Anbauregionen › Ecuador: Deckblatt unter Wolken

Ecuador: Deckblatt unter Wolken

Von Juni bis November liegt über dem Tiefland um Quevedo ein grauer Himmel – und genau der macht Ecuador zum Deckblattgarten der Premiumzigarre. Unter der natürlichen Wolkendecke wachsen dünne, seidige Blätter aus Connecticut-, Sumatra- und kubanischer Saat, ganz ohne Schattentuch. Diese Seite erzählt, wie das Land seit den 1960er-Jahren zu einem der wichtigsten, nach verbreiteter Einschätzung zum größten Deckblattlieferanten der Branche wurde, was die drei großen Typen unterscheidet und welchen Weg ein Blatt vom Feld bis in die fertige Zigarre nimmt.

LageKüstentiefland westlich der Anden: Quevedo (Provinz Los Ríos), El Empalme (Guayas), La Maná (Cotopaxi) und das Andenvorland in Guayas
KlimaTropisch um 24–25 °C; Regenzeit Januar bis April, bedeckte Trockenzeit Juni bis November; rund 76 Sonnenstunden im Monat (Station Pichilingue)
BodenLockere, fruchtbare Böden aus junger Vulkanasche mit hoher Wasserspeicherung
DeckblatttypenEcuador Connecticut (hell, mild), Ecuador Sumatra (mittel- bis dunkelbraun, würzig), Ecuador Habano (kubanische Saat, ölig, kräftig)
AnbausaisonAnzucht April/Mai, Auspflanzen im Juni, Ernte etwa August bis Dezember, Trocknung 35–45 Tage in Scheunen
Meilensteine1960er-Jahre erste Deckblattfelder; 1979 erste Farm der Familie Oliva; 1991 erste Farm von A.S.P. mit Connecticut-Saat; Ende der 1990er-Jahre erste Parzellen Habana 2000, ab 2001 regulärer Anbau
VerwendungDeck- und Umblatt für Premiumzigarren aus der Dominikanischen Republik, Nicaragua und Honduras; Einlagetabak spielt kaum eine Rolle

Ein Land für das Deckblatt

Wer die Beschreibungen handgerollter Zigarren liest, begegnet einem Land auffallend oft: Ecuador. „Ecuador Connecticut“, „Ecuador Sumatra“, „Ecuador Habano“ – drei Saatlinien mit derselben Heimat, dem feuchtwarmen Tiefland zwischen Pazifik und Andenfuß rund um Quevedo in der Provinz Los Ríos und im angrenzenden Norden von Guayas. Ecuador ist kein Land der fertigen Zigarre, sondern ein Spezialist für ihre äußere Hülle. Einlagetabak spielt kaum eine Rolle; die Ernte liefert Deckblatt und, aus weniger makellosen Blättern, Umblatt – nach Angaben der Pflanzerfamilie Oliva zusammen 80 bis 90 Prozent der Ernte.

Den Grund verrät ein Blick nach oben. Wo man in der Vuelta Abajo und im Connecticut-Tal Gaze über die Felder spannt, übernimmt in Ecuador der Himmel diese Aufgabe: Während der Wachstumszeit liegt über dem Tiefland eine fast geschlossene Wolkendecke. Im gestreuten Licht wachsen großflächige, hauchdünne und dehnbare Blätter mit zarter Aderung, die sich glatt um die Zigarre legen. Die Rollen von Deckblatt, Umblatt und Einlage stellt die Seite Tabaksorten vor.

Klima: Wolkendecke statt Gaze

Das Küstentiefland kennt zwei Jahreszeiten. Von Januar bis April bringen warme Meeresströmungen aus dem Norden feuchte Luft und heftige Regenfälle; in diesen Monaten fällt der größte Teil der knapp 2.200 Millimeter, die die Versuchsstation Pichilingue bei Quevedo im Jahresmittel verzeichnet. Von Juni bis November regnet es dagegen kaum. Dann bestimmt der kalte Humboldtstrom vor der Küste das Wetter: Er kühlt die Meeresluft ab, dämpft die Verdunstung und sorgt für einen meist bedeckten Himmel. Die Temperatur bleibt bemerkenswert gleichmäßig bei 24 bis 25 Grad im Jahresmittel.

Wie grau dieser Himmel ist, zeigen die Messungen der Station, die das staatliche Agrarforschungsinstitut INIAP fünf Kilometer außerhalb von Quevedo an der Straße nach El Empalme betreibt. Dort scheint die Sonne im Mittel nur rund 76 Stunden im Monat, aufs Jahr gerechnet gut 900 Stunden – deutlich weniger als in Deutschland. Die relative Luftfeuchte liegt im Durchschnitt bei 84 Prozent.

Für den Tabak ist diese Mischung ideal. Die Setzlinge kommen im Juni ins Feld und wachsen in den trockenen, bedeckten Monaten heran; Wasser erhalten sie über Bewässerung statt aus Wolkenbrüchen, die zarte Blätter zerschlagen könnten. Die Wolken wirken wie ein Filter über der ganzen Landschaft: Die Pflanze muss sich nicht gegen pralle Sonne schützen und bildet dünnere, feiner geäderte Blätter mit seidigem Glanz. Mehr über Anbaujahr, Blattetagen und Terroir bietet die Seite Die Tabakpflanze.

Wie kräftig dieser natürliche Schatten wirkt, zeigte sich auf der ersten Farm der Olivas: Der Vorbesitzer hatte dort Sumatra unter Tuch versucht, und die Blätter wurden viel zu dünn. Die Olivas bauten fortan ohne Tuch an; seither heißt ihr Deckblatt im Handel „Sun Grown“ – obwohl es die Sonne meist nur durch einen Wolkenschleier sieht.

Boden: Asche aus den Anden

Der zweite Teil des Terroirs liegt unter den Füßen. Die Böden um Quevedo sind aus junger Vulkanasche der Anden hervorgegangen; das INIAP beschreibt sie als fruchtbar und mit hoher Wasserspeicherung. Besucher vergleichen die lockere, pudrige Erde mit feinem Kakaopulver. Farmen in Flussniederungen stehen in der Regenzeit teils unter Wasser; wenn die Flut abläuft, bleibt nährstoffreicher Schlamm zurück.

Dass der Vulkanismus keine ferne Geschichte ist, zeigte sich um die Jahrtausendwende: Als der Guagua Pichincha bei Quito und der Tungurahua zur selben Zeit Asche ausstießen, fanden Pflanzer im Andenvorland graue Flocken auf ihren Tabakblättern. Manche schreiben dem vulkanischen Boden eine würzige Note im Blatt zu – messen lässt sich das schwer, aber es passt zu einem Tabak, der so deutlich nach seiner Herkunft schmeckt.

Quevedo und Umgebung: die Anbauzonen

Das Zentrum des Deckblattanbaus ist Quevedo, eine lebhafte Agrarstadt im Norden der Provinz Los Ríos, knapp 75 Meter über dem Meer. Zahlreiche Flüsse durchziehen die Ebene und speisen den Guayas. Seit Generationen wachsen hier Bananen, Kakao und Kaffee; der Tabak kam erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinzu und belegt eine kleine, hoch spezialisierte Fläche: Die beiden großen Pflanzer, die Familie Oliva und das Unternehmen A.S.P., bewirtschafteten um 2000 zusammen rund 500 Hektar.

ZoneLageCharakterRolle im Deckblattanbau
Quevedo (Los Ríos)Tiefland, 75 bis 120 Meter hochBöden aus junger Vulkanasche, Kerngebiet des AnbausFarmen der Familie Oliva am Stadtrand, Pionierbetriebe der 1960er-Jahre, Versuchsstation Pichilingue
El Empalme (Guayas)westlich von Quevedo, am Straßenknoten Richtung KüsteTiefland mit ähnlichem Klimaum 2000 Farmen der Olivas für Sumatra- und kubanische Saat, heute auch ecuadorianische Exporteure
La Maná (Cotopaxi)östlich von Quevedo, am Fuß der AndenÜbergang vom Tiefland ins Berglandgroße Farm von A.S.P. mit Connecticut-Saat; auf den Brachen weiden Rinder
Andenvorland in Guayasmehr als 160 Kilometer südlich von QuevedoFuß der Anden, teils früheres WeidelandLa Meca, erste Farm der Olivas (1979); La Lydia, seit 2013 bepflanzt

Anbau, Trocknung und erste Fermentation liegen zu einem großen Teil bei wenigen Unternehmen mit eigenen Farmen, Scheunen und Hallen. Daneben arbeiten ecuadorianische Pflanzer und Exporteure, die Blatt an Manufakturen in der Dominikanischen Republik liefern.

Geschichte: vom Embargo zum Deckblattgarten

Tabak für Premiumzigarren wächst in Ecuador seit den 1960er-Jahren. Nach der kubanischen Revolution und dem Handelsembargo der USA suchte die Zigarrenindustrie in aller Welt nach Ersatz für kubanisches Deckblatt. Tabakleute, die Kuba verlassen hatten, hielten Los Ríos für ideal und überredeten Grundbesitzer, neben Bananen, Kakao und Kaffee auch Tabak zu pflanzen. Als Pioniere werden der Pflanzer Guillermo de la Portilla und der Landbesitzer José Aray genannt, der auf seiner Hacienda Paulina Flächen bereitstellte. Überliefert ist, dass Aray 1967 eine Kreuzung aus Sumatra-Saat und einer im Land „Cubano“ genannten Linie gelang – der Ursprung des heutigen Ecuador Sumatra.

In den 1970er-Jahren war in den USA grünes Candela-Deckblatt gefragt, das durch rasches Trocknen unter starker Hitze seine Farbe behält; auch Ecuador lieferte es. Ende des Jahrzehnts kam die Familie Oliva, deren Rohtabakunternehmen der aus Pinar del Río stammende Ángel Oliva 1934 in Tampa gegründet hatte. Die sandinistische Revolution von 1979 kostete sie ihre Felder in Nicaragua; im selben Jahr erwarb sie von der American Tobacco Company ihre erste Farm in Ecuador, am Fuß der Anden, und benannte sie nach Ángels Frau La Meca. Für den Hersteller Villazón, der die honduranischen Punch und Hoyo de Monterrey rollte, erprobte man verschiedene Saaten; dessen Chef Frank Llaneza entschied sich für Sumatra, das zur Spezialität der Olivas wurde.

Anfang der 1990er-Jahre folgte die zweite prägende Familie. Die Pérez hatten bis 1960 bei San Antonio de los Baños nahe Havanna Tabak angebaut, danach im Connecticut-Tal für Cullman Brothers, später Teil von General Cigar, den Deckblattanbau Neuenglands kennengelernt und ab 1971 in Nicaragua gepflanzt. 1991 kaufte ihr Unternehmen A.S.P. aus Miami eine Farm in Ecuador für Connecticut-Saat – und wurde zum größten Tabakpflanzer des Landes.

Der Zigarrenboom der 1990er-Jahre ließ die Nachfrage steigen, doch ein starkes El-Niño-Ereignis brachte gegen Ende des Jahrzehnts monatelangen Regen, fleckige Blätter und geringere Erträge. Im neuen Jahrtausend wurde Ecuador Connecticut zum Standard vieler milder Zigarren, weil es bei ähnlichem Charakter günstiger und reichlicher zu haben war als Blatt aus Connecticut.

Parallel dazu wagten die Olivas etwas Neues: Habana 2000, eine in Kuba gezüchtete, widerstandsfähige Sorte mit Corojo-Erbe. Erste kleine Parzellen standen schon Ende der 1990er-Jahre bei El Empalme, bestimmt für die Bahia Millennium, eine Zigarre aus Costa Rica; 2001 begannen die Olivas den regulären Anbau auf zunächst rund zehn Hektar. Die Blätter dieser ersten regulären Ernte ließ man mehr als ein Jahr reifen, bevor sie an die Familie Fuente gingen; im Jahr darauf verdreifachte man die Fläche. 2013 kamen mit La Lydia rund 130 Hektar einer bis dahin ungenutzten Rinderweide in Guayas hinzu, samt vier Stahlscheunen von je über 125 Meter Länge; ein Jahr später stellte kubanische Saat bereits den größten Teil der Oliva-Ernte. Wie sich der Tabakmarkt insgesamt wandelte, erzählt die Seite Geschichte.

Drei Deckblätter unter einem Himmel

Ecuador Connecticut

Die hellste Spielart wächst aus Connecticut-Saat, die A.S.P. seit Anfang der 1990er-Jahre mit eigenen Kreuzungen weiterentwickelt. Die Pflanzen werden hoch – ein Bericht von 2000 spricht von gut drei Metern – und in bis zu sechs Durchgängen Blatt für Blatt abgeerntet. Das Deckblatt ist hell- bis goldbraun, dünn und seidig, mit auffallendem Ölglanz, gleichmäßigem Brand und heller Asche. Verglichen mit Blatt aus Neuengland gilt es als neutraler und braucht weniger Fermentation, während jenes anfangs herber schmeckt und länger reifen muss. Die klassischen Davidoff-Linien mit weißer Bauchbinde, etwa Signature und Grand Cru, tragen dieses Deckblatt.

Ecuador Sumatra

Mit diesem Blatt wurde Ecuador bekannt. Es geht auf Sumatra-Saat zurück, die sich über Jahrzehnte an Boden und Wolken gewöhnt hat, und wächst ohne Tuch an knapp zwei Meter hohen Pflanzen. Das Deckblatt ist mittel- bis dunkelbraun und etwas kräftiger als das helle Connecticut. Die 1999 eingeführte Ashton Virgin Sun Grown erhielt ihr Sumatra-Deckblatt anfangs von den Olivas; die Familie Fuente fermentiert es lange, bis es dunkel glänzt. Nach dem Erfolg dieser Zigarre, erinnert sich John Oliva Jr., wollten plötzlich viele Hersteller Sumatra-Deckblatt. Die Rocky Patel Vintage 1992 verwendet Ecuador Sumatra, das rund zehn Jahre gereift ist.

Ecuador Habano

Das jüngste der drei hat die steilste Karriere gemacht. Ecuador Habano, im Englischen oft „Ecuador Havana“, wächst aus kubanischen Sorten, vor allem Habana 2000 und in kleinerem Umfang Corojo 99 mit kleineren Blättern und geringerem Ertrag. Die ersten Pflanzungen gingen auf Saat direkt aus Kuba zurück; seither ziehen die Olivas ihr Saatgut aus der eigenen Ernte nach, nach eigener Aussage ohne Qualitätsverlust. Das Blatt ist dunkler, dicker und öliger als die beiden anderen, mit gleichmäßiger Farbe und gutem Brand. Man findet es etwa auf der Arturo Fuente Rosado Sungrown Magnum R, der Romeo by Romeo y Julieta und der Herrera Estelí von Drew Estate.

DeckblattSaatlinieBlatt und FarbeTypische AromenBeispiele
Ecuador ConnecticutConnecticut-Saat, teils eigene Kreuzungenhell- bis goldbraun, sehr dünn, seidig, ölig glänzendmild, cremig, nussig, leicht holzigDavidoff Signature, Davidoff Grand Cru
Ecuador SumatraSumatra-Saat, im Land angepasstmittel- bis dunkelbraun, etwas kräftigerwürzig, erdig, Zedernholz, leise SüßeAshton Virgin Sun Grown, Rocky Patel Vintage 1992
Ecuador Habanokubanische Sorten wie Habana 2000 und Corojo 99rötlich- bis dunkelbraun, dicker, sehr öligvoll, pfeffrig-würzig, mit SüßeArturo Fuente Rosado Sungrown, Romeo by Romeo y Julieta, Herrera Estelí

Anbau und Ernte: das Deckblattjahr

Der Kalender folgt den Wolken: Gepflanzt wird, wenn der Regen endet, geerntet, solange der Himmel grau bleibt. Vom Setzling bis zum letzten Blatt ist alles Handarbeit, und ein Deckblattfeld braucht viele Hände. Ein typisches Deckblattjahr verläuft so:

  1. Anzucht (April/Mai): Die staubfeinen Samen keimen in Saatbeeten oder Anzuchtschalen im Gewächshaus.
  2. Auspflanzen (Juni): Die Setzlinge kommen ins Feld, sobald die Regenzeit vorüber ist, und werden gezielt bewässert.
  3. Feldhygiene: Vor den Erntetrupps gehen Arbeiterinnen durch die Reihen und ziehen jede Pflanze heraus, die auch nur ein krankes Blatt zeigt. Tomaten und Paprika sind rund um die Felder tabu, weil sie der Weißen Fliege Unterschlupf bieten.
  4. Ernte (etwa August bis Dezember): Rund 55 Tage nach dem Auspflanzen brechen Arbeiter die untersten Blätter aus, im Land „corta bajo“ genannt, und verwerfen sie, damit die oberen mehr Nährstoffe bekommen; danach wird Etage für Etage nach oben geerntet. Bei Sonne sollten die Blätter nach Erfahrung der Pflanzer binnen etwa zweieinhalb Stunden in der Scheune hängen.
  5. Trocknung (35 bis 45 Tage): Auf Stangen gefädelt hängen die Blätter in hohen Scheunen, bis das Grün einem gleichmäßigen Braun gewichen ist; manche Scheunen regeln die Feuchte mit Gasbrennern oder glimmenden Holzkohlegruben. Geprüft wird mit der Nase: Riecht es süß, ist alles gut, riecht es nach verschwitztem Hemd, ist die Luft zu feucht.
  6. Verpacken: Die getrockneten Blätter kommen, nach Sorte und Erntedatum beschriftet, in Kartons von rund 45 Kilogramm und gehen in die Fermentation.

Fermentation, Sortierung und Reife

Nach der Trocknung beginnt die Verwandlung zum Deckblatt. Die Olivas lassen den Tabak zunächst in einer beheizten Halle leicht schwitzen, damit sich die Farben angleichen; die zweite, längere Fermentation folgt in ihrem Betrieb im nicaraguanischen Estelí, wo Blätter der oberen Etagen unter Umständen ein ganzes Jahr arbeiten. Bei A.S.P. setzte man Ende der 1990er-Jahre den Tabak zu großen Stapeln, die über 60 bis 120 Tage bis zu achtmal umgeschichtet wurden, damit jede Lage einmal in den warmen Kern gelangt.

Dann folgt die Auslese, die über den Wert entscheidet. In den Sortierhallen wird jedes Blatt nach Textur, gleichmäßiger Farbe, Sichtbarkeit der Adern und Geschmeidigkeit beurteilt. Wie ein Blatt im Feld aussieht, sagt dabei wenig; viele Makel zeigen sich erst, wenn es aus der Scheune kommt. Bei den Olivas gibt es fünf Deckblattklassen, von der makellosen ersten bis zur fünften; was darunter liegt, wird als Umblatt verkauft. Bei den Zigarrenmachern lagert das sortierte Deckblatt danach häufig weiter, bis es reif für den Rolltisch ist. Die Grundlagen von Trocknung, Fermentation und Sortierung beschreibt die Seite Verarbeitung.

Aromaprofile: was die drei Blätter mitbringen

Das Deckblatt macht nur einen kleinen Teil vom Gewicht einer Zigarre aus, prägt aber den ersten Eindruck: Es liegt auf den Lippen, verbrennt außen und gibt dem Rauch seine Oberfläche. Die drei Typen aus Ecuador spannen dabei einen weiten Bogen.

Einlage und Umblatt reden dabei stets mit. Was das Deckblatt beiträgt, zeigt am klarsten ein Paar Zigarren mit ähnlicher Einlage und unterschiedlicher Hülle. Passende Getränke zu hellen und dunklen Deckblättern nennt die Seite Tabak und Getränke.

Praxistipp: Bei Deckblattangaben nennt das erste Wort meist das Anbauland, das zweite die Saatlinie: „Ecuador Connecticut“ ist Connecticut-Saat aus Ecuador, „Ecuador Sumatra“ kein Tabak aus Indonesien. „Sun Grown“ heißt hier nur, dass kein Tuch über dem Feld hing. Die dünnen hellen Connecticut-Deckblätter verzeihen Schwankungen der Luftfeuchte wenig; ein gleichmäßig geführter Humidor hält sie geschmeidig.

Bedeutung heute: der Deckblattgarten der Premiumzigarre

Ecuador gilt heute als größter Lieferant von Deckblättern für die handgerollte Premiumzigarre. Verlässliche Marktanteile sind öffentlich kaum zu finden, doch die Indizien sind deutlich: A.S.P., schon um 2000 der größte Tabakpflanzer des Landes, und die Familie Oliva beliefern zusammen einen Großteil der Branche, Ecuador Connecticut kleidet viele bekannte milde Zigarren, und Ecuador Habano ist binnen gut eines Jahrzehnts zu einem der meistgefragten Deckblätter aufgestiegen. Die Blätter reisen zu Manufakturen in der Dominikanischen Republik, in Nicaragua und in Honduras, deren Länder dann auf der Kiste stehen.

Im Land selbst wird davon wenig geraucht; es gibt einzelne kleine einheimische Zigarrenmacher, doch der Stolz des Tieflands ist das Blatt, das um Quevedo viele Hände beschäftigt, vom Feld bis in die Sortierhalle. Verwundbar bleibt das System trotzdem: Ein Jahr mit Dauerregen kann eine ganze Ernte treffen.

Und doch ist die Lage unverwechselbar: ein Tiefland mit Böden aus Vulkanasche, über das der kalte Ozean ein halbes Jahr lang einen grauen Schirm spannt, bestellt von Familien, die ihr Handwerk aus Kuba und Connecticut mitgebracht haben. Wie Zigarren aus der Heimat der Habano-Saat schmecken, zeigt kubanische-zigarren.org; die übrigen Tabaklandschaften der Welt stellt die Seite Anbauregionen vor, Fachbegriffe wie Priming oder Schattentabak erklärt das Glossar.

Quellen

  1. David Savona: Ecuador: Land of Fire. Cigar Aficionado, März/April 2000 – https://www.cigaraficionado.com/article/ecuador-land-of-fire-7260
  2. Gregory Mottola: Ecuador’s Hot Wrapper. Cigar Aficionado, Januar/Februar 2014 – https://www.cigaraficionado.com/article/ecuadors-hot-wrapper-17576
  3. Simon Lundh: The wrapper specialists from Ecuador. Cigar Journal, Juli 2021 – https://www.cigarjournal.com/the-wrapper-specialists-from-ecuador/
  4. INIAP: Bienvenido a la Estación Experimental Tropical Pichilingue (Faltblatt Nr. 1), Quevedo, Oktober 1998 – https://repositorio.iniap.gob.ec/handle/41000/1639
  5. Ecuadorian Sumatra Tobacco – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Ecuadorian_Sumatra_Tobacco

Häufige Fragen

Was bedeutet „Ecuador Connecticut“ auf einer Zigarre?

Die Angabe verbindet Anbauland und Saatlinie: Das Blatt ist in Ecuador gewachsen, stammt aber von Connecticut-Saat, die ursprünglich für den Anbau unter Gaze im Tal des Connecticut River gezüchtet wurde. In Ecuador übernimmt die Wolkendecke die Aufgabe des Tuchs. Heraus kommt ein helles, mildes, seidiges Deckblatt, das als neutraler gilt als Blatt aus Neuengland und nach der Trocknung schneller reif ist.

Warum braucht Deckblatt in Ecuador kein Schattentuch?

Weil der Himmel die Arbeit übernimmt. In den trockenen Monaten von Juni bis November, in denen der Tabak wächst, ist es über dem Küstentiefland meist bedeckt – eine Folge des kalten Humboldtstroms vor der Küste. Die Versuchsstation Pichilingue bei Quevedo misst im Mittel nur rund 76 Sonnenstunden im Monat. Zusätzliches Tuch würde die Blätter sogar zu dünn werden lassen.

Worin unterscheiden sich Ecuador Sumatra und Ecuador Habano?

In Saat und Charakter. Ecuador Sumatra geht auf Sumatra-Saat zurück, die seit den 1960er-Jahren im Land angepasst wurde, und ergibt ein mittel- bis dunkelbraunes, würziges Deckblatt mit leiser Süße. Ecuador Habano wächst seit Anfang der 2000er-Jahre in größerem Umfang aus kubanischen Sorten wie Habana 2000; es ist dunkler, dicker und öliger und schmeckt voller, oft mit pfeffriger Würze.

Was bedeutet „Sun Grown“ bei Deckblatt aus Ecuador?

Nur, dass das Blatt ohne Schattentuch gewachsen ist. Pralle Sonne bekommt es trotzdem selten ab, weil die Wolkendecke das Licht filtert. Sun-Grown-Deckblätter aus Ecuador stammen meist von Sumatra- oder kubanischer Saat und sind dunkler und kräftiger als das helle Ecuador Connecticut.

Werden in Ecuador auch Zigarren gerollt?

In kleinem Umfang ja. Der weitaus größte Teil der Ernte verlässt das Land aber als Rohtabak und wird in der Dominikanischen Republik, in Nicaragua oder in Honduras verarbeitet. Auf der Kiste steht deshalb meist ein anderes Land, auch wenn das Deckblatt aus Ecuador kommt.