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Tabak richtig lagern

Guter Tabak ist ein Naturprodukt, das mit seiner Umgebung atmet – und deshalb genauso schnell verdirbt, wie er sich verbessern kann. Wer die Feuchte im Griff hat, Licht und Wärme fernhält und das passende Gefäß wählt, bewahrt Aroma und Brand über Monate und lässt guten Pfeifentabak sogar reifen. Diese Seite liefert Zielwerte je Produkt, vergleicht Glas, Blech, Zeder und Beutel, erklärt das behutsame Rehydrieren und zeigt, wie man Schimmel und Tabakkäfer erkennt.

Feinschnittetwa 60–65 % relative Feuchte, dicht verschlossen, kühl und dunkel; Feuchtepack mit 62 %
Pfeifentabaketwa 55–65 % relative Feuchte; geöffnet im Glas mit Dichtung, ungeöffnet reift er in der Dose über Jahre
Zigarren65–72 % relative Feuchte bei 18–21 °C im Humidor oder in der Zedernkiste; europäische Trockenzigarren dagegen trocken
Temperatur16–20 °C und vor allem konstant; Wärme beschleunigt Aromaverlust und die Entwicklung des Tabakkäfers
Licht und GerücheDunkel lagern, UV bleicht und baut Aromen ab; Tabak nimmt Fremdgerüche wie Tee an
Die FeindeAustrocknung, Klimaschwankungen, Schimmel bei dauerhaft über etwa 75 % Feuchte, Tabakkäfer ab Zimmerwärme
BehälterEinmachglas mit Gummiring, ungeöffnete Originaldose, spanische Zeder für Zigarren, Beutel mit Zwei-Wege-Feuchtepack

Inhalt

  1. Warum Feuchte über alles entscheidet
  2. Zielwerte je Produkt
  3. Licht, Temperatur und Fremdgerüche
  4. Behälter im Vergleich: Glas, Blech, Zeder, Beutel
  5. Feinschnitt frisch halten
  6. Ausgetrockneten Tabak behutsam rehydrieren
  7. Schimmel und Tabakkäfer erkennen und vermeiden
  8. Langzeitlagerung und Reifung von Pfeifentabak
  9. Lagerung nach dem Öffnen
  10. Quellen
  11. Häufige Fragen

Warum Feuchte über alles entscheidet

Einmachgläser mit Pfeifentabak, Dosen und Zedernkiste im Regal
Dicht, dunkel, kühl: Gute Gefäße halten Tabak frisch.

Tabak ist hygroskopisch: Das getrocknete und fermentierte Blatt nimmt Wasser aus der Luft auf und gibt es wieder ab, bis es mit seiner Umgebung im Gleichgewicht steht. Wie viel Wasser im Tabak steckt, hängt deshalb weniger von der Packung ab als vom Klima, in dem sie liegt. Je nach Produkt macht Wasser grob ein Zehntel bis ein Fünftel des Gewichts aus – und genau dieser Anteil bestimmt, wie ein Tabak riecht, brennt und sich anfühlt.

Drei Dinge hängen daran. Erstens das Aroma: Die flüchtigen Öle und Zuckerverbindungen, die einem Virginia seine Süße und einem Latakia seine Rauchigkeit geben, sind im feuchten Blatt gebunden; trocknet es aus, verflüchtigen sie sich mit dem Wasser, und was bleibt, schmeckt flach, kratzig und papieren. Zweitens der Brand: Feuchter Tabak glimmt langsam und kühl, weil das verdunstende Wasser Wärme bindet; trockener Tabak verbrennt hastig und heiß, entwickelt scharfen Rauch und läuft ungleichmäßig ab. Drittens der Bruch: Ein Deckblatt reißt beim Anschneiden, ein Flake zerfällt zu Krümeln, Feinschnitt zerbröselt zu Staub, der beim Drehen durch das Papier rieselt.

Der umgekehrte Fall ist seltener, aber ebenso lästig: Zu feucht gelagerter Tabak lässt sich schlecht entzünden, schmeckt dumpf und säuerlich, zieht in der Pfeife wie ein nasser Schwamm und bietet Schimmel den Nährboden, den er braucht. Das Ziel der Lagerung ist deshalb nicht „möglichst feucht“, sondern ein enges Fenster, das man einmal einstellt und dann nicht mehr verlässt. Wie die Industrie Rohtabak dafür auf eine definierte Lagerfeuchte bringt, beschreibt die Seite Verarbeitung; zu Hause geht es um denselben Gedanken im Kleinen.

Wie schnell es geht

Heizungsluft im Winter liegt oft bei 30 bis 40 Prozent relativer Feuchte; ein offener Beutel Feinschnitt gleicht sich diesem Wert innerhalb von zwei, drei Tagen an, und ungeschützte Zigarren sind nach einer Woche spürbar spröde. Maßgeblich ist die relative Feuchte, nicht der absolute Wassergehalt der Luft: Warme Luft trägt mehr Wasser, deshalb wirkt derselbe Raum im Sommer feuchter als im Winter.

Zielwerte je Produkt

Es gibt nicht den einen richtigen Wert, sondern für jede Tabakform ein eigenes Fenster. Zigarren aus ganzen Blättern brauchen deutlich mehr Feuchte als loser Schnitttabak, weil Deckblatt und Einlage elastisch bleiben müssen; Pfeifentabak raucht sich trockener angenehmer, als es die frisch geöffnete Dose vermuten lässt; Feinschnitt liegt dazwischen. Die Tabelle nennt Bereiche, die sich in der Praxis bewährt haben – am Ende entscheidet die Vorliebe.

ProduktRelative FeuchteTemperaturBehälterNach dem Öffnen
Zigarren aus ganzen Blättern (Longfiller)65–72 % (manche Quellen nennen bis 75 %)18–21 °CHumidor, Zedernkiste, dichte Dose mit FeuchtepackJahre; mit Pflege reifen sie weiter
Trocken gerauchte Zigarren und Zigarillos (europäischer Typ)Zimmerklima, eher trockenkühl, konstantOriginalpackung, dichte DoseMonate; Aromaverlust bei Wärme
Feinschnittetwa 60–65 %16–20 °CBeutel mit Feuchtepack, Glas, DoseWochen; Volumentabak trocknet am schnellsten
Pfeifentabak, naturbelassen (Flake, Mischungen)etwa 55–65 %16–20 °CGlas mit Dichtung, ungeöffnete DoseMonate im Glas; ungeöffnet Jahre bis Jahrzehnte
Pfeifentabak, aromatisiertab Werk meist feuchter16–20 °CGlas, getrennt von naturbelassenem TabakMonate; das Aroma verfliegt zuerst
Schnupftabaknicht austrocknen lassen: Schmalzler ist von Natur aus feucht, Snuff eher trockenkühl, ohne KondenswasserOriginaldose dicht verschlossen, kleine PortionenMonate; Aromen und Feuchte verfliegen

Die Fenster je Tabakform samt passender Stufe für Feuchtepacks zeigt auch der Humidor-Helfer.

Zwei Hinweise dazu: Viele Pfeifenraucher lassen frisch geöffneten Tabak bewusst eine halbe Stunde an der Luft liegen, bevor sie stopfen, denn die Werksfeuchte ist auf Transport und Haltbarkeit ausgelegt, nicht auf den Genuss. Und bei Zigarren liegen dicht gewickelte kubanische Formate meist am unteren Rand besser; die Feinheiten gehören in den Humidor, dem eine eigene Seite dieser Rubrik gewidmet ist.

Collage aus Befeuchtern, Hygrometer und Pfeifentasche
Feuchte im Griff: Befeuchter, Hygrometer und eine Tasche für unterwegs.

Licht, Temperatur und Fremdgerüche

Feuchte ist die wichtigste, aber nicht die einzige Größe. Licht, vor allem sein UV-Anteil, bleicht Deckblätter aus und baut Aromastoffe ab; ein Glas Tabak auf der sonnigen Fensterbank verliert in Wochen, was im Schrank Jahre hält. Vorratsgläser gehören deshalb in einen dunklen Schrank oder bekommen eine Hülle aus Papier.

Wärme beschleunigt alles: den Verlust flüchtiger Aromen, das Austrocknen und – der eigentliche Grund für Kühle – die Entwicklung des Tabakkäfers. Ein Bereich zwischen 16 und 20 Grad ist ideal, und mehr noch als der absolute Wert zählt die Konstanz: Ein Behälter, der morgens kalt und mittags warm ist, schwankt auch in der relativen Feuchte, und an der kühlsten Stelle im Inneren kann sich Kondenswasser niederschlagen. Der Kühlschrank taugt trotzdem nicht: Er riecht nach dem, was sonst darin liegt, seine Feuchte schwankt mit jeder Tür, und beim Herausnehmen beschlägt der kalte Tabak.

Gerüche schließlich nimmt Tabak so bereitwillig auf wie Tee. Eine Dose mit losem Stülpdeckel oder ein offener Beutel Pfeifentabak neben dem Gewürzregal schmeckt nach wenigen Wochen nach Curry, Zigarren in einer Schublade mit Lavendelsäckchen sind verloren. Aromatisierte Tabake mit Vanille-, Kirsch- oder Whiskynote geben ihr Topping an jeden Nachbarn ab; sie lagern in eigenen Gläsern und nie in derselben Kiste wie ein naturbelassener Virginia oder eine Latakia-Mischung.

Behälter im Vergleich: Glas, Blech, Zeder, Beutel

Glas

Das Einmachglas mit Bügelverschluss und Gummiring ist der stille Held der Tabaklagerung: geruchsneutral, mit intakter Dichtung praktisch luftdicht, und man sieht auf einen Blick, was darin liegt. Es ist die erste Wahl für geöffneten Pfeifentabak, ein guter Vorrat für Feinschnitt und taugt auch zur Reifung über Jahre. Seine Schwächen: Es puffert Feuchte nicht wie Holz, es lässt Licht durch, und es zerbricht. Also ins Dunkle stellen, den Gummiring jährlich prüfen und bei Schraubgläsern auf eine intakte Dichtmasse achten – ein Deckel, der einmal Gewürzgurken verschlossen hat, riecht auch nach dem Spülen danach.

Blech

Die Tabakdose aus Blech gehört seit dem 19. Jahrhundert zum Handel; mit dem lithografierten Dekor, das gegen Ende jenes Jahrhunderts aufkam, ist sie längst ein Sammlerobjekt. Für die Lagerung zählt ihr Verschluss: Werksseitig versiegelte Dosen mit Vakuum oder Folie halten den Tabak über Jahre und Jahrzehnte, weil kein Luftaustausch stattfindet. Sobald sie geöffnet sind, wird aus der dichten Dose ein loser Stülpdeckel, der Feuchte innerhalb weniger Wochen entweichen lässt: Ungeöffnete Dosen sind das beste Langzeitlager, geöffnete werden umgefüllt. Und weil Blech rostet, mögen Dosenvorräte keine feuchten Keller.

Zedernkiste und Humidor

Für Zigarren ist spanische Zeder das Maß der Dinge: Das Holz nimmt Feuchte auf und gibt sie träge wieder ab, glättet also Schwankungen; sein Duft harmoniert mit fermentiertem Tabak; und seine Öle sind dem Tabakkäfer zuwider. Die Verkaufskiste ist streng genommen kein Lagergerät – im Humidor oder in einer dichten Dose mit Feuchtepack wird sie aber zum idealen Innenleben, weil die Zeder mitarbeitet. Für losen Tabak taugt Zeder nicht: Ohne eigene Befeuchtung zieht das Holz ihm die Feuchte heraus, und sein Aroma legt sich über feinere Mischungen.

Beutel mit Feuchtepack

Zwei-Wege-Feuchtepacks – kleine Beutel mit einer gesättigten Salzlösung hinter einer dampfdurchlässigen Membran – haben die Lagerung loser Tabake stark vereinfacht. Sie halten in einem geschlossenen Behälter eine feste Zielfeuchte, indem sie Wasser abgeben oder aufnehmen; gängige Stufen sind 58, 62, 65, 69 und 72 Prozent, wobei sich für Feinschnitt und Pfeifentabak 58 bis 65 Prozent bewährt haben, für Zigarren 65 bis 72. Ein wiederverschließbarer Folienbeutel plus Feuchtepack ist damit ein vollwertiges Lager für den laufenden Verbrauch; ein hart gewordenes Pack ist leer und wird ersetzt.

Kunststoff und Leder

Lebensmittelechte Kunststoffdosen sind für den Alltag brauchbar, für Jahre weniger, weil viele Kunststoffe Gerüche annehmen und minimal Wasserdampf durchlassen. Der klassische Tabaksbeutel aus Leder mit Gummifutter ist ein Reisegefäß für ein, zwei Tage. Beide taugen als Tagesration aus dem eigentlichen Vorrat – so bleibt das große Glas geschlossen.

Feinschnitt frisch halten

Feinschnitt ist der empfindlichste Tabak im Haus. Die feinen Fäden haben im Verhältnis zur Masse eine riesige Oberfläche, und moderner Volumentabak ist zusätzlich expandiert, also aufgebläht und noch luftiger – er trocknet in Stunden, nicht in Tagen. Der Originalbeutel ist auf den Verkauf ausgelegt, nicht auf Wochen im Gebrauch; einmal geknickt, schließt er nicht mehr dicht.

Bewährt hat sich eine Zweiteilung: Der Vorrat kommt samt Beutel in ein Glas oder eine dicht schließende Dose mit einem Feuchtepack von 62 Prozent und steht kühl und dunkel; für den Tag wandert eine Portion in eine kleine Dose oder einen Tabakbeutel. So wird das Lager nur alle paar Tage geöffnet, und was in Jackentasche oder Auto Wärme abbekommt, ist ohnehin für den Verbrauch bestimmt.

Ein guter Feinschnitt fühlt sich kühl und leicht klebrig an, lässt sich zu einem Bausch drücken, der sich langsam wieder öffnet, und riecht deutlich nach Tabak. Raschelt er, springt er beim Drücken sofort auseinander oder hinterlässt Staub auf den Fingern, ist er zu trocken; klumpt er und fühlt sich kalt-nass an, zu feucht. Der Feuchtegrad beim Drehen und Stopfen ist Thema einer eigenen Seite dieser Rubrik; die Grundlagen der Tabakform stehen unter Tabakwaren.

Ausgetrockneten Tabak behutsam rehydrieren

Zuerst die ehrliche Nachricht: Feuchte lässt sich zurückbringen, Aroma nur zum Teil. Was mit dem Wasser verdunstet ist, kommt nicht wieder; ein rehydrierter Tabak ist deshalb besser als ein trockener, aber selten so gut wie ein nie ausgetrockneter. Und die Rettung muss langsam geschehen: Wasser, das zu schnell in ein trockenes Blatt fährt, lässt es quellen und reißen, und ein außen nasser, innen trockener Tabak schimmelt eher, als dass er sich erholt.

  1. Umfüllen. Den Tabak locker in ein Glas oder eine Dose geben, die sich dicht schließen lässt; Flakes und Zigarren nicht zerdrücken, nur lose schichten.
  2. Feuchtequelle dazu. Am sichersten ist ein Zwei-Wege-Feuchtepack mit 62 oder 65 Prozent; alternativ ein gewässerter Tonstein oder ein Stück feuchtes Küchenpapier in einem offenen Schnapsglas, so dass nichts Nasses den Tabak berührt.
  3. Schließen und warten. Ein bis drei Tage bei Zimmertemperatur, dunkel. Einmal täglich öffnen, kurz durchmischen, riechen – ein muffiger Ton wäre das Signal, sofort abzubrechen und zu lüften.
  4. Prüfen. Feinschnitt und Pfeifentabak sind fertig, wenn sie sich wieder elastisch anfühlen; Zigarren brauchen Wochen, in kleinen Stufen von trocken nach feucht, sonst platzt das Deckblatt.
  5. Feuchtequelle anpassen. Küchenpapier oder Tonstein herausnehmen, sobald der Zielzustand erreicht ist; ein Feuchtepack darf bleiben, weil es sich selbst regelt.

Was man besser lässt: Apfelschnitze und Orangenschalen sind alte Hausmittel, bringen aber Zucker, Fremdaroma und Schimmelsporen mit; Besprühen macht den Tabak fleckig nass und trocken zugleich; Mikrowelle und Backofen treiben die letzten Aromen aus. Und einen Tabak, der schon Schimmel angesetzt hat, rehydriert man nicht – er ist verloren.

Praxistipp: Ein einzelnes Feuchtepack im Glas ist fast ein Vollautomat: Es rehydriert leicht ausgetrockneten Tabak über zwei, drei Tage, hält ihn danach auf demselben Wert und nimmt sogar überschüssige Feuchte auf, wenn man zu großzügig war. Wer nur eine Regel befolgen will, befolgt diese.

Schimmel und Tabakkäfer erkennen und vermeiden

Schimmel

Schimmel braucht dauerhaft hohe Feuchte, Wärme und stehende Luft. Kritisch wird es, wenn die relative Feuchte über Wochen deutlich über 75 Prozent liegt – etwa weil ein Glas mit nassem Küchenpapier vergessen stand oder eine Kiste im feuchten Keller lag; gesoßte und aromatisierte Tabake mit ihren Zuckern und Sirupen sind anfälliger als naturbelassene. Man erkennt Schimmel an flaumigen, fädigen oder filzigen Flecken in Weiß, Grau, Grün oder Blau, oft in Nestern, und an einem muffigen Kellergeruch, der mit Tabak nichts zu tun hat. Betroffener Tabak wird entsorgt, nicht ausgeschnitten; das Glas heiß spülen, die Feuchtequelle ersetzen, den übrigen Vorrat einige Tage kontrollieren.

Eine Verwechslung ist bei Pfeifentabak häufig: Gereifte Virginia-Flakes bilden mit den Jahren winzige, harte, glitzernde Kristalle auf der Oberfläche – meist als auskristallisierte Zucker gedeutet; ihre genaue Natur ist unter Fachleuten umstritten, als Zeichen guter Reifung gelten sie aber allgemein. Sie sitzen gleichmäßig verteilt, lassen sich nicht wegwischen und riechen nach nichts als Tabak. Schimmel dagegen ist weich, wächst in Flecken und riecht. Im Zweifel hilft die Nase mehr als das Auge.

Tabakkäfer

Der Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) ist ein rötlichbrauner Nagekäfer von zwei bis knapp drei Millimetern Länge, dessen Larven sich durch Blätter, Flakes und ganze Zigarren fressen. Er ist weltweit verbreitet, überlebt in Mitteleuropa aber nur in beheizten Räumen – genau dort setzt die Vorbeugung an. Sein Entwicklungszyklus dauert je nach Temperatur einige Wochen bis wenige Monate; unter etwa 17 Grad stockt die Entwicklung, und Kälte tötet die Tiere in allen Stadien. Kühle Lagerung ist deshalb nicht nur eine Aromafrage, sondern Schädlingsschutz.

Die Zeichen sind eindeutig: kreisrunde Löcher von etwa einem Millimeter Durchmesser im Deckblatt, feiner Bohrstaub am Boden der Kiste, kleine Käfer, die beim Öffnen der Dose auffliegen, bei starkem Befall verklumpte Nester aus Tabakresten. Betroffene Bestände werden gut verpackt für einige Tage ins Gefrierfach gelegt – das tötet Eier, Larven und Käfer –, danach langsam im Kühlschrank aufgetaut, damit kein Kondenswasser entsteht, und schließlich ausgelesen; der Behälter wird gereinigt, Nachbargläser und Kisten werden geprüft. Wer größere Mengen lagert, hängt eine Pheromonfalle in den Schrank; sie zeigt Befall an, lange bevor Löcher sichtbar werden. Zeder hilft vorbeugend, ersetzt aber die Kühle nicht.

Langzeitlagerung und Reifung von Pfeifentabak

Kaum ein Genussmittel belohnt Geduld so zuverlässig wie naturbelassener Pfeifentabak. In der ungeöffneten Dose setzt sich fort, was in der Fabrik begann: Zucker und Säuren des Virginia arbeiten weiter, Kanten schleifen sich ab, die Süße vertieft sich zu Noten von Trockenfrüchten, Heu und Brot. Perique wird runder, Latakia verliert über Jahrzehnte etwas von seiner Rauchigkeit und gewinnt an Weichheit, Burley verändert sich nur wenig. Aromatisierte Mischungen gewinnen selten, weil ihr Topping verfliegt. Wer sammelt, sammelt daher Virginia, Virginia-Perique und englische Mischungen – welche Tabake in diesen Familien stecken, beschreibt die Seite Tabaksorten.

Das Gefäß entscheidet, ob Reifung stattfindet oder bloß Alterung. Eine werksseitig versiegelte Dose ist ideal: kein Luftaustausch, die Feuchte bleibt, wie sie eingefüllt wurde, und die langsamen Reaktionen im Tabak laufen ungestört. Solche Dosen werden nicht geöffnet, auch nicht „zum Nachsehen“. Wer losen Tabak aus großen Gebinden reifen lassen will, füllt ihn in Einmachgläser mit frischem Gummiring, drückt ihn leicht an, lässt einen Fingerbreit Luft und beschriftet Sorte und Datum. Die Feuchte bleibt moderat – ein Tabak, der triefend ins Glas kommt, gärt oder schimmelt, statt zu reifen.

Der Lagerort ist unspektakulär: ein Schrank in einem Raum mit gleichmäßigen 16 bis 20 Grad, dunkel, ohne Fremdgerüche und Wärmequellen. Ein trockener Keller ist gut, ein feuchter schlecht, weil Dosen rosten; ein Dachboden mit Sommerhitze ist der schlechteste Ort im Haus. Nach ein bis zwei Jahren ist bei Virginia ein Unterschied spürbar, nach fünf deutlich. Wer den Vergleich sucht, legt von einer Mischung zwei Dosen zurück und öffnet eine sofort, die andere in fünf Jahren.

Lagerung nach dem Öffnen

Mit dem Öffnen einer Dose oder eines Beutels endet die Reifung und beginnt der Verbrauch. Jetzt gelten andere Regeln: kleine Gefäße, wenig Luft, wenig Öffnen. Pfeifentabak wandert in ein Glas, das zur Menge passt – ein halbvolles Literglas trocknet schneller aus als ein volles kleines, weil bei jedem Öffnen mehr Luft ausgetauscht wird. Flakes bleiben ganz und werden erst beim Stopfen aufgerieben. Feinschnitt behält seinen Beutel und bekommt Glas und Feuchtepack dazu. Zigarren aus einer angebrochenen Kiste bleiben in der Kiste, und die Kiste kommt in den Humidor oder in eine dichte Dose mit Feuchtepack.

Ein Datum auf dem Deckel erspart Rätselraten, und das Älteste wird zuerst geraucht. Aromatisierte und naturbelassene Tabake bleiben getrennt, Latakia-Mischungen ohnehin, denn ihr Rauchton wandert durch jede Ritze. Und die Faustregel für die Menge: Offen liegt nur, was in Wochen aufgebraucht wird; alles andere gehört zurück in den Vorrat – dunkel, kühl, geschlossen und so selten wie möglich angerührt. Die Begriffe rund um Schnitt, Flake und Mischung erklärt das Glossar; für kubanische Zigarren, die in ihrer Empfindlichkeit eine eigene Klasse sind, lohnt ein Blick auf die Praxisseite kubanischezigarren.org.

Quellen

  1. Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Tabakk%C3%A4fer
  2. Zigarre – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarre
  3. Zigarrenkiste – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarrenkiste
  4. Relative Luftfeuchtigkeit – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Relative_Luftfeuchtigkeit
  5. Humidor – Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Humidor

Häufige Fragen

Kann man Tabak im Kühlschrank oder Gefrierschrank aufbewahren?

Der Kühlschrank ist als Dauerlager ungeeignet: Er riecht nach Lebensmitteln, seine Feuchte schwankt mit jeder Tür, und beim Herausnehmen schlägt sich Kondenswasser auf dem kalten Tabak nieder. Der Gefrierschrank ist dagegen das Mittel der Wahl gegen Tabakkäfer – einige Tage bei tiefer Kälte, gut verpackt, danach langsam im Kühlschrank auftauen. Als Vorratslager bleibt der kühle, dunkle Schrank die bessere Wahl.

Wie lange bleibt geöffneter Tabak gut?

Feinschnitt im dichten Behälter mit Feuchtepack einige Wochen, Pfeifentabak im Glas mehrere Monate, Zigarren im Humidor Jahre. Ohne Schutz trocknet loser Tabak in Tagen aus. Entscheidend ist weniger die Zeit als das Klima: konstant, kühl, dunkel und dicht verschlossen.

Woran erkennt man, dass Tabak zu trocken ist – und lässt er sich retten?

Trockener Feinschnitt raschelt, staubt und springt beim Zusammendrücken sofort auseinander; Flakes brechen, Deckblätter reißen beim Anschneiden. Die Feuchte lässt sich in ein bis drei Tagen mit einem Zwei-Wege-Feuchtepack im geschlossenen Glas zurückbringen, Zigarren brauchen Wochen in kleinen Schritten. Verlorene Aromen kommen allerdings nur zum Teil zurück.

Reift Pfeifentabak wirklich in der Dose?

Naturbelassene Tabake – vor allem Virginia, Virginia-Perique und englische Mischungen – verändern sich in der ungeöffneten, dicht versiegelten Dose über Jahre spürbar: Sie werden runder, süßer und weicher. Aromatisierte Mischungen gewinnen kaum, weil ihr Topping verfliegt. Voraussetzung sind ein wirklich dichter Behälter, moderate Feuchte und ein kühler, dunkler Platz.

Welches Feuchtepack passt zu welchem Tabak?

Für Feinschnitt und Pfeifentabak bewähren sich Zwei-Wege-Packs mit 58 bis 65 Prozent, für Zigarren 65 bis 72 Prozent. Ein Pack, das hart geworden ist, hat sein Wasser abgegeben und wird ersetzt. In sehr großen Behältern braucht es zwei oder mehr Packs, damit die Feuchte überall gleich ist.