Tabakkultur › Sammeln: Dosen, Etiketten, Pfeifen
Sammeln: Dosen, Etiketten, Pfeifen
Was einst Verpackung, Werbemittel oder Werkzeug war, erzählt heute Druck-, Design- und Handwerksgeschichte: die in Stein gedruckte Bauchbinde, die lithografierte Blechdose, die Tabatiere des 18. Jahrhunderts, die Pfeife mit dem Stempel eines Londoner Hauses. Diese Seite stellt die großen Sammelgebiete rund um den Tabak vor – von der Vitolphilie über Blech- und Schnupftabakdosen bis zu Estate-Pfeifen, Feuerzeugen und Aschenbechern – und zeigt, wie man Zustand beurteilt, richtig aufbewahrt und Nachdrucke von Originalen unterscheidet.
| Vitolphilie | Sammeln von Zigarrenbauchbinden und Kistenetiketten; nach spanisch vitola – Format einer Zigarre und zugleich ihr Papierring |
|---|---|
| Bauchbinde | In Kuba seit den 1830er-Jahren; Mitte der 1850er-Jahre bei praktisch allen kubanischen Herstellern üblich |
| Druckverfahren | Chromolithografie (Patent 1837) mit oft zwölf und mehr Farbsteinen, Goldbronze und Prägung; ab den 1920er-Jahren allmählich vom Offsetdruck abgelöst |
| Blechdosen | Weißblech; ab 1875 auf Robert Barclays Presse indirekt bedruckt – eine Wurzel des Offsetdrucks |
| Schnupftabakdosen | Blütezeit im 18. Jahrhundert; Gold, Silber, Porzellan, Email, Lack, Horn, Holz und Glas; in China Fläschchen statt Dosen |
| Pfeifen | Estate-Pfeifen, Meerschaum im Etui, Porzellan- und Tonpfeifen; datierbar über Stempel, Silberpunzen und Datumscodes |
| Echtheit prüfen | Lupe, UV-Lampe und gesicherte Vergleichsstücke; Jahreszahlen, Kaiserdevisen und Etui-Aufdrucke beweisen allein nichts |
Warum Tabakobjekte Sammler anziehen
Rund um den Tabak ist eine erstaunliche Menge an Dingen entstanden, die man in die Hand nehmen, ordnen und aufbewahren möchte. Zigarren kamen in Zedernkisten mit prächtigen Etiketten und trugen einen Ring aus geprägtem Papier, Pfeifentabak reiste in bedruckten Blechdosen, und die Prise verlangte nach einer Dose, die in die Westentasche passte und nebenbei etwas über ihren Besitzer verriet. Was als Verpackung, Werbemittel oder Werkzeug gedacht war, ist heute ein Archiv der Druckgeschichte, des Kunsthandwerks und des Alltags; vieles entstand in riesigen Auflagen, anderes war schon damals Luxus. Den zeitlichen Rahmen liefert die Geschichte des Tabaks, hier stehen die Objekte im Mittelpunkt: was man sammelt, woran man Qualität erkennt und wie man sie bewahrt.
Vitolphilie: Bauchbinden und Kistenetiketten
Das Sammeln von Bauchbinden trägt einen spanischen Namen. Vitola bezeichnet im Spanischen das Format einer Zigarre, wie es das Glossar beschreibt, zugleich aber den Papierring, der Marke und Format ausweist. Vitolphilen sammeln diese Ringe und meist auch die Papierausstattung der Kiste – ein Gebiet mit langer Tradition in Spanien, Frankreich und den Niederlanden.
Wie die Bauchbinde entstand
Um ihren Ursprung ranken sich Legenden: Katharina die Große soll ihre Zigarren mit Seidenband umwickelt haben, um die Finger zu schonen, englische Herren sollen Papierringe zum Schutz ihrer weißen Handschuhe verlangt haben. Belegbar ist Nüchterneres. In Kuba tauchten die ersten Ringe in den 1830er-Jahren auf, und die Überlieferung verbindet sie mit Gustave Bock, einem aus den Niederlanden stammenden Zigarrenfabrikanten, der seine für Europa bestimmten Zigarren mit einem Ring samt Unterschrift versah. Es ging um Schutz vor Nachahmern: 1837 richtete die Verwaltung der Insel ein Register für Marken und Lithografien des Tabakgewerbes ein, und bis Mitte der 1850er-Jahre hatten praktisch alle kubanischen Hersteller die Binde übernommen. Aus dem Echtheitszeichen wurde rasch ein Werbeträger – und für viele Raucher ein Andenken, das man nach dem Anrauchen abzog und aufhob.
Die Ausstattung der Kiste
Ebenso begehrt sind die Habilitaciones, die lithografierten Papiere, mit denen eine Zigarrenkiste ausgeschlagen und verschlossen wird. Die Vista im Deckelinneren ist das große Bild – Allegorien, Porträts, Landschaften, oft mit den Medaillen gewonnener Ausstellungen –, die Cubierta schmückt den Deckel außen, das Bofetón deckt die Zigarren ab, schmale Filetes fassen die Kanten ein, und der Tapaclavo versiegelt den Verschluss. Hinzu kommen Brandstempel im Holz, die ebenfalls die Herkunft verbürgen sollten und gerade deshalb kopiert werden; mehr über Marken und Kisten der Havannas erzählt kubanische-zigarren.org.
Steindruck, Gold und Prägung
Die Pracht von Ringen und Etiketten ist ein Verdienst der Lithografie. Alois Senefelder entwickelte den Steindruck zwischen 1796 und 1798 in München; als Druckform diente Solnhofener Plattenkalk aus Bayern, der bis heute als das beste Material dafür gilt. Die 1837 patentierte Chromolithografie druckte Farbe für Farbe von eigenen Steinen übereinander – zwölf Farben waren nicht ungewöhnlich, bei aufwendigen Blättern wurden es mehr als zwanzig –, und für die Zigarrenindustrie kamen Goldbronze und eine Prägung hinzu, die Medaillen und Schriftzüge fühlbar macht. Deutsche, vor allem bayerische Druckereien beherrschten mit preiswerten Großauflagen eine Zeit lang den Markt, bis viele ihrer Lithografen nach England und Amerika auswanderten. Ab den 1920er-Jahren drängte der Offsetdruck den Steindruck allmählich zurück, manche Bauchbinden wurden aber noch bis um 1940 lithografiert. Für Sammler ist der Unterschied daher vor allem ein Echtheitsmerkmal: Unter der Lupe zeigt eine Chromolithografie ein unregelmäßiges Korn oder von Hand gesetzte Punkte, ein Offsetdruck dagegen gleichmäßige Rasterrosetten.
Wonach Vitolphilen sammeln
Man ordnet nach Marken und Ländern, nach Epochen oder Motiven – Monarchen, Schiffe, Maler, Wappen. Eine Besonderheit sind Serienbinden: Niederländische Marken gaben Ringe in ganzen Folgen heraus, etwa mit Fußballvereinen, und Cafés, Werkstätten und Läden ließen Werbebinden mit eigenem Namen drucken. Wie volkstümlich das Hobby dort war, zeigt das Volendams Museum, in dem mehr als elf Millionen Bauchbinden zu Mosaiken aus Provinzwappen, berühmten Bauwerken und Mühlen geklebt sind, entstanden zwischen 1947 und 1996. Nahe verwandt ist die Phillumenie, das Sammeln von Streichholzschachteln und ihren Etiketten; manche Vereine pflegen beide Gebiete unter einem Dach.
Blechdosen: Kunstdruck auf Metall
Tabak will vor Austrocknung, Licht und Fremdgerüchen geschützt sein, und dafür bewährte sich Weißblech, verzinntes Eisen- oder Stahlblech, das nicht rostet, solange die Zinnschicht intakt bleibt. Frühe Dosen trugen oft aufgeklebte Papieretiketten. 1875 entwickelte der Engländer Robert Barclay eine Presse für Blech, bei der das Motiv zuerst auf einen mit präpariertem Karton bezogenen Zylinder und von dort auf das Metall überging. Aus diesem indirekten Verfahren entstand mit dem späteren Gummituch der Offsetdruck, der auf Papier erst nach 1904 Fuß fasste – die Blechdose stand also am Anfang einer Technik, mit der bis heute Bücher, Zeitschriften und Verpackungen gedruckt werden.
Gesammelt werden Pfeifentabakdosen in allen Formaten – flache Taschendosen, runde Dosen mit Stülpdeckel, hochformatige amerikanische Pocket Tins wie die des 1907 eingeführten Prince Albert –, außerdem die flachen Blechschachteln der Orientzigaretten aus Dresden und Berlin, Schnupftabakdöschen und die großen Vorratsdosen der Tabakläden. Die Gestaltung reicht vom Historismus über Jugendstil und Art déco bis zur Grafik der Nachkriegszeit; weil viele Marken ihr Motiv nur behutsam veränderten, unterscheidet man Varianten so fein wie bei Briefmarken. Ungeöffnete Dosen mit Inhalt sind ein Kapitel für sich: Pfeifenraucher legen sie als Vorrat an, weil naturbelassene Mischungen darin reifen, wie die Seite Tabak richtig lagern erklärt. Wer sie verschickt oder aus dem Ausland mitbringt, bedenkt, dass Tabak auch als Sammlerstück steuerpflichtige Ware bleibt; die Grundzüge stehen unter Recht und Steuer.
Schnupftabakdosen: vom Hof in die Westentasche
Im 18. Jahrhundert gehörte die Tabatiere zum Auftritt des eleganten Herrn, und Frankreich wurde zum Zentrum ihrer Herstellung. Der Adel ließ sich Dosen aus Gold mit Edelsteinen, Email oder Porzellan fertigen; wer weniger besaß, griff zu Silber, Messing, Horn, Holz oder lackiertem Pappmaché. Eine berühmte Sammlung besaß Friedrich II. von Preußen, geschätzt auf 300 bis 400 Stück; eine seiner Dosen soll ihm 1759 in der Schlacht bei Kunersdorf eine Kugel abgefangen haben. In Braunschweig gründete Johann Heinrich Stobwasser 1763 eine Lackwarenmanufaktur, deren bemalte Schnupftabakdosen als „Stobwasser-Arbeiten“ weit über die Stadt hinaus bekannt wurden, und im Bayerischen Wald bliesen die Glashütten gläserne Schnupftabakbehälter, die man dort Büchsel nennt – belegt schon im 17., weit verbreitet vor allem im 19. Jahrhundert.
Einen eigenen Weg ging China. Am Hof der Qing-Kaiser wurde Schnupftabak im späten 17. Jahrhundert Mode, und statt Dosen verwendete man kleine Fläschchen, die den Tabak im feuchten Klima trocken hielten; ein winziger Löffel am Stöpsel hob die Prise auf den Handrücken. Die kaiserliche Glaswerkstatt in Peking, die Ende des 17. Jahrhunderts unter dem aus Würzburg stammenden Jesuiten Kilian Stumpf entstand, fertigte solche Fläschchen; daneben gab es sie aus Porzellan, Jade, Achat, Koralle und Lack. Später kamen die von innen bemalten Glasfläschchen hinzu, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre Blüte erlebten; ihre Bilder wurden spiegelverkehrt mit feinen, abgewinkelten Werkzeugen durch den engen Hals gemalt.
Zigarettenbilder und Sammelalben
Ein Massenmedium eigener Art brachte die Zigarette hervor. Ende der 1870er-Jahre steckten amerikanische Fabrikanten ein Kärtchen in die weiche Papierpackung, damit sie nicht knickte, und druckten schon bald Bühnenstars, Baseballspieler und Tiere darauf; britische Hersteller machten daraus Serien zu 25 oder 50 Karten mit Sachtext auf der Rückseite. In Deutschland erlebte das Zigarettenbild seine Blütezeit in den 1930er-Jahren, als Alben zu Film, Sport, Natur und Technik, aber auch Propagandaalben in Millionenauflage in die Haushalte kamen; 1942 setzte die Papierbewirtschaftung der Beigabe ein Ende. Bilderdienste, Serien, Bewertung und Nachdrucke behandelt ausführlich die Rubrik Sammeln auf zigarette.com, dort auch Packungen, Feuerzeuge und Etuis.
Pfeifen als Sammelobjekt
Bei Pfeifen verschwimmt die Grenze zwischen Sammeln und Gebrauch: Viele Sammler rauchen ihre Schätze, andere stellen sie in die Vitrine. Was Bruyère, Meerschaum und Maiskolben als Werkstoffe auszeichnet, steht in der Pfeifenkunde, der Weg von der Tonpfeife zur Bruyère in der Geschichte des Pfeifenrauchens.
Estate-Pfeifen
Gebrauchte Pfeifen heißen nach dem englischen Wort für Nachlass Estate-Pfeifen, und über sie finden viele Sammler ihren Einstieg. Gesucht sind Stücke bekannter Häuser aus London, Dublin, Saint-Claude oder Kopenhagen, Pfeifen längst geschlossener Werkstätten und Freihand-Unikate namhafter Pfeifenmacher. Über den Wert entscheiden der Zustand des Holzes – Risse, Brandstellen und ein verkohlter Rand wiegen schwer –, ein originales, satt sitzendes Mundstück und lesbare Stempel. Aufgearbeitet wird mit Zurückhaltung: innen gründlich reinigen, das Mundstück entoxidieren, das Holz wachsen, aber nie so schleifen, dass Stempel verblassen oder Kanten verrunden. Die einzelnen Handgriffe zeigt die Seite Pfeife pflegen und einrauchen.
Stempel und Punzen lesen
Auf dem Holm steht, was eine Pfeife über sich weiß: Marke, Form- oder Modellnummer, Herkunftsland, bei manchen Häusern Größenklasse, Oberfläche und Datumscode. Dunhill etwa verschlüsselte das Herstellungsjahr in einer kleinen Zahl neben dem Schriftzug „Made in England“; der weiße Punkt auf dem Mundstück ist seit 1912 das Zeichen des Hauses. Bei Peterson aus Dublin helfen die Silberringe, deren Punzen das Zeichen des Dubliner Prüfamts und einen Jahresbuchstaben tragen – dokumentiert von 1891 bis 1938 und wieder seit 1969 –, während die Länderangabe im Stempel der politischen Geschichte Irlands vom Freistaat bis zur Republik folgt. Zum Lesen braucht man Streiflicht, eine Lupe und den Katalog des jeweiligen Hauses.
Meerschaum, Porzellan und Ton
Die Meerschaumpfeife ist das klassische Vitrinenstück. Zwischen 1820 und 1850 wurde Wien zum Zentrum der Qualität, um 1850 arbeiteten dort rund fünfzig Werkstätten. Ab 1860 kamen figürliche Pfeifen mit Köpfen und Büsten von Mensch und Tier in Mode, und die Zigarrenspitzen mit Pferdchen, Hunden und Hirschen, die nach 1880 in Serie entstanden, zeigen, wie die Massenfertigung die Schnitzkunst verflachte. Zum vollständigen Stück gehört das Etui aus Holz, außen mit Leder bezogen, innen mit Samt ausgeschlagen; vor 1850 nahm es meist nur den Kopf auf, danach die ganze Pfeife mit kurzer Bernsteinspitze. Etiketten oder Stempel im Etui nennen meist einen Händler oder werben allgemein – den Schnitzer verraten sie selten. Einen groben Anhaltspunkt gibt die Rohstoffpolitik: Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hält die Türkei den Rohmeerschaum weitgehend im Land, neue Meerschaumpfeifen werden seither überwiegend dort geschnitzt. Bemalte Porzellanköpfe, Studenten- und Reservistenpfeifen verbinden die Pfeifenkunde mit Volkskunst und Militärgeschichte, Tonpfeifen und ihre Bruchstücke mit der Archäologie; wer selbst im Boden fündig wird, beachtet das Denkmalrecht der Länder.
Feuerzeuge, Aschenbecher und Zubehör
Feuerzeuge sammelt man nach Herstellern, Epochen und Mechaniken, vom Sturm- bis zum Tischfeuerzeug; bei manchen Marken verraten Prägungen im Boden das Baujahr. Pfeifenraucher schätzen Feuerzeuge mit seitlich austretender Flamme, Zigarrenraucher Jetflammen, und die Streichholzschachtel hat mit der Phillumenie ihre eigenen Liebhaber.
Aschenbecher werden oft übersehen, dabei erzählen sie Firmen- und Designgeschichte zugleich: Reklameascher von Brauereien, Hotels, Reedereien und Tabakmarken, Schalen aus Glas, Porzellan, Messing und Bakelit. Aus der Metallwerkstatt des Bauhauses stammen Aschenbecher von Marianne Brandt, die bis heute in unveränderter Form gefertigt werden – wer ein Stück aus der Entstehungszeit sucht, muss es von späteren Ausführungen unterscheiden. Für die Pfeife gibt es Ascher mit einem Korkknopf in der Mitte, an dem man den Kopf ausklopft, für die Zigarre breite Schalen mit tiefen Ablagen. Dazu kommt Kleinzeug mit großem Reiz: Pfeifenstopfer in Figurenform, vom frühneuzeitlichen Arm bis zum rauchenden Soldaten des frühen 20. Jahrhunderts, Zigarrenabschneider und Spitzen aus Meerschaum und Bernstein.
Zustand beurteilen und richtig aufbewahren
Über den Wert entscheiden fast überall dieselben Größen: Seltenheit, Zustand, Vollständigkeit und Nachfrage. Beim Zustand zählt, ob ein Objekt seine Geschichte zeigt, ohne beschädigt zu sein: Eine gleichmäßig gealterte Dose mit kräftigen Farben zählt mehr als eine glänzend aufpolierte, eine Bauchbinde mit sauberer Prägung mehr als eine flachgedrückte. Reinigen ja, erneuern nein – was übermalt, nachvergoldet oder abgeschliffen wurde, ist als Zeitzeuge verloren. Bewährt hat sich diese Routine:
- Erfassen: Jedes Stück fotografieren, vermessen und mit Herkunft, Erwerbsdatum, Stempeln oder Punzen in ein Verzeichnis eintragen; auch die Angaben des Vorbesitzers gehören dazu.
- Behutsam reinigen: Papier nur trocken mit einem weichen Pinsel, Blech mit einem kaum feuchten Tuch und sofort trocken nachwischen, Silber mit einem weichen Poliertuch; keine Scheuermittel und keine Tauchbäder für Email, Lack, Horn oder Niello.
- Papier säurefrei lagern: Bauchbinden und Etiketten liegen flach in Mappen aus säurefreiem Karton oder in weichmacherfreien Hüllen, nie mit Klebeband, Gummiring oder Büroklammer; eingeklebte Stücke bleiben, wo sie sind.
- Metall trocken halten: Blechdosen gehören weder in feuchte Keller noch aufeinandergestapelt in Kartons, wo der Druck verkratzt; ein Hauch mikrokristallines Wachs schützt die Oberfläche. Aus geöffneten Dosen kommen alte Tabakreste heraus, ungeöffnete bleiben zu.
- Licht und Wärme meiden: Sonne bleicht Farben und lässt Ebonit oxidieren, Heizungsluft lässt Horn, Schildpatt und Lack reißen; eine Vitrine abseits von Fenster und Heizkörper ist der beste Platz.
- Pfeifen ruhen lassen: Sammlerpfeifen werden gereinigt und trocken verwahrt, Meerschaum im Etui und nur mit sauberen Händen angefasst.
Stücke aus Schildpatt oder Elfenbein unterliegen beim Verkauf und beim Versand über Grenzen dem Artenschutzrecht; vor einem Handel klärt man, welche Nachweise verlangt werden.
Sammlerbörsen, Vereine und Kataloge
Gesammelt wird selten allein. Die Vitolphilen organisierten sich früh: In Spanien besteht seit 1949 eine landesweite Vereinigung mit eigener Zeitschrift, in Frankreich seit 1954 eine, die später auch die Streichholzetiketten aufnahm, und international tauschen sich Sammler von Etiketten, Siegeln und Bauchbinden in einer eigenen Gesellschaft aus. Pfeifenclubs veranstalten Börsen, auf denen Estate-Pfeifen, alte Dosen und Zubehör den Besitzer wechseln; Reklame- und Papierbörsen, Flohmärkte und Auktionen mit Abteilungen für Rauchzubehör erschließen den Rest. Wichtiger als jede Bezugsquelle sind Kataloge und Nummernverzeichnisse, der Austausch mit erfahrenen Sammlern und der Blick in Museen mit großen Beständen, an deren gesicherten Stücken man das eigene Auge schult.
Fälschungen und Nachdrucke erkennen
Wo gesammelt wird, wird nachgemacht, nicht immer in böser Absicht: Viele Reproduktionen entstanden als Dekoration und werden erst beim Weiterverkauf zu vermeintlichen Originalen. Manche Täuschung ist selbst historisch. Pressmeerschaum aus gemahlenem Schnitzabfall und Bindemittel, die beste Sorte der Imitate, wurde schon ab etwa 1770 in Ruhla hergestellt und hieß im Handel ausgerechnet „Wiener Meerschaum“; eine Stufe darunter stand „Massa“, eine reine Imitation ganz ohne Meerschaumanteil, meist aus weiß brennendem Ton. Um 1880 kamen von dort Pfeifen aus solchem Kunstmeerschaum mit künstlich antiker Patina auf, die oft Jahreszahlen trugen: anfangs zehn bis zwanzig Jahre zu früh, später um Generationen. Und das Versprechen „véritable écume“, echter Meerschaum, garantierte auf einem Etui gar nichts. Die Tabelle nennt typische Fälle.
| Sammelgebiet | Typische Täuschung | Woran man sie erkennt |
|---|---|---|
| Bauchbinden, Kistenetiketten | Offset-Nachdrucke gesuchter Motive, auch auf altem Papier | Rasterrosetten statt Steindruckkorn; Gold als gelbe Farbe ohne fühlbare Prägung; Papier, das unter UV-Licht bläulich leuchtet |
| Blechdosen | Nostalgie-Reproduktionen, künstlich gealtert | Rasterpunkte im Druck, zu gleichmäßiger Rost, moderne Falze und Scharniere, keine Abnutzung an Griffstellen und Deckelrand |
| Meerschaumpfeifen | Pressmeerschaum als Blockmeerschaum verkauft; vordatierte Köpfe | meist gröber geschnitzt, schwerer, färbt fleckig; eine Jahreszahl auf dem Kopf ist kein Beleg |
| Bernsteinspitzen | Pressbernstein, Zelluloid, später Kunststoff | Vergleich mit gesicherten Stücken, im Zweifel gemmologische Prüfung |
| Bruyèrepfeifen | fremdes Mundstück, verschliffene oder nachträglich eingeschlagene Stempel | Übergang von Holm und Mundstück, Form und Markenzeichen des Mundstücks, Schärfe der Stempel |
| Tabatieren aus Edelmetall | falsche Punzen, „verheiratete“ Deckel und Unterteile | Punzen im Katalog prüfen; Deckel und Boden müssen in Marken, Legierung und Machart zusammenpassen |
| Chinesische Schnupftabakfläschchen | Regierungsdevisen früherer Kaiser; Glas, das Jade oder Achat nachahmt | Die Devise datiert nicht; Glas verrät sich unter der Lupe durch winzige Bläschen |
| Bayerische Glasbüchsel | neuere Stücke als alt angeboten | Seit den 1960er-Jahren werden sie wieder für Sammler gefertigt – Glas, Schliff, Verschluss und Gebrauchsspuren vergleichen |
Praxistipp: Eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung und eine kleine UV-Lampe gehören in jede Sammlertasche. Die Lupe trennt Steindruck von Rasterdruck und macht verschliffene Stempel sichtbar; unter UV-Licht leuchten moderne Papiere mit optischen Aufhellern bläulich, und Retuschen fluoreszieren anders als ihre gealterte Umgebung.
Quellen
- Vitolfilia – Wikipedia (spanisch): erste Bauchbinden in Kuba, Markenregister von 1837, Sammlervereinigung seit 1949 – https://es.wikipedia.org/wiki/Vitolfilia
- Chromolithografie – Wikipedia: Farbsteindruck seit 1837 und Ausstattungen für die Zigarren- und Zigarettenindustrie – https://de.wikipedia.org/wiki/Chromolithografie
- Offset printing – Wikipedia (englisch): Robert Barclays Druck auf Blech von 1875 – https://en.wikipedia.org/wiki/Offset_printing
- Tabatiere – Wikipedia: Schnupftabakdosen des 18. Jahrhunderts und die Sammlung Friedrichs II. – https://de.wikipedia.org/wiki/Tabatiere
- Amsterdam Pipe Museum: Mythen und Fakten zur Meerschaumpfeife, mehrteiliger Artikel (niederländisch) – Geschichte, Kunstmeerschaum, Etuis, Bernstein, Datierung – https://pipemuseum.nl/en/article/fabels-en-feiten-over-de-meerschuim-pijp
Häufige Fragen
- Was bedeutet Vitolphilie?
Vitolphilie ist das Sammeln von Zigarrenbauchbinden, meist ergänzt um die lithografierten Etiketten der Zigarrenkisten. Der Name kommt vom spanischen Wort vitola, das sowohl das Format einer Zigarre als auch ihren Papierring bezeichnet. In Spanien und Frankreich schlossen sich die Sammler schon in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu eigenen Vereinigungen zusammen.
- Nimmt man die Bauchbinde vor dem Rauchen ab?
Das ist Geschmackssache; in Großbritannien galt es traditionell als unfein, die Marke beim Rauchen zur Schau zu tragen. Wer den Ring für die Sammlung aufheben möchte, lässt ihn zunächst sitzen: Nach einigen Minuten hat die Wärme den Leim gelockert, und die Binde lässt sich abziehen, ohne dass Deckblatt oder Papier einreißen.
- Woran erkennt man ein altes Etikett im Steindruck?
Unter einer Lupe mit etwa zehnfacher Vergrößerung wirken die Farbflächen einer Chromolithografie körnig und unruhig, oft aus einzeln gesetzten Punkten aufgebaut; ein Offsetdruck zeigt dagegen ein gleichmäßiges Raster aus Punktrosetten. Alte Zigarrenetiketten tragen oft Goldbronze und eine fühlbare Prägung; Nachdrucke ersetzen das Gold häufig durch gelbe Farbe und bleiben flach. Leuchtet das Papier unter UV-Licht kräftig bläulich, enthält es optische Aufheller und ist in aller Regel jung.
- Was ist eine Estate-Pfeife?
So heißt eine gebrauchte Pfeife; oft stammt sie aus einem Erbe, englisch estate. Estate-Pfeifen werden gesammelt, gründlich gereinigt und oft weitergeraucht, sofern Holz und Kammer frei von Rissen und Brandstellen sind. Über ihren Wert entscheiden Hersteller, Alter, Zustand, ein originales Mundstück und lesbare Stempel.
- Wie bewahrt man alte Blechdosen auf?
Trocken, staubfrei und ohne direkte Sonne, am besten in einer Vitrine und nicht aufeinandergestapelt. Gereinigt wird nur mit einem kaum feuchten Tuch, das sofort trocken nachgewischt wird; Scheuermittel und Polierpasten zerstören den Druck. Alte Tabakreste gehören aus geöffneten Dosen heraus, ungeöffnete Dosen bleiben verschlossen.