company war um 1980 weltweit die einzige Bezugsquelle.

Wie knapp Perique am Verschwinden vorbeischrammte, zeigt eine Zahl aus der Fachliteratur: 2002 lagerte die gesamte Weltproduktion an echtem Perique – rund 11.500 Pfund, gut fünf Tonnen – in 27 Whiskyfässern auf einer einzigen Farm, und Ende der 1990er-Jahre baute nur noch ein Landwirt die Pflanze kommerziell an. Erst die Nachfrage der internationalen Pfeifenszene und ein neuer Eigentümer, der die Poche-Firma 2005 übernahm, drehten den Trend: 2017 zählte man im Parish wieder rund zwei Dutzend kommerzielle Anbauer.

Das Verfahren

Ausgangsmaterial ist eine rote Burley-Landsorte, die sich anderswo nie recht anbauen ließ – Boden und Klima des Flussufers scheinen Teil des Rezepts zu sein. Von der Pflanze bis zum fertigen Tabak vergeht mehr als ein Jahr:

  1. Anbau: Die Pflanzen werden von Hand ausgegeizt und auf etwa ein Dutzend Blätter begrenzt; im Frühsommer wird die ganze Pflanze geerntet.
  2. Kurze Lufttrocknung: In seitlich offenen Scheunen hängt der Tabak nur kurz; die Angaben reichen von unter zwei bis rund drei Wochen. Das ist deutlich kürzer als bei Burley für Zigaretten, denn das Blatt soll geschmeidig bleiben.
  3. Entrippen und Rollen: Die Blätter werden angefeuchtet, von Hand von der Mittelrippe befreit und zu festen Bündeln von etwa einem Pfund gerollt, den „Torquettes“.
  4. Pressen: Die Torquettes kommen in gebrauchte Eichenfässer aus der Whiskybrennerei. Mit Eichenklötzen und schweren Schraubwinden wird gepresst, bis fast alle Luft entwichen ist und der Saft über den Rand steigt; unter Luftabschluss beginnt die Gärung im eigenen Saft.
  5. Umschichten: Etwa einmal im Monat wird der Druck gelöst; jedes Bündel wird gelockert, kurz belüftet und mitsamt dem aufgefangenen Saft neu verpresst.
  6. Reife: Nach rund einem Jahr ist der Perique fertig. Im Fass unter Druck hält er sich über Jahre; einmal an der Luft, verliert er seinen Charakter.

Das Verfahren ist das Gegenteil der Latakia-Räucherung: keine Hitze, kein Rauch, sondern Gewicht und Geduld. Chemisch geschieht dabei, was sonst im Weinkeller geschieht: Eine 2005 veröffentlichte Analyse fand im Duft von Perique mehr als 330 flüchtige Verbindungen, darunter Dutzende, die zuvor in keinem Tabak nachgewiesen waren – vor allem Ester und Alkohole, wie man sie aus vergorenen Früchten und Wein kennt.

Aromabild und Stärke

Fertiger Perique ist dunkelbraun bis schwarz, feucht, klebrig und schwer. Er riecht nach Essig und Pflaumenmus, nach Sauerkirsche, schwarzem Pfeffer, Pilz und feuchtem Keller – abschreckend für den einen, verheißungsvoll für den anderen. In der Pfeife verwandelt sich der Essig in Frucht: Aus einem hellen Virginia macht ein Löffel Perique einen Tabak mit dunkler Süße, Säure und einem pfeffrigen Kitzeln, das man vor allem in der Nase spürt. Nikotinseitig gehört Perique zu den kräftigsten Pfeifentabaken, und weil er den Abbrand verlangsamt und den Rauch kühlt, merkt man die Stärke oft erst, wenn die Pfeife halb leer ist.

St. James Perique und Acadian Perique

Auf den Dosen steht selten, welcher Perique gemeint ist. „St. James Perique“ bezeichnet das echte Blatt von den Feldern des Parish. Weil davon zu wenig da ist, wird seit Jahrzehnten auch Green-River-Burley aus Kentucky nach demselben Fassverfahren verarbeitet; das Ergebnis heißt „Acadian Perique“ und wird häufig mit echtem St.-James-Blatt verschnitten. Kenner beschreiben den Acadian als weicher und weniger fruchtig, dafür gleichmäßiger – ein solides Gewürz, dem die letzte Tiefe fehlt.

Dosierung: das Gewürz unter den Gewürzen

Perique verlangt eine leichtere Hand als Latakia. Zwei bis fünf Prozent geben einem Virginia Säure und Tiefe, ohne sich zu erkennen zu geben; fünf bis zehn Prozent sind ein klassischer VaPer, in dem der Pfeffer deutlich mitspricht; zwischen zehn und zwanzig Prozent wird der Perique zum Hauptdarsteller, und Mischungen darüber sind Spezialitäten für Liebhaber. Sein natürlicher Partner ist gereifter, roter oder gedämpfter Virginia, dessen Süße die Säure auffängt – berühmt geworden im Coin Cut „Escudo Navy De Luxe“ und in Dunhills „Elizabethan Mixture“, die heute wie andere Dunhill-Klassiker unter dem Peterson-Label weitergeführt wird. Perique taugt aber auch als dritte Stimme in Latakia-Mischungen, wo er dem Rauch Frucht und Biss verleiht – Dunhills „Nightcap“ ist das bekannteste Beispiel –, und in Burley-Flakes, denen er die Süße und Säure gibt, die dem Burley selbst fehlen.

Weitere Würztabake: Dark Fired Kentucky und Orient

Dark Fired Kentucky

Der dunkle Feuertabak aus dem „Black Patch“, dem Grenzland von West-Kentucky und Tennessee, ist der amerikanische Verwandte des Latakia: Auch er wird in Scheunen über schwelenden Feuern getrocknet, allerdings über Hartholz wie Hickory und Eiche, das mit Sägemehl zum Qualmen gebracht wird, drei Tage bis mehrere Wochen lang. Das Blatt ist dunkelbraun, zuckerarm und nikotinreich; sein Rauch schmeckt nach Räucherschinken, Erde und trockenem Holz – geradliniger als Latakia, ohne dessen Weihrauchnote. In Virginia-Kentucky-Flakes, den „Dark Flakes“, stellt er je nach Rezept ein Viertel bis mehr als die Hälfte und trägt Körper, Stärke und Wärme; in kleiner Dosis ersetzt er Latakia in Mischungen, die rauchig, aber nicht levantinisch schmecken sollen. Außerhalb der Pfeife ist er die Seele der italienischen Toscano-Zigarre und vieler Schnupf- und Kautabake.

Orient-Sorten

Orienttabake sind streng genommen Basistabake – in Balkan-Mischungen bilden sie das Gerüst –, in der Praxis werden sie aber wie Gewürze eingesetzt. Ihre kleinen, sonnengetrockneten Blätter tragen wenig Nikotin und viel aromatisches Harz; sie schmecken kräuterig, säuerlich, nach Heu, Sauerteig und Blüten und halten den Rauch frisch. Die Provenienzen unterscheiden sich wie Weinlagen, vom sanften Izmir bis zu den würzigen Basma- und Xanthi-Tabaken aus Thrakien. In einer English Mixture liegt der Orientanteil grob zwischen zehn und dreißig Prozent, im Balkan deutlich darüber. Dass derselbe Tabak auch die Würze des American Blend in der Zigarette ist, erzählt die Schwesterseite zigarette.com.

Verwendung und Dosierung im Überblick

TabakHerkunftVerfahrenAromabildNikotinÜblicher AnteilTypische Familien
Latakia (Zypern)ZypernSonnentrocknung, drei bis vier Wochen Räucherung über Mastix, Myrte, PinieRauch, Leder, Weihrauch, süßliche Tiefeniedrig5–50 %English, Balkan, rauchige Aromatics
Latakia (Syrien)Region Latakia, nur noch AltbeständeSonnentrocknung, Räucherung über Eiche, Kiefer und Sträucherntrockener, weinig-säuerlich, spitzAngaben uneinheitlichmeist unter 15 %klassische English und Oriental
PeriqueSt. James Parish, Louisianakurze Lufttrocknung, rund ein Jahr Druckgärung im EichenfassPfeffer, Pflaume, Sauerkirsche, Essighoch2–20 %VaPer, Burley-Flakes, Beigabe in English
Dark Fired KentuckyWest-Kentucky, Tennessee; auch Italien, MalawiFeuertrocknung über Hartholz, Tage bis WochenRäucherschinken, Erde, Holzhoch10–50 %Dark Flakes, Kentucky-Mischungen, Toscano
OrientTürkei, Griechenland, BalkanSonnentrocknung kleiner BlätterKräuter, Heu, Sauerteig, Blütenniedrig10–30 %, im Balkan mehrEnglish, Balkan, Oriental

Die Prozentzahlen sind Faustwerte aus der Blender-Praxis, keine Norm. Ein Muster zeigen sie dennoch: Je kräftiger ein Würztabak im Nikotin, desto sparsamer wird er dosiert. Und Gewürze addieren sich – eine Mischung mit 30 Prozent Latakia, 20 Prozent Orient und fünf Prozent Perique hat kaum noch Platz für die Basis, die den Rauch tragen soll. Die großen Klassiker sind deshalb selten die extremsten, sondern die ausgewogensten Rezepte.

In der Praxis: Lagern, Pfeifenwahl, Selbermischen

Beide Spezialtabake stellen eigene Ansprüche an die Lagerung. Latakia ist von Natur aus trocken und brüchig; Mischungen mit hohem Anteil verlieren in der offenen Dose schnell die Restfeuchte und rauchen sich dann scharf – ein dichtes Schraubglas ist die bessere Heimat. Perique dagegen hält sich, solange er feucht bleibt, nahezu unbegrenzt, und Virginia-Perique-Mischungen zählen zu den dankbarsten Kandidaten für die Kellerung: Der Zucker des Virginias reift, die Säure des Perique bindet sich ein, aus Pfeffer wird Frucht. Wie man Dosen und Gläser anlegt, beschreibt Tabak richtig lagern.

Bei der Pfeifenwahl vertragen Latakia-Mischungen große Köpfe, weil sie kühl und mild sind und ihre Aromen Raum brauchen; VaPers und Kentucky-Flakes sind in kleineren Köpfen besser aufgehoben, weil ihre Stärke sonst über eine Stunde anhält. Beide hinterlassen Spuren in der Kohleschicht – Latakia stärker als alles andere –, weshalb rauchige Mischungen eigene Pfeifen bekommen. Zum Getränk passt, was mithält: Torfwhisky zum Latakia, Portwein oder kräftiger schwarzer Tee zum Perique; die Seite Tabak und Getränke geht dem nach.

Selbermischen ist der beste Weg, die Würztabake wirklich zu verstehen. Man braucht eine Küchenwaage mit Grammanzeige, ein paar Schraubgläser und Geduld. Ein Anfang: 50 Gramm eines hellen Virginia-Ribbons, dazu fünf Gramm Latakia – knapp neun Prozent – und zwei Gramm Perique. Gut vermengen, zwei bis vier Wochen im geschlossenen Glas ruhen lassen, damit sich die Aromen verbinden, dann probieren und notieren; in der nächsten Runde verändert man nur eine Zutat. Nach einem Dutzend Gläsern weiß man, was ein Prozent Perique ausmacht. Die Fachbegriffe erklärt das Glossar.

Praxistipp: Würztabake nach Gewicht dosieren, nie nach Volumen. Latakia ist leicht und flauschig, Perique schwer und klebrig – ein gehäufter Teelöffel des einen entspricht einem Bruchteil eines Teelöffels des anderen. Und den Perique vor dem Wiegen kurz an der Luft lockern, sonst landet ein einziger Klumpen in einer einzigen Pfeife.

Quellen

  1. Latakia (tobacco) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Latakia_(tobacco)
  2. Perique – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Perique
  3. Leffingwell und Alford: Volatile Constituents of Perique Tobacco – Electronic Journal of Environmental, Agricultural and Food Chemistry, 2005 (PDF) – http://www.leffingwell.com/download/Volatile%20Constituents%20of%20Perique%20Tobacco4.pdf
  4. L. A. Poche Perique Tobacco Photographs, 1971 – Archivbeschreibung der NC State University Libraries – https://www.lib.ncsu.edu/findingaids/mc00394
  5. Curing of tobacco – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Curing_of_tobacco

Häufige Fragen

Ist Latakia eine eigene Tabaksorte?

Nein. Latakia ist ein Verfahren, kein Anbautyp: Sonnengetrockneter Orienttabak wird wochenlang über schwelenden Hölzern und Sträuchern geräuchert, bis er schwarz und ledrig ist. Der Name stammt von der syrischen Hafenstadt, über die der Tabak verschifft wurde; heute kommt praktisch die gesamte Erzeugung aus Zypern, wo über Mastix, Myrte und Pinie geräuchert wird.

Warum ist Perique so selten?

Weil er nur auf wenigen Feldern im St. James Parish in Louisiana gedeiht und seine Herstellung über ein Jahr Handarbeit verlangt: entrippen, zu Bündeln rollen, in Eichenfässern unter Druck vergären, monatlich umschichten. Die Weltproduktion echten Periques wird in Tonnen gemessen; Ende der 1990er-Jahre baute zeitweise nur noch ein einziger Landwirt die Pflanze an.

Wie viel Perique verträgt eine Mischung?

Weniger, als man denkt. Zwei bis fünf Prozent geben einem Virginia Säure und Tiefe, fünf bis zehn Prozent ergeben einen klassischen Virginia-Perique, ab etwa zehn bis zwanzig Prozent dominiert der Perique. Beim Selbermischen sollte man nach Gewicht dosieren, denn Perique ist schwer und feucht – ein Teelöffel wiegt ein Vielfaches eines Teelöffels Ribbon.

Kann man Latakia oder Perique pur rauchen?

Möglich ist es, empfehlenswert nicht. Latakia überfordert pur binnen Minuten die Sinne mit Rauch und Teer, Perique ist pur vor allem wegen seiner Nikotinstärke eine Mutprobe. Beide entfalten ihren Wert erst als Gewürz in einer Mischung mit Virginia, Orient oder Burley.

Reifen Mischungen mit Latakia und Perique in der Dose?

Unterschiedlich. Latakia verliert über lange Lagerzeiten an Kraft – eine alte English Mixture ist runder, aber zahmer. Virginia-Perique-Mischungen gehören dagegen zu den dankbarsten Reifekandidaten: Der Zucker des Virginias entwickelt sich, die Säure des Perique bindet sich ein, aus Pfeffer wird Frucht.