Tabakkultur › Tabak in Kunst und Literatur

Tabak in Kunst und Literatur

Seit dem 17. Jahrhundert holen Maler, Dichter, Komponisten und Filmemacher den Tabak immer wieder ins Werk: als Tonpfeife im holländischen Wirtshaus, als Zigarre in der Hand des Dichters, als Rauchfahne, die im Stillleben an die Vergänglichkeit erinnert. Diese Seite führt von Brouwer und Jan Steen über van Gogh und Magritte zu Molière, Thomas Mann, Mark Twain und Sherlock Holmes, weiter ins Kino und in die Musik – mit Werken, die sich in Museen und Originaltexten belegen lassen.

ZeitraumVom frühen 17. Jahrhundert bis heute; erste Blüte in der niederländischen und flämischen Genremalerei
FachbegriffToebackje – niederländisches Stillleben mit Pfeife, Tabak und Rauchgerät
MalereiBrouwer, Jan Steen, Pieter Claesz, Courbet, Manet, Cézanne, van Gogh, Munch, Picasso, Dix, Magritte
LiteraturMolière „Dom Juan“ (1665), Conan Doyles Sherlock Holmes, Mark Twain, Thomas Mann „Der Zauberberg“ (1924), Italo Svevo
MusikNotenbüchlein für Anna Magdalena Bach (1725), Bizet „Carmen“ (1875), Wolf-Ferrari „Susannens Geheimnis“ (1909)
FilmGroucho Marx, Kommissar Maigret, Leones Dollar-Trilogie, „Smoke“ (1995), „Coffee and Cigarettes“ (2003)
Wo man die Bilder siehtMauritshuis Den Haag, Rijksmuseum und Van Gogh Museum Amsterdam, National Gallery London, LACMA Los Angeles

Warum Tabak zum Motiv wurde

Als sich das Rauchen im frühen 17. Jahrhundert in Europa ausbreitete, war die Kunst sofort zur Stelle. In den Niederlanden, wo Amsterdam zu einem wichtigen Handelsplatz für Tabak wurde und Gouda für seine langen weißen Tonpfeifen bekannt war, gehörte die Pfeife bald zum Alltag in Wirtshaus und Bürgerhaus – und damit zum Stoff der Maler. Seither steht der Tabak in Bildern, Büchern und Liedern für Geselligkeit und Muße, für Boheme oder Emanzipation und, im Rauch, der sich auflöst, für die Vergänglichkeit selbst. Den historischen Überblick gibt die Seite Geschichte des Tabaks, die Entwicklung der Pfeife die Geschichte des Pfeifenrauchens.

Das Goldene Zeitalter: Wirtshaus, Familie, Stillleben

Brouwer und die Raucher von Antwerpen

Der Flame Adriaen Brouwer machte die Wirtsstube zur Bühne: Seine Bauern und Soldaten trinken, würfeln, raufen und rauchen. Sein berühmtestes Gruppenbildnis, „Die Raucher“ (um 1636, Metropolitan Museum of Art, New York), sieht aus wie eine derbe Kneipenszene, zeigt aber befreundete Künstler. Brouwer selbst wendet sich mit weit aufgerissenen Augen dem Betrachter zu, den Bierkrug in der Hand, und stößt den Rauch seiner Pfeife aus; ganz rechts sitzt der Stilllebenmaler Jan Davidsz. de Heem. Zugleich verkörpert das Bild den Geschmackssinn; in Darstellungen der fünf Sinne stand der Raucher mal für den Geschmack, mal für den Geruch. In dieselbe Tradition gehört „Der Raucher“ im Louvre, lange für einen Brouwer gehalten und heute seinem Nachfolger Joos van Craesbeeck zugeschrieben.

Jan Steen: Wie die Alten sungen, so pfeifen die Jungen

Jan Steen malte so turbulente Haushalte, dass „ein Haushalt von Jan Steen“ im Niederländischen bis heute sprichwörtlich für Durcheinander steht. Mehrfach setzte er das Sprichwort vom schlechten Vorbild ins Bild, und zwar mit einem Wortspiel: pijpen heißt Flöte oder Dudelsack spielen, eine pijp ist aber auch die Tabakspfeife. Auf der Fassung im Mauritshuis in Den Haag (um 1668–1670) hat Steen seine Familie in drei Generationen versammelt, und der lachende Mann im Hintergrund – Steen selbst – bringt einem seiner Söhne das Pfeiferauchen bei. Im „Fröhlichen Haushalt“ des Rijksmuseums von 1668 raucht ein kleiner Junge im Fenster, ohne dass sich jemand daran stört. Die Moral ist deutlich, der Witz aber so groß, dass offenbleibt, ob Steen predigen oder unterhalten wollte.

Toebackjes: Stillleben mit Rauchgerät

Die Stilllebenmaler stellten die Dinge des Rauchers auf den Tisch. Die Niederländer nannten ein solches Bild toebackje, und der Haarlemer Pieter Claesz pflegte die Gattung neben Frühstücks- und Bankettstück. Zum Repertoire gehören langstielige Tonpfeifen, eine Tabaksdose, ein Feuertopf mit glimmender Kohle zum Anzünden, dazu Bierglas oder Roemer, oft Hering und Brot. Hinter der Behaglichkeit steckt eine Botschaft. Rauch lässt sich nicht festhalten, und so galt das Rauchgerät in der Bildsprache der Zeit als Zeichen des flüchtigen Genusses – ein Vanitas-Motiv. Man darf in diesen Bildern beides sehen: die Mahnung und die stille Freude an einer gut gestopften Pfeife.

Rauchen im Porträt: vom Tabakskollegium bis zur Neuen Frau

Im Bildnis wird der Tabak zum Charakterzug. Am preußischen Hof trafen sich die Männer um Friedrich Wilhelm I. im Tabakskollegium zu Bier, Tonpfeife und offener Rede; ein Gemälde von 1737 zeigt die Runde in Königs Wusterhausen am schweren Eichentisch. Gustave Courbet malte sich um 1849 als „Mann mit der Pfeife“ (Musée Fabre, Montpellier). Édouard Manet porträtierte 1873 den Graveur Émile Bellot mit Pfeife und Bierglas – „Le Bon Bock“ (Philadelphia Museum of Art) erinnert ausdrücklich an Frans Hals – und 1876 den Dichter Stéphane Mallarmé mit brennender Zigarre, deren Rauch vor japanisch gemusterter Tapete aufsteigt (Musée d’Orsay, Paris). In Paul Cézannes „Kartenspielern“ der 1890er-Jahre brüten provenzalische Bauern mit ihren Pfeifen über dem Spiel.

Mit der Zigarette kam ein neuer Ton ins Bildnis. Edvard Munch trat 1895 im „Selbstbildnis mit Zigarette“ aus Rauch und Dunkelheit hervor; das Bild erregte Anstoß und wurde doch im selben Jahr von der norwegischen Nationalgalerie angekauft. Picassos „Garçon à la pipe“ von 1905, ein Pariser Junge mit Blumenkranz und Pfeife, erzielte 2004 rund 104 Millionen Dollar, damals ein Rekord für ein versteigertes Gemälde. Und Otto Dix’ „Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden“ (1926, Centre Pompidou, Paris) mit Monokel, Zigarette und einer Zigarettenschachtel, die ihren Namen trägt, wurde zum Sinnbild der Zwanzigerjahre.

Van Gogh: die Pfeife als Selbstbild

Bei Vincent van Gogh wird die Pfeife zum persönlichen Erkennungszeichen. Als Student der Akademie in Antwerpen malte er im Winter 1885/86 einen Totenschädel mit brennender Zigarette, einen Spott auf den Anatomieunterricht am Skelett; das kleine Bild gehört heute zur Sammlung des Van Gogh Museums in Amsterdam. In Paris, wo er mehr als zwanzig Selbstbildnisse malte, zeigt ihn das „Selbstbildnis mit Pfeife“ vom Herbst 1886 mit fahlem Gesicht vor warmem, dunkelrotem Grund; weitere mit Pfeife und Strohhut folgten.

Zu seinen Ikonen gehört ein Bild ohne Menschen. Ende 1888 in Arles, kurz nachdem Paul Gauguin zu ihm gezogen war, malte er einen einfachen Holzstuhl mit Strohsitz auf Terrakottafliesen. Auf der Sitzfläche liegen Pfeife und Tabaksbeutel, dahinter steht eine Kiste mit keimenden Knollen, wohl Zwiebeln, und der Signatur „Vincent“ (National Gallery, London). Das Gegenstück, „Gauguins Stuhl“, zeigt einen eleganten Armlehnstuhl bei Nacht mit Kerze und zwei Romanen: zwei Stellvertreter-Porträts, Tag gegen Nacht, Einfachheit gegen Eleganz. Als Anregung gilt Luke Fildes’ Zeichnung von Charles Dickens’ leerem Stuhl aus dem Jahr 1870. Die National Gallery erinnert daran, dass van Gogh kurz nach dem Tod seines Vaters dessen Pfeife gezeichnet hatte und dass die Pfeife in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts für Vergänglichkeit stand. Anfang 1889 malte er sich dann mit verbundenem Ohr und Pfeife.

Magritte: „Ceci n’est pas une pipe“

1929 fragte René Magritte, was ein Bild überhaupt ist, und wählte dafür eine Tabakspfeife. „La trahison des images“ (Los Angeles County Museum of Art) zeigt eine sachlich gemalte Pfeife vor hellem Grund, darunter in Schreibschrift den Satz „Ceci n’est pas une pipe“ – dies ist keine Pfeife. Magritte hat den scheinbaren Widerspruch selbst aufgelöst: Stopfen könne man seine Pfeife ja nicht, sie sei nur eine Darstellung; hätte er „Dies ist eine Pfeife“ daruntergeschrieben, hätte er gelogen. Er variierte das Motiv später, etwa in „Les Deux Mystères“, und der Philosoph Michel Foucault widmete dem Bild einen eigenen Essay. Wer die holländischen Stillleben kennt, erkennt darin auch einen ironischen Nachhall der alten Vanitas-Idee: einen Genuss, der sich im Bild nicht fassen lässt.

Tabak in der Literatur

Molière: das Lob des Schnupftabaks

Auf der Bühne hat der Tabak einen prominenten Auftritt gleich zu Beginn von Molières „Dom Juan“. Der Diener Sganarelle – bei der Uraufführung im Februar 1665 im Pariser Palais-Royal von Molière selbst gespielt – preist den Schnupftabak: „Quoi que puisse dire Aristote et toute la philosophie, il n’est rien d’égal au tabac.“ Nichts komme dem Tabak gleich, er sei die Leidenschaft der Ehrenleute, und wer ohne ihn lebe, sei des Lebens nicht wert. Man sehe ja, wie zuvorkommend jeder werde, der eine Prise nimmt: Er biete nach rechts und links an, noch ehe man ihn bittet. Das Lob ist komisch übertrieben, beschreibt aber eine Geste, die bis heute gilt: Tabak wird geteilt.

Thomas Mann: Maria Mancini und die ledrigen Leichen

Mit der Sachkenntnis eines Aficionados schreibt Thomas Mann im „Zauberberg“ (1924) über die Zigarre. Schon in Hamburg lagert Hans Castorp seine Vorräte im Keller, fort von der Dampfheizung, und ins Sanatorium bringt er zweihundert Stück seiner Bremer Lieblingsmarke „Maria Mancini“ mit: Sumatra-Havanna mit Sandblattdecker, mittelvoll und würzig, leicht auf der Zunge, für neunzehn Pfennig. Er lässt ihr die Asche lange stehen, und wer nicht rauche, sagt er seinem Vetter, bringe sich „um des Lebens bestes Teil“.

Im Kapitel „Humaniora“ tauscht er die Zigarren mit Hofrat Behrens, der sich „Kenner und Liebhaber“ nennt und seine kräftige „St. Felix-Brasil“ lobt; beide prüfen Wickel, Adern und Deckblatt „mit sachlicher Kennerschaft“. „So eine Zigarre hat Leben. Sie atmet regelrecht“, sagt Castorp und erzählt von seiner Maria, die er einmal in einer luftdichten Blechkiste vor Feuchtigkeit schützen wollte: Binnen einer Woche waren es „lauter ledrige Leichen“. Wer je einen Humidor eingerichtet hat, versteht die Pointe: Eine Zigarre will nicht vor der Feuchte geschützt, sondern in ihr gehalten werden. In den „Buddenbrooks“ (1901) raucht Tom dagegen russische Zigaretten, „diese kleinen scharfen Dinger mit gelbem Mundstück“.

Mark Twain: jeder sein eigener Maßstab

Mark Twain erklärte 1905 in seiner Rede zum 70. Geburtstag, er folge beim Rauchen nur einer Regel: nie mehr als eine Zigarre auf einmal. In seinem Essay „Concerning Tobacco“, um 1893 geschrieben und erst nach seinem Tod gedruckt, bestreitet er jeden allgemeingültigen Maßstab, denn die meisten Raucher urteilten nach der Marke statt nach dem Geschmack. Zum Beweis bot er Gästen die besten Zigarren eines Freundes an, ohne deren rot-goldene Bauchbinden und aus einer Kiste seiner eigenen, als billig verrufenen Marke. Am nächsten Morgen lagen sie zwischen Haustür und Gartentor, bis auf eine auf dem Teller des Freundes, dem sie eigentlich gehörten. In „Tom Sawyer“ (1876) baut Huck Finn Pfeifen aus Maiskolben; was diese amerikanische Volkspfeife auszeichnet, erklärt die Rubrik Pfeifentabak.

Sherlock Holmes: Tabak als Indiz

Bei Arthur Conan Doyle wird Tabakwissen zur Ermittlungsmethode. In „Eine Studie in Scharlachrot“ (1887) erkennt Holmes an der Asche am Tatort eine Trichinopoly-Zigarre, in „Das Zeichen der Vier“ (1890) erwähnt er seine Monografie über die Unterscheidung der Aschen: 140 Sorten Zigarren-, Zigaretten- und Pfeifentabak, mit farbigen Tafeln. In „Die Liga der Rothaarigen“ (1891) erklärt er einen Fall zum „three pipe problem“ und bittet Watson um fünfzig Minuten Ruhe, während er mit der schwarzen Tonpfeife im Sessel kauert. Und im „Musgrave-Ritual“ klagt Watson über einen Mitbewohner, der Zigarren im Kohleneimer und Tabak in der Spitze eines persischen Pantoffels aufbewahrt.

Weitere Stimmen: Busch, Wilde, Svevo

Wilhelm Busch erzählte 1864 in plattdeutschen Reimen von „Krischan mit der Piepe“, der heimlich Vaters Meerschaumpfeife raucht und dafür mit Rausch und Übelkeit bezahlt. Oscar Wildes Lord Henry rühmt in „Das Bildnis des Dorian Gray“ die Zigarette als vollendete Form eines vollendeten Genusses: köstlich, und man bleibt unbefriedigt. Und Italo Svevos Held notiert in „Zenos Gewissen“ (1923) Datum um Datum seine „letzte Zigarette“ – und findet, dass gerade diese letzten jedes Mal besonders schmecken.

Zigarre und Pfeife als Attribut im Film

Im Kino wird der Tabak zum Kostümteil, an dem man eine Figur schon im Umriss erkennt. Groucho Marx brachte seine Zigarre zusammen mit dem aufgeschminkten Schnurrbart aus dem Varieté mit. Georges Simenons Kommissar Maigret ist ein passionierter Pfeifenraucher, im Kino mit Jean Gabin ebenso wie in der französischen Fernsehserie mit Bruno Cremer. In Sergio Leones Dollar-Trilogie (1964–1966) trägt Clint Eastwoods namenloser Fremder Poncho, Hut und Zigarillo und spricht kaum ein Wort.

Zwei Filme machen den Tabak selbst zum Thema. Wayne Wangs „Smoke“ (1995), nach Geschichte und Drehbuch von Paul Auster, spielt rund um einen kleinen Tabakladen in Brooklyn, dessen Leiter Auggie Wren (Harvey Keitel) jeden Morgen um acht Uhr von der anderen Straßenseite aus die Ladenecke fotografiert; auf der Berlinale gewann der Film einen Silbernen Bären. Jim Jarmuschs „Coffee and Cigarettes“ (2003) reiht elf Schwarz-Weiß-Episoden aneinander, in denen meist zwei, manchmal drei Menschen bei Kaffee und Zigaretten aneinander vorbeireden.

Kistenbild, Plakat, Packung: Tabak als Grafikgeschichte

Auch die Gebrauchsgrafik hat der Tabak geprägt. Zigarrenkisten trugen im 19. Jahrhundert farbig lithografierte Etiketten mit Medaillen und Wappen – Thomas Mann beschreibt Castorps lackierte Kistchen mit Globus, Medaillen und goldenem Ausstellungsgebäude –, und am Ende des Jahrhunderts entwarf Alfons Mucha Plakate für das Zigarettenpapier JOB. Später wurden Packungen und Werbefiguren selbst zu Designklassikern; ihre Geschichte erzählt die Rubrik Design & Werbegeschichte auf zigarette.com.

Musik und Lied

Im Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach von 1725 steht die Arie „So oft ich meine Tobackspfeife“, deren Text damals auf Flugblättern kursierte. Der Sänger erkennt in seiner Pfeife ein Gleichnis des eigenen Lebens – eine Vanitas in Liedform, ganz wie die holländischen Stillleben. Überliefert sind eine d-Moll-Fassung von unbekannter, vielleicht kindlicher Hand und eine von Anna Magdalena eine Quarte höher nach g-Moll gesetzte Fassung, deren Bass Johann Sebastian kunstvoll überarbeitet hat.

In Georges Bizets „Carmen“ (1875) besingen die Zigarrenarbeiterinnen der Tabakfabrik von Sevilla in ihrer Pause den Rauch. Ermanno Wolf-Ferraris Intermezzo „Susannens Geheimnis“, am 4. Dezember 1909 am Münchner Hoftheater uraufgeführt, lebt ganz vom Tabak: Graf Gil riecht Rauch in der Wohnung, vermutet einen Nebenbuhler und findet heraus, dass seine Frau heimlich raucht. In Amerika dienten leere Zigarrenkisten als Resonanzkörper für selbst gebaute Fiedeln und Gitarren; eine Radierung von Edwin Forbes aus dem Jahr 1876 zeigt einen Soldaten des Bürgerkriegs mit Zigarrenkistenfiedel, und in Jugband und frühem Blues hatten solche Instrumente ihren Platz. 1947 schließlich wurde „Smoke! Smoke! Smoke! (That Cigarette)“ von Tex Williams und Merle Travis ein Nummer-eins-Hit der Country-Charts, ein augenzwinkernder Talking Blues über Raucher, die für eine Zigarette selbst die Pokerpartie unterbrechen.

Ausgewählte Werke im Überblick

WerkJahrUrheberWo zu findenTabakmotiv
„Die Raucher“um 1636Adriaen BrouwerMetropolitan Museum of Art, New YorkKünstlerfreunde beim Rauchen
„Dom Juan“1665MolièreKomödieLob des Schnupftabaks
„Wie die Alten sungen, so pfeifen die Jungen“um 1668–1670Jan SteenMauritshuis, Den HaagVater lehrt den Sohn das Pfeiferauchen
„So oft ich meine Tobackspfeife“1725 oder späterFamilie Bach, Komponist unsicherNotenbüchlein für Anna Magdalena BachPfeife als Gleichnis der Vergänglichkeit
„Van Goghs Stuhl“1888Vincent van GoghNational Gallery, LondonPfeife und Tabaksbeutel als Stellvertreter
„Susannens Geheimnis“1909Ermanno Wolf-FerrariOperDie Ehefrau raucht heimlich
„Der Zauberberg“1924Thomas MannRomanZigarrenkunde im Sanatorium
„Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden“1926Otto DixCentre Pompidou, ParisZigarette als Zeichen der Neuen Frau
„La trahison des images“1929René MagritteLACMA, Los AngelesGemalte Pfeife, die keine sein will
„Smoke“1995Wayne Wang, Paul AusterSpielfilmTabakladen in Brooklyn als Treffpunkt

Praxistipp: Wer in Gemäldegalerien auf Tabakspuren gehen will, sucht in den Sälen mit holländischer und flämischer Malerei des 17. Jahrhunderts nach drei Dingen: der langen weißen Tonpfeife, dem Feuertopf mit glimmender Kohle und der dünnen Rauchfahne. In den Online-Sammlungen vieler Museen führen Suchbegriffe wie „pijp“, „rookgerei“ (Rauchgerät) oder „toebackje“ schnell zu passenden Bildern, oft in hoher Auflösung.

Genuss mit Geschichte

Mit diesen Werken im Kopf sieht man Tabak mit anderen Augen: In der Tonpfeife eines Stilllebens steckt die Geschichte des Pfeifenmachens, in Castorps Sumatra-Havanna die Kunde der Deckblätter, in Twains Etikettenschwindel die alte Frage nach Marke und Geschmack. Woher Sumatra-Deckblätter stammen und wo das Sandblatt an der Pflanze sitzt, erklärt die Seite Tabaksorten; wer der Zigarre nach Kuba folgen möchte, findet Kultur und Geschichte der Habanos auf kubanische-zigarren.org.

Quellen

  1. Vincent van Gogh: Van Gogh’s Chair, 1888 – The National Gallery, London – https://www.nationalgallery.org.uk/paintings/vincent-van-gogh-van-gogh-s-chair
  2. René Magritte: The Treachery of Images (This is Not a Pipe), 1929 – Los Angeles County Museum of Art – https://collections.lacma.org/object/31931
  3. Vincent van Gogh: Self-Portrait with Pipe, 1886 – Van Gogh Museum, Amsterdam – https://www.vangoghmuseum.nl/en/collection/s0158V1962
  4. Thomas Mann: Der Zauberberg, Erster Band (1924) – Project Gutenberg – https://www.gutenberg.org/ebooks/65661
  5. Mark Twain: What Is Man? and Other Essays, darin „Concerning Tobacco“ – Project Gutenberg – https://www.gutenberg.org/ebooks/70

Häufige Fragen

Was ist ein Toebackje?

So nannten die Niederländer des 17. Jahrhunderts ein Stillleben mit Tabak, Pfeife und Rauchgerät. Typisch sind langstielige Tonpfeifen, eine Tabaksdose, ein Feuertopf mit glimmender Kohle und ein Bier- oder Weinglas. Der Haarlemer Maler Pieter Claesz gehörte zu den Meistern der Gattung. Neben aller Behaglichkeit tragen die Bilder eine Vanitas-Botschaft: Der Rauch vergeht wie der Genuss.

Warum malte van Gogh seinen Stuhl mit Pfeife und Tabak?

Das Bild von 1888 ist ein Stellvertreter-Porträt. Es bildet ein Paar mit „Gauguins Stuhl“: hier der schlichte Holzstuhl im Tageslicht mit Pfeife und Tabaksbeutel, dort der elegante Armlehnstuhl bei Nacht mit Kerze und Büchern. Als Anregung gilt eine Zeichnung von Charles Dickens’ leerem Stuhl, die nach dessen Tod 1870 erschien. Das Original hängt in der National Gallery in London.

Was bedeutet Magrittes „Ceci n’est pas une pipe“?

Magritte malte 1929 eine Pfeife und schrieb darunter, dies sei keine Pfeife. Gemeint ist: Das Bild ist nur eine Darstellung, stopfen und rauchen kann man es nicht. Das Gemälde „La trahison des images“ gehört dem Los Angeles County Museum of Art und gilt als Lehrstück über das Verhältnis von Bild, Wort und Ding.

Welche Zigarre raucht Hans Castorp im „Zauberberg“?

Die „Maria Mancini“, eine Bremer Marke, die Castorp als Sumatra-Havanna mit Sandblattdecker beschreibt – mittelvoll, würzig und für neunzehn Pfennig zu haben. Hofrat Behrens hält mit seiner kräftigen „St. Felix-Brasil“ dagegen. Die Szene im Kapitel „Humaniora“, in der beide ihre Zigarren tauschen und prüfen, ist ein kleines Lehrstück in Zigarrenkunde.

Woher stammt der Ausdruck „three pipe problem“?

Aus Arthur Conan Doyles Erzählung „Die Liga der Rothaarigen“ von 1891. Sherlock Holmes nennt einen Fall ein Problem von drei Pfeifen und bittet Watson, ihn fünfzig Minuten lang nicht zu stören. Die Wendung wird bis heute gern für knifflige Aufgaben zitiert, die Ruhe und Zeit zum Nachdenken brauchen.