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Kamerun und Zentralafrika

Unter der Wolkendecke im Osten Kameruns wächst ein Deckblatt mit eigener Handschrift: dünn und seidig, mit feiner Körnung auf der Oberfläche und einer Würze zwischen Pfeffer und leiser Süße. Diese Seite erzählt, wie Sumatra-Saat nach Zentralafrika kam, warum das Blatt Anfang der 1990er-Jahre beinahe verschwunden wäre und was es vom Feld über die Fermentation bis in die fertige Zigarre auszeichnet.

LageOsten Kameruns mit den Bezirken Lom-et-Djérem und Kadey um Bertoua und Batouri; früher auch der Westen der Zentralafrikanischen Republik um Berbérati und Gamboula
Klima und BodenÄquatorial mit zwei Regen- und zwei Trockenzeiten, um 23 °C im Jahresmittel; wellige Hochfläche, um Bertoua im Mittel rund 700 Meter hoch, im Übergang von Regenwald zu Savanne
AnbauDeckblatt aus Sumatra-Saat, in der Sonne gezogen – ohne Schattenzelte, weil eine fast beständige Wolkendecke das Licht streut
MerkmaleDünn, elastisch, mittel- bis dunkelbraun, mit fühlbarer Körnung („tooth“)
AromaprofilWürzig und pfeffrig, mit leiser Süße
Meilensteine1921 Sumatra-Tabak in Nyombé-Penja; Ende der 1950er-Jahre Neubeginn im Osten unter der SEITA; 1993 Rückzug der SEITA; danach Neuaufbau durch die Familie Meerapfel
VerwendungDeckblatt für Premiumzigarren wie Arturo Fuente Don Carlos und Hemingway oder die dominikanische Partagás; früher auch für Maschinenzigarren aus den USA und den Niederlanden

Ein Blatt mit Zahn

Im Zigarrenhandel heißt es schlicht „Cameroon“, und nur wenige Deckblätter lassen sich so leicht ertasten. Wer mit der Fingerkuppe über eine Zigarre mit Kamerun-Deckblatt streicht, spürt eine feine, gleichmäßige Körnung. Kenner nennen sie den „Zahn“, englisch tooth; ein Blatt mit viel davon heißt im Jargon toothy. Dazu kommen ein warmes Mittel- bis Dunkelbraun mit öligem Schimmer und ein Aroma, in dem sich pfeffrige Würze und eine leise Süße verbinden.

Genau genommen ist der Name zu eng. Das Blatt wächst im Osten Kameruns, doch lange kam ein erheblicher Teil aus dem Westen der benachbarten Zentralafrikanischen Republik und wurde unter derselben Bezeichnung gehandelt – treffender wäre „zentralafrikanisches Deckblatt“. Seiner Abstammung nach ist es ein Kind der Sumatra-Saat, die in Indonesien das klassische Deckblatt der europäischen Zigarre hervorbrachte; unter dem Himmel Zentralafrikas hat diese Saat über Jahrzehnte einen eigenen Charakter angenommen. Wie sich die großen Tabaktypen und ihre Herkünfte unterscheiden, zeigt die Seite Tabaksorten.

Erste Versuche: Sumatra-Saat im Regenwald

Die Idee, in Kamerun Zigarrentabak zu ziehen, ist älter als das Deckblatt, das man heute kennt. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand für die damalige deutsche Kolonie eine eigene Tabakbaugesellschaft, die Tabakbau- und Pflanzungsgesellschaft Kamerun. Die Anregung ging auf Gouverneur Theodor Seitz zurück, der als Teilhaber auch zwei Zigarrenfabrikanten aus dem Rhein-Neckar-Raum gewann: Wilhelm Landfried aus Heidelberg und Hermann Wellensiek aus Speyer. Nach der Überlieferung der Familie Meerapfel kam schon damals Sumatra-Saat ins Land. Der Krieg beendete das Vorhaben, und der größte Teil Kameruns ging an Frankreich.

Die Franzosen nahmen den Faden wieder auf. In Nyombé-Penja im Moungo, im Hinterland von Douala, leitete der Agronom Robert Thillard eine Tabakpflanzung und veröffentlichte 1921 in der Zeitschrift L’Agronomie coloniale eine ausführliche Studie über den Anbau von Sumatra-Tabak in Kamerun; 1922 entstand dafür die Compagnie des Tabacs du Cameroun. Für die Felder wurde Regenwald gerodet und abgebrannt, die Asche lieferte dem Boden Kali – eine Praxis, die schon 1921 ein französischer Senator als Verschwendung anprangerte. Der Erfolg blieb aus: Die Tabakernte des Geschäftsjahrs 1927/28 enttäuschte nach Qualität und Verkaufspreis, und das Unternehmen wandte sich Kakao und Ölpalmen zu, später Bananen und Kaffee. Den größeren Rahmen aus Kolonialwirtschaft und staatlichen Tabakmonopolen beschreibt die Seite Geschichte.

Der Neubeginn im Osten

Das Deckblatt, das die Zigarrenwelt heute als Cameroon kennt, entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg – und nicht an der Küste, sondern tief im Landesinneren. Ende der 1950er-Jahre schickte die SEITA, die staatliche französische Tabakregie, ihren Fachmann Jean Masseron nach Kamerun. Er legte Pflanzungen an, entwickelte aus der Sumatra-Saat neue, an das Land angepasste Sorten und lehrte die Bauern Anbau und Aufbereitung. Der Zeitpunkt war günstig: Indonesien, bis dahin der einzige bedeutende Erzeuger dieses Tabaktyps, steckte nach der Verstaatlichung der niederländischen Plantagen in der Krise – eine Lücke, die man laut einem Regionalatlas der französischen Forschungsorganisation ORSTOM von 1969 zu nutzen wusste.

Den Anbau organisierte bald die Société franco-camerounaise de tabac (SFCT), die die Aufgaben der SEITA übernahm. Sie setzte auf Bauern statt auf Großplantagen: Mitte der 1960er-Jahre zogen zehn- bis zwölftausend Pflanzer im Osten Kameruns Deckblatttabak, eng begleitet von Beratern – einer kam auf etwa 45 Pflanzer – und geschult in Kursen an den Zentren der Gesellschaft. Die Ernte wuchs von 1964 bis 1966 von knapp 1.100 auf fast 1.600 Tonnen. Für Savannendörfer, in denen Kaffee und Kakao nicht gedeihen, war der „Cape“, wie das Blatt nach dem französischen tabac de cape bis heute heißt, oft die einzige Bareinnahme neben dem Verkauf von Feldfrüchten. Auch jenseits der Grenze, im Westen der heutigen Zentralafrikanischen Republik, wuchs Deckblatt, und auch diese Ernte lief über die SEITA.

Einschreibung in Paris

Verkauft wurde der zentralafrikanische Tabak in Paris, meist im Lager der SEITA in Nanterre, und zwar schriftlich. Die Käufer erhielten Kataloge mit Mustern, während die Ballen ungesehen in Le Havre lagerten, und boten über Pariser Makler in verschlossenen Umschlägen, mit drei Anläufen je Partie. Zu den Kunden zählten die SEITA selbst, niederländische Hersteller kleiner Maschinenzigarren wie Agio und Henri Wintermans und amerikanische Marken wie Garcia y Vega, für die das Blatt in den 1970er-Jahren zum Rückgrat wurde. Doch das Verfahren hatte Tücken. Die Käufer klagten, die besten Partien blieben in Frankreich und die Preise seien zu hoch; wer Hunderte Ballen im Jahr brauchte, konnte weder Qualität noch Kosten verlässlich planen. Ab den frühen 1980er-Jahren sprangen große Abnehmer ab, und die Ernten wurden kleiner und schlechter.

Krise und Rettung: eine Tabakfamilie aus Baden

Um 1990 stand das Blatt vor dem Aus. Die SEITA verkaufte die Ernte nur noch auf Einladung; die SFCT, seit den 1970er-Jahren mehrheitlich in kamerunischer Hand, ging schließlich in Konkurs, und 1993 zog sich die SEITA ganz aus Zentralafrika zurück – mangels Nachfrage, wie es hieß. Dass es das Cameroon-Deckblatt heute noch gibt, verdankt es vor allem einer Familie mit badischen Wurzeln. Das Tabakgeschäft der Meerapfels begann 1876 in Untergrombach bei Bruchsal und wurde zu einem der wichtigsten deutschen Importeure für Deckblatt aus Sumatra und Java. In der NS-Zeit verlor die jüdische Familie ihren Besitz; nach der Emigration baute sie das Geschäft in den USA neu auf. Heller Meerapfel reiste 1963 zum ersten Mal nach Afrika, und über Jahrzehnte kaufte die Familie zentralafrikanisches Deckblatt bei der SEITA.

Hellers Sohn Rick Meerapfel (1951–2003) hatte schon in den letzten SEITA-Jahren Ernten vorfinanziert. Als die Franzosen gingen, baten ihn die Afrikaner um Hilfe, und er gründete mit zentralafrikanischen Partnern die CETAC, die Compagnie d’Exploitation des Tabacs Centrafricains; die afrikanischen Teilhaber hielten 1998 vierzig Prozent. Fermentationsbetriebe entstanden in Gamboula, Berbérati und Abba, weitere bei Batouri waren im Gespräch. Die Bauern erhielten ausgewählte Saat und Beratung, und Mitarbeiter der CETAC besuchten sie per Geländewagen, Moped oder zu Fuß, manchmal nach stundenlangem Marsch durch den Regenwald. In der Aufbereitung hielt sich Meerapfel an kubanische Methoden, die er in der Vuelta Abajo studiert hatte. Das Blatt, das früher als brüchig galt, nannte er 1997 elastisch, und er zeigte Blätter von gut einem halben Meter Länge. Nach seinem frühen Tod führen seine Söhne Jeremiah und Joshua die Arbeit fort.

Terroir: Hochfläche, Savanne und Wolken

Das Anbaugebiet liegt auf einer welligen Rumpffläche aus präkambrischen Sandsteinen und Schiefern, die um Bertoua im Mittel rund 700 Meter hoch ist und nach Südosten zum Kongobecken hin abfällt. Hier geht der halbimmergrüne Regenwald in eine Grassavanne mit Waldinseln und Galeriewäldern über. Das Klima ist äquatorial, mit zwei Regen- und zwei Trockenzeiten und gleichmäßigen Temperaturen um 23 Grad im Jahresmittel; Batouri erhält rund 1.700 Millimeter Niederschlag, mit einem ersten Maximum im Mai und Juni. Geerntet wurde in den 1960er-Jahren im Juni, der Tabak wuchs also in der ersten Regenzeit heran. Die Savanne bekam ihm dabei besser als der Wald: Die Pflanze braucht Licht, und im Wald hätte man große Flächen roden müssen, weshalb die Erträge dort deutlich niedriger lagen. Was Boden, Klima und Saatgut im Blatt bewirken, vertieft die Seite Die Tabakpflanze.

Entscheidend ist der Himmel. Während viele Spitzendeckblätter, etwa in Kuba und Connecticut, unter Gaze wachsen, die das Sonnenlicht dämpft, steht der Tabak hier in der Sonne – und braucht doch keinen Schirm, weil in der Wachstumszeit eine fast beständige Wolkendecke das Licht streut. Unter gestreutem Licht bildet die Pflanze größere, zartere Blätter mit feineren Adern, weil sie sich weniger gegen pralle Sonne wappnen muss. Die Meerapfels betonen zudem, dass sie ohne Kunstdünger auskommen und ihre Bauern kein Feld zweimal bepflanzen, sondern mit jeder Ernte weiterziehen – ein Wanderfeldbau, der an die langen Brachen im alten Deli erinnert.

GebietLandschaftRolle für das Deckblatt
Batouri (Bezirk Kadey)Übergang von Wald zu SavanneMitte der 1960er-Jahre wichtigstes Zentrum mit gut einem Drittel der Ernte; heute ein Kern des Anbaus
Bertoua (Bezirk Lom-et-Djérem)Savannenklima mit längerer TrockenzeitRegionalhauptstadt; in den 1960er-Jahren Aufbereitung mit 900 bis 1.200 Beschäftigten
Savannen um Lolo und Bétaré-Oyaoffene Grassavannein den 1960er-Jahren zweit- und drittwichtigste Zone; höhere Hektarerträge als im Wald
Waldgebiete um Mindourou und Gribidichter RegenwaldAnbau möglich, aber nur mit großen Rodungen und bei geringeren Erträgen
Westen der Zentralafrikanischen Republik (Berbérati, Gamboula, Abba)Wald und Savanne jenseits der Grenzeunter der SEITA und in den 1990er-Jahren wichtiges Anbau- und Fermentationsgebiet

Vom Feld zum Ballen

Der Anbau liegt fast ganz in den Händen von Kleinbauern. 2013 arbeiteten die Meerapfels mit rund dreitausend Bauernfamilien, deren Felder meist höchstens einen halben Hektar groß sind; gepflanzt, gepflegt und geerntet wird von Hand, und schon Ende der 1990er-Jahre fiel Besuchern auf, dass diese Arbeit fast ausschließlich Frauen verrichteten. Die Aufkäufer stellen Saatgut, Betriebsmittel und Beratung und erhalten dafür die Ernte. Nach einem Besuch in den Betrieben der CETAC beschrieb Cigar Aficionado den Weg des Blatts 1998 so:

  1. Saat: Die Bauern arbeiten mit ausgewählter Saat. 2013 gab die Familie Meerapfel an, das Saatgut jedes Jahr von den widerstandsfähigsten Pflanzen zu gewinnen, sodass sich die Linie weiter an Boden und Klima anpasst.
  2. Ernte: Die Blätter werden einzeln und in mehreren Durchgängen gepflückt, von den unteren Blattstufen nach oben. Die Stufe bestimmt später Größe, Textur und Gehalt.
  3. Trocknung: Die Bauern trocknen den Tabak selbst, in luftigen Scheunen aus Bambusstangen und Blättern.
  4. Sammeln: An zentralen Wiegestationen wird die getrocknete Ware übernommen und mit Lastwagen zu den Fermentationsbetrieben gebracht.
  5. Vorsortieren: Dort trennt man die Blätter nach Größe, Textur und Gehalt, damit Gleiches mit Gleichem fermentiert.
  6. Fermentieren: In mannshohen Stapeln erwärmt sich der Tabak durch die eigene Gärung, die Stapel werden zur rechten Zeit umgesetzt. Je nach Textur und Stärke folgen mehrere Fermentationen aufeinander.
  7. Sortieren und Packen: Anschließend wird erneut, vor allem nach Größe, sortiert; die Blätter kommen in Ballen von knapp 80 Kilogramm, in Jute geschlagen.
  8. Versand und Reifen: Im Lauf des Jahres gehen die Ballen in die Niederlande und von dort an die Kunden; heute steuert die Familie Meerapfel den Handel von ihrem Sitz in Brüssel aus. Bei den Manufakturen ruht das Blatt oft noch Jahre, bevor es gerollt wird.

Die Besonderheit der Fermentation liegt im Blatt selbst. Weil es so dünn ist, verlangt es eine behutsame Hand; in der Branche gilt es als wenig geeignet für die lange, heiße Gärung, die ein Maduro-Deckblatt braucht, und Cameroon-Maduros sind entsprechend selten. Stattdessen setzt man auf Zeit: Nach Angaben der Familie Meerapfel stammten 2013 viele Deckblätter der Arturo-Fuente-Linie Don Carlos noch aus der Ernte 1984. Wie Trocknung, Fermentation und Reifung grundsätzlich ablaufen, erklärt die Seite Verarbeitung.

Das gezähnte Blatt

Ein gutes Cameroon-Deckblatt ist dünn und fein, dabei elastisch, von mittlerem bis dunklem Braun, mit öligem Schimmer und offener Maserung. Der Zahn zeigt sich als Feld winziger Erhebungen, die in der Zigarrenwelt als kleine Ölnester im Blatt gelten; man sieht sie im Streiflicht und spürt sie unter den Fingern. Sie sind kein Makel, sondern das Erkennungszeichen dieser Herkunft. Die Feinheit hat allerdings ihren Preis: Das Blatt reißt leicht und verlangt von den Rollern viel Fingerspitzengefühl. Lange galten die Blätter außerdem als zu klein für große Formate – ein Einwand, den die Ernten seit den 1990er-Jahren entkräftet haben. 1998 schrieb Cigar Aficionado, unter Tabakleuten gelte das zentralafrikanische Blatt als das beste dunkelbraune Deckblatt außerhalb Kubas; gemeint war jenes satte Braun, das die Kubaner Colorado nennen und zu dem der Markt damals tendierte.

Aroma: Pfeffer, Gewürz und leise Süße

Im Rauch zeigt sich, warum Blender das Blatt schätzen. Die Beschreibungen kreisen um zwei Pole: eine pfeffrige Würze, die an Lippen und Gaumen prickelt, und darunter eine leise, runde Süße. Jeremiah Meerapfel spricht von leicht süßen Aromen und vergleicht schon die Farbe mit bester Schokolade. Besonders deutlich tritt dieser Charakter bei den Perfectos der Hemingway-Reihe von Arturo Fuente hervor, deren hauchdünnes, gezähntes Deckblatt gleich die ersten Züge bestimmt. Weil das Deckblatt als Erstes die Lippen berührt und außen verbrennt, prägt es den Eindruck stärker, als sein geringer Gewichtsanteil vermuten ließe. Joshua Meerapfel meint sogar, bei einer Premiumzigarre solle das Deckblatt 60 bis 70 Prozent der Aromen beisteuern – die Sicht eines Deckblatterzeugers, aber eine, die zeigt, welches Gewicht man dem Blatt beimisst.

Praxistipp: Das dünne Deckblatt belohnt eine ruhige Hand. Man schneidet mit scharfer Klinge zügig und knapp oberhalb der Linie, an der die Kappe ansetzt, damit nichts einreißt – mehr dazu unter Zigarre anschneiden und anzünden. Im Humidor bekommt dem Blatt eine gleichmäßige Feuchte besser als jedes Auf und Ab, denn trocken wird es schnell spröde; wie man das Klima einstellt, beschreibt Humidor einrichten. Seinen Charakter erschließt ein direkter Vergleich: eine Zigarre mit Cameroon-Deckblatt und eine ähnlich aufgebaute mit hellem Connecticut- oder Ecuador-Deckblatt, dazwischen ein Glas Wasser.

In der Zigarre: von Garcia y Vega bis Don Carlos

Das Blatt aus Zentralafrika dient fast ausschließlich als Deckblatt. In den 1960er- und 1970er-Jahren kleidete es vor allem Maschinenzigarren aus den USA und kleine Zigarren niederländischer Hersteller; mit dem Aufschwung der handgerollten Premiumzigarre verschob sich seine Rolle. Ende der 1990er-Jahre verwendeten nach Angaben von Cigar Aficionado nur drei Häuser afrikanisches Deckblatt für handgerollte Zigarren: Arturo Fuente, General Cigar und León Jimenes, das Haus hinter La Aurora. Als die Lieferungen stockten, wichen andere aus; die nichtkubanische H. Upmann etwa wechselte zu indonesischem Deckblatt.

Heute ist das Cameroon-Deckblatt vor allem mit Linien aus der Dominikanischen Republik verbunden. Arturo Fuente kleidet die Don Carlos und die Hemingway-Reihe darin, deren Perfectos mit ihren an beiden Enden verjüngten Formen ein geschmeidiges Deckblatt verlangen. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die dominikanische Partagás von General Cigar. Die Meerapfels schätzten den Anteil ihrer Cameroon-Tabake am Premiumsegment 2013 auf etwa drei Prozent – eine Nische, die ihre Liebhaber hat. Den Aufbau einer Zigarre aus Einlage, Umblatt und Deckblatt erklärt die Seite Tabakprodukte; die kubanischen Zigarren, mit denen der Vergleich von 1998 gezogen wurde, porträtiert kubanische-zigarren.org.

Anbau heute

Das Herz des Anbaus liegt heute im Osten Kameruns, in den Bezirken Lom-et-Djérem und Kadey um Bertoua und Batouri. In der Zentralafrikanischen Republik, wo die CETAC einst ihre Fermentationsbetriebe unterhielt, hat der Tabakbau unter den politischen Krisen der vergangenen Jahrzehnte schwer gelitten. In Kamerun hat das Unternehmen der Familie Meerapfel im Deckblattgeschäft inzwischen auch einheimische Konkurrenz. Auf der Abnehmerseite ist Arturo Fuente bis heute einer der bekanntesten Verwender des Blatts.

Leicht ist der Anbau nicht. Die Anbaugebiete sind abgelegen, Strom fehlt vielerorts, Bewässerung ebenso, sodass lange Trockenphasen eine Ernte gefährden. Wird irgendwo eine neue Goldader oder Diamantenfundstelle gemeldet, ziehen Arbeitskräfte weiter, und Streit entsteht, wenn Bauern ihre vorfinanzierte Ernte an einen Konkurrenten verkaufen; solche Fälle landen mitunter vor Gericht. Und doch hält sich das Blatt, weil es etwas bietet, das sich andernorts nur schwer wiederholen lässt: Sumatra-Saat, über viele Pflanzengenerationen an einen Himmel voller Wolken gewöhnt. Wie andere Terroirs ihre Tabake prägen, zeigt die Übersicht der Anbauregionen; Fachbegriffe vom Deckblatt bis zur Fermentation erklärt das Glossar.

Quellen

  1. James Suckling: C’est l’Afrique – Cameroon Wrapper Leaf. Cigar Aficionado, Januar/Februar 1998 – https://www.cigaraficionado.com/article/cest-lafrique-cameroon-wrapper-leaf-7446
  2. H. Barral, A. Franqueville: Atlas régional Sud-Est. Commentaire des cartes (mit dem Abschnitt „Le tabac de cape“). ORSTOM, Yaoundé 1969 – Volltext im IRD-Archiv Horizon – https://horizon.documentation.ird.fr/exl-doc/pleins_textes/divers15-02/02539.pdf
  3. Gabriela Greess: Meerapfel Tobacco Group – Excellent Wrappers from Cameroon. Cigar Journal, Sommerausgabe 2013 – https://www.cigarjournal.com/meerapfel-tobacco-group-excellent-wrappers-from-cameroon/
  4. Compagnie des Tabacs du Cameroun (Nyombé-Penja) – Dossier mit Presseberichten ab 1921, Entreprises coloniales françaises – https://www.entreprises-coloniales.fr/afrique-equatoriale/Tabacs_du_Cameroun.pdf
  5. Ferdinand Scipio und Wilhelm Scipio – Mannheimer Kolonialunternehmer (zur Tabakbau- und Pflanzungsgesellschaft Kamerun), Rhein-Neckar-Industriekultur e. V. – https://www.rhein-neckar-industriekultur.de/sites/default/files/_dateien/bilder/bilder_berichte/210727_Ferdinand_und_Wilhelm_Scipio.pdf

Häufige Fragen

Stammt jedes Cameroon-Deckblatt aus Kamerun?

Der größte Teil ja, doch der Handelsname steht eher für eine Region als für ein Land. Tabak aus dem Westen der Zentralafrikanischen Republik wurde lange unter derselben Bezeichnung verkauft, weshalb Fachleute auch von zentralafrikanischem Deckblatt sprechen. Heute kommt das Blatt vor allem aus dem Osten Kameruns um Bertoua und Batouri; seiner Abstammung nach geht es auf Sumatra-Saat zurück. Daneben wird Kamerun-Saat inzwischen vereinzelt auch außerhalb Afrikas gezogen, etwa in Honduras; solche Deckblätter tragen dann einen Herkunftszusatz.

Was bedeutet „toothy“ bei einem Deckblatt?

Der englische Jargonbegriff beschreibt ein Deckblatt mit „Zahn“: winzigen Erhebungen auf der Oberfläche, die als kleine Ölnester im Blatt gelten. Man sieht sie im Streiflicht als feine Körnung und spürt sie mit den Fingerspitzen. Beim Cameroon-Deckblatt ist dieser Zahn ein Erkennungszeichen, kein Makel.

Wie schmeckt eine Zigarre mit Cameroon-Deckblatt?

Typisch ist eine pfeffrige Würze mit einer leisen Süße darunter. Wie deutlich diese Noten hervortreten, hängt von Einlage und Umblatt ab: Bei kräftigen Einlagen setzt das Deckblatt würzige Akzente, bei milderen kann es das ganze Profil prägen.

Warum ist Cameroon-Deckblatt so selten?

Es wächst in einem begrenzten Gebiet, fast nur bei Kleinbauern mit kleinen Feldern, abseits der Häfen und oft ohne Strom und Bewässerung. Das dünne Blatt ist empfindlich und anspruchsvoll beim Rollen, und politische Krisen haben den Anbau in der Zentralafrikanischen Republik schwer getroffen. Nach dem Rückzug der französischen SEITA 1993 wäre es beinahe ganz verschwunden.

Gibt es Cameroon-Deckblatt auch als Maduro?

Nur selten. Das dünne Blatt gilt als wenig geeignet für die lange, heiße Fermentation, die ein Maduro-Deckblatt braucht. Die meisten Cameroon-Deckblätter bewegen sich daher in einem satten Mittel- bis Dunkelbraun, dem Bereich, den man Colorado nennt.