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Tabakmuseen und Kulturorte
Wo Tabak über Generationen Arbeit und Wohlstand brachte, sind Museen und Kulturorte geblieben – in alten Zigarrenfabriken, Tabakscheunen und Fachwerkhöfen, in einer königlichen Fabrik in Sevilla und einem Grachtenhaus in Amsterdam. Diese Seite führt zu den Häusern im deutschsprachigen Raum, in Europa und in Amerika, erklärt, was ihre Sammlungen zeigen, und nennt die Scheunenlandschaften, die man unter freiem Himmel erkunden kann.
| Deutschland | Bünde (seit 1937), Lorsch, Mahlberg, Hockenheim, Rödersheim-Gronau, Vierraden, Ruhla |
|---|---|
| Österreich und Schweiz | Museum Pfeilburg in Fürstenfeld, Tabakfabrik Linz und Kunsthalle Krems als Kulturorte, Tabak- und Zigarrenmuseum in Menziken |
| Europa | Real Fábrica de Tabacos in Sevilla, Amsterdam Pipe Museum, Musée du tabac in Bergerac, Nationaal Tabaksmuseum in Wervik |
| Amerika | Museo del Tabaco in Havanna, Tobacco Row in Richmond, Duke Homestead in Durham, Ybor City in Tampa |
| Typische Sammlungen | Wickeltische, Formen und Pressen, Kisten und Bauchbinden, Pfeifen aus Ton, Porzellan und Meerschaum, Dosen und Werbeschilder |
| Unter freiem Himmel | Schuppendörfer der Südpfalz, Tabakschuppen in Lorsch, Rundgang in Vierraden, Tal von Viñales (UNESCO-Welterbe seit 1999) |
| Besuch | Oft ehrenamtlich geführt und saisonal geöffnet; vorab informieren, Gruppenführungen meist nach Absprache |
Was Tabakmuseen zeigen
Die meisten Tabakmuseen sind jünger, als man vermuten würde. Viele entstanden in den 1980er- und 1990er-Jahren, als die letzte Zigarrenfabrik am Ort schloss oder die letzten Pflanzer aufgaben, getragen von Heimatvereinen, Städten und Sammlern. Oft stehen sie in Gebäuden, die selbst zur Geschichte gehören, und erzählen mehr von Arbeit, Handwerk und Alltag als vom Rauchen; die große Linie dahinter beschreibt die Seite Geschichte des Tabaks. Immer wieder begegnet man denselben Objektgruppen:
- Werkzeug und Maschinen: Pflanzmaschinen, Einfädelnadeln, Tabakschneider, Wickeltische, Zigarrenformen und Pressen.
- Verpackung und Grafik: Kisten mit Brandstempel, Bauchbinden, geprägte Deckelblätter, Blechdosen, manchmal sogar die Lithografiesteine der Etiketten.
- Rauchgerät: Pfeifen aus Ton, Porzellan, Holz und Meerschaum, Zigarrenspitzen, Etuis, Tabaksbeutel und Schnupftabakdosen.
- Werbung: Emailschilder, Plakate und Ladeneinrichtungen als Stücke Designgeschichte.
Dazu kommt fast überall die Sozialgeschichte, von der Heimarbeit in der Wohnstube bis zur Frauenarbeit in den Fabriksälen. Viele Häuser widmen außerdem der Gesundheit einen eigenen Bereich; die sachliche Einordnung dazu steht auf der Seite Tabak und Gesundheit.
Deutschland: Zigarrenstädte, Tabakdörfer, Pfeifenmacher
Bünde: das Museum der Zigarrenstadt
Das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum im ostwestfälischen Bünde wurde 1937 eröffnet. Es steht im Striedieckschen Hof, einem Fachwerkbau von 1828, der zunächst landwirtschaftlich genutzt und nach 1870 teilweise zur Zigarrenfabrik umgebaut wurde. Warum ausgerechnet Ostwestfalen zur Zigarrenregion wurde, erklärt die Ausstellung gleich mit: Der Überseetabak kam über Bremen und die Weser, und im Zollverein war Rohtabak billig einzuführen, fertige Zigarren dagegen teuer – also wickelte man im Inland. Als Begründer der Bünder Zigarrenindustrie gilt Tönnies Wellensiek, der 1843 seine Manufaktur eröffnete. Heute zeigt das Museum rund 2.230 Exponate und 31 Medienstationen, von Maschinen, Kisten und Werbemitteln bis zu Pfeifen prominenter Raucher; Theodor Heuss und Ludwig Erhard zählten zu den bekannten Besuchern. Die Stadt plant eine Neuausrichtung der Dauerausstellung und hat 2026 die Bürgerschaft um Ideen gebeten.
Lorsch: Zigarren im Schatten des Welterbes
In Lorsch an der Bergstraße ist Tabakanbau seit 1680 belegt, und zwischen 1861 und 1983 zählte die Stadt über fünfzig kleinere und fünf größere Zigarrenfabriken. Das Tabakmuseum im Museumszentrum nahe der karolingischen Torhalle, betreut vom örtlichen Heimat- und Kulturverein, folgt dem Tabak vom Anzuchtbeet über Trockengestell und Wickeltisch bis zu Formpresse, Kiste und Bauchbinde und zeigt kunsthandwerkliches Zubehör für Raucher, Schnupfer und Kauer, darunter Zigarrenspitzen aus Meerschaum. Sammler horchen bei der Sammlung Manthe auf: rund 211.000 Bauchbinden und Deckelblätter von Zigarrenkisten, nach Angaben der Stadt als Rekord im Guinness-Buch eingetragen. Seit 2017 ist zudem der letzte Lorscher Tabakschuppen, ein denkmalgeschützter Holzbau von rund 50 Metern Länge mit beweglichen Lamellen, als Museum des Tabakanbaus eingerichtet. Man besichtigt ihn nur mit Führung und in der wärmeren Jahreshälfte; daneben wächst seit 2013 wieder Tabak, und im Obergeschoss hängt die Ernte des Vorjahres.
Der Südwesten: Mahlberg, Hockenheim, Rödersheim-Gronau
Am Oberrhein liegen die Häuser dicht beieinander. Das Oberrheinische Tabakmuseum in Mahlberg füllt seit 1992 eine ehemalige Zigarrenfabrik: vier Etagen und einen Tabakschopf mit rund 1.500 Quadratmetern, dazu eine Fachbibliothek. Die Gegend hat Tabaktradition: Im benachbarten Lahr gründete Carl Ludwig Lotzbeck 1774 eine Schnupftabakfabrik, und von 1920 bis 2007 hatte dort die Tabakmanufaktur Roth-Händle ihren Sitz. In Hockenheim eröffnete 1984 das erste Tabakmuseum Baden-Württembergs, seit 2010 in der Zehntscheune. Es erinnert an eine Stadt, in der in den 1920er-Jahren 28 Zigarrenfabriken weit über 2.000 Menschen beschäftigten, viele davon Frauen; hinzu kamen Heimarbeiterinnen in zahlreichen Kleinbetrieben. Neben Arbeitstischen, Formen, Pressen und Waagen zeigt das Museum eine Pfeifensammlung. Ganz auf das Handwerk konzentriert sich das Sozialhistorische Zigarrenfabrikmuseum der Pfalz in Rödersheim-Gronau: In seiner Schaumanufaktur entstehen bei Vorführungen Zigarren nach der europäischen Technik, die von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1950er-Jahre üblich war – Rippen, Reißen, Wickeln, Rollen.
Vierraden: Tabakland an der Oder
In der Uckermark begründeten 1686 hugenottische Siedler gemeinsam mit einem aus Holland angeworbenen Fachmann den Tabakanbau, und bis heute stehen in den Dörfern um Schwedt viele Tabakscheunen. Das Tabakmuseum Vierraden ist selbst in einer denkmalgeschützten, dreigeschossigen Scheune untergebracht. Auf rund 500 Quadratmetern erzählt es von Anbau, Handel und Verarbeitung an Oder und Randow, unter dem Dach hängt aufgefädelter Tabak, und draußen gehören über 1.400 Quadratmeter mit Schaubeeten, Bauerngarten und alten Landmaschinen dazu. Die Ausstellung ist auch auf Englisch und Polnisch zu erleben. Weil sich die Scheune nicht heizen lässt, öffnet das Museum nur in der warmen Jahreszeit.
Rhön und Thüringer Wald: die Pfeifenmacher
Unter dem Namen Deutsches Tabakpfeifenmuseum zeigte das Valentin-Rathgeber-Haus in Oberelsbach, ein ehemaliges Pfarrhaus in der Rhön, ab 1996 Pfeifen und Rauchkultur des deutschsprachigen Raums, darunter einen Querschnitt der Rhöner Pfeifenherstellung. Das Museum ist inzwischen geschlossen. Erlebbar bleibt die Tradition in Ruhla im Thüringer Wald, wohin Rhöner Schnitzer 1739 ihre Holzköpfe brachten, um sie mit Deckeln beschlagen zu lassen; gut hundert Jahre später lebten dort 115 Fabriken, Geschäfte und Werkstätten von der Pfeife. Das Orts- und Tabakpfeifenmuseum in einem Fachwerkhaus von 1614 zeigt mehrere hundert Pfeifen aus Holz, Ton, Porzellan und Meerschaum, darunter geschnitzte Meerschaumköpfe und bemalte Porzellanpfeifen, und erklärt, wie aus dem Rohblock eine rauchbare Pfeife wird. Der letzte Ruhlaer Meerschaumkopfschneider starb 1981. Die ganze Entwicklung vom Tonstiel zur Bruyère erzählt die Seite Geschichte des Pfeifenrauchens.
Österreich und Schweiz
Österreichs Tabakgeschichte war lange die Geschichte eines Monopols: 1784 fasste Joseph II. das Tabakwesen aller österreichischen Länder in der staatlichen Tabakregie zusammen. Das Österreichische Tabakmuseum in Wien besteht nicht mehr; über 150 Stücke daraus sind als Leihgaben in das Vorarlberger Tabakmuseum der Gemeinde Frastanz gelangt. In Fürstenfeld in der Steiermark, wo Tabak seit dem späten 17. Jahrhundert verarbeitet und bis 2005 Zigarren gefertigt wurden, gehört ein Tabakmuseum zum Museum in der Pfeilburg. In der Schweiz war das Aargauer Wynental, das man das „Stumpenland“ nennt, ein Zentrum der Zigarrenherstellung. Dort zeigt das Tabak- & Zigarren-Museum aargauSüd in Menziken seit 2000 in einer ehemaligen Kapelle die Sammlung von Urs Merz: rund 13.000 Schachteln und Etiketten, etwa 125.000 Bauchringe und 250 Plakate und Emailschilder, dazu Maschinen und die Herstellung von Stumpen und Zigarren. Geöffnet ist es an ausgewählten Sonntagen, Führungen gibt es auf Anfrage.
Europa: königliche Fabriken und Pfeifenkabinette
Sevilla: die Real Fábrica de Tabacos
Sevilla war Spaniens Tor nach Amerika, und schon 1620 arbeitete hier eine Tabakfabrik, die als erste Europas gilt. Ihr Nachfolgebau vor den Stadtmauern, die Real Fábrica de Tabacos, wurde 1728 begonnen, produzierte ab 1758 und war laut einer Inschrift 1770 vollendet. Mit rund 185 mal 147 Metern Grundfläche übertrifft ihn in Spanien nur der Escorial; ein Graben umgibt ihn auf drei Seiten, und Reliefs am Eingangsbogen erzählen von Geschichte und Verarbeitung des Tabaks. Berühmt machten die Fabrik ihre Arbeiterinnen. Im 19. Jahrhundert übertrug die Verwaltung das Zigarrenmachen zunehmend Frauen, und die Cigarreras von Sevilla wurden zum Motiv für Fotografen und Maler. Prosper Mérimée machte 1845 eine von ihnen zur Heldin seiner Novelle „Carmen“, Georges Bizet 1875 zur Titelfigur seiner Oper. Seit den 1950er-Jahren ist der Bau Sitz des Rektorats der Universität und damit kein Museum; welche Bereiche zugänglich sind, klärt man vorab.
Amsterdam: ein Kabinett der Pfeifen
Das Amsterdam Pipe Museum an der Prinsengracht geht auf den Sammler Don Duco zurück, der 1969 begann, Tonpfeifen zusammenzutragen; bis 2013 hieß das Haus Pijpenkabinet. In einem Grachtenhaus des 17. Jahrhunderts zeigt es Pfeifen aller Kontinente aus Ton, Porzellan, Meerschaum und Holz, dazu Opium- und Wasserpfeifen. Im Gedächtnis bleiben eine Pfeife, die das Museum auf 550 v. Chr. datiert, und eine Meerschaumpfeife mit sieben silbernen Kanonen, aus denen beim Rauchen Dampf aufsteigt. Bibliothek und Archiv machen das Haus zugleich zu einer Forschungsstelle.
Frankreich und Flandern: Bergerac, Saint-Claude, Wervik
In Bergerac, dessen Umland der Tabakanbau lange geprägt hat, besteht seit 1950 das städtische Musée du tabac; seit 1983 residiert es in der Maison Peyrarède, einem Stadtpalais des 17. Jahrhunderts. Es verfolgt den Tabak über drei Jahrtausende und alle Kontinente. Als das Pariser Museum der Seita, des einstigen französischen Staatsunternehmens für Tabak, geschlossen und seine Sammlung aufgelöst wurde, erhielt Bergerac 521 Objekte daraus, mehr als 300 davon aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Im Jura zeigt das Musée de la Pipe et du Diamant in Saint-Claude, gegründet von der Bruderschaft der Pfeifenmachermeister und dem Verband der Diamantschleifer des Haut-Jura, Werkzeuge, Maschinen und Pfeifen aus einer Stadt, die im 19. Jahrhundert zu den großen Zentren der Pfeifenindustrie zählte. Im flämischen Wervik öffnete 1987 das Tabakmuseum, das seit 2003 Nationaal Tabaksmuseum heißt, mit einer Tabakschneiderei aus der Vorkriegszeit, einer nachgebauten Raucherkneipe des 17. Jahrhunderts und einem Archiv voller Bauchbinden, Sammelbilder und Werbung.
Amerika: Havanna, Virginia, Florida
Havanna und Viñales
In der Altstadt von Havanna unterhält das Büro des Stadthistorikers seit 1993 das Museo del Tabaco in einem Haus des 18. Jahrhunderts an der Calle Mercaderes. Es reicht von der Nachbildung eines Tabak-Idols der Taíno und Pfeifen aus Grabungen bis zu Bauchbinden und Habilitaciones, den lithografierten Papierausstattungen der Zigarrenkisten. Lithografiesteine aus Bayern erinnern daran, wie um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Steindruck in die Welt der Havannas kam, und eine Presse aus der Fabrik La Corona sowie der Tisch eines Torcedors holen die Werkstatt ins Museum. Ebenso gefragt sind Führungen durch arbeitende Manufakturen, etwa die der 1845 gegründeten Marke Partagás, deren Produktion 2012 aus der alten Fabrik in der Calle Industria an einen neuen Standort außerhalb der Altstadt zog. Den Tabak liefert vor allem die Provinz Pinar del Río, deren Tal von Viñales seit 1999 nicht zuletzt wegen seines traditionellen Tabakanbaus zum UNESCO-Welterbe zählt. Mehr zu Herkunft und Marken bietet kubanische-zigarren.org.
Virginia und North Carolina
In Richmond, der Hauptstadt Virginias, erzählt weniger ein Museum als ein ganzes Viertel die Tabakgeschichte: Tobacco Row, eine Reihe von Lagerhäusern und Zigarettenfabriken am James River, deren mehrstöckige Backsteinbauten die Ernte vor Feuer schützen sollten. Bis Ende der 1980er-Jahre zogen die Tabakfirmen aus, seit den 1990er-Jahren sind in den Hallen Wohnungen, Büros und Läden entstanden. In Richmond kam 1871 auch Lucky Strike auf den Markt, damals als Kautabak. Im benachbarten North Carolina bewahrt die Duke Homestead State Historic Site in Durham das Anwesen, dessen Wohnhaus Washington Duke um 1852 errichtete. Aus der Verarbeitung in den Schuppen dieses Hofs wuchs die American Tobacco Company, bis zu ihrer kartellrechtlichen Zerschlagung 1911 das größte Tabakunternehmen der Welt. Zu sehen sind das Wohnhaus, Tabakscheunen, die frühen Fabrikschuppen und im Besucherzentrum ein Tabakmuseum.
Tampa: Ybor City
In Tampa wuchs ab den 1880er-Jahren Ybor City heran, ein Viertel der Zigarrenmacher, geprägt von Zuwanderern aus Kuba, Spanien und Italien. Der Ybor City Museum State Park, ein Museum in einer früheren Bäckerei, erzählt von der Zigarrenindustrie und ihrer Einwanderergemeinde bis in die 1930er-Jahre; Ranger führen durch die Casitas, die kleinen Wohnhäuser der Zigarrenarbeiter.
Fabriken als Kulturorte
Manche Fabriken waren schon zu ihrer Zeit gebaute Werbung, andere machten eine zweite Karriere als Kulturbau. Die Yenidze in Dresden ließ der Zigarettenfabrikant Hugo Zietz 1908/09 errichten, benannt nach dem Anbaugebiet Yenice im heutigen Nordgriechenland, aus dem sein Orienttabak kam. Weil nahe dem Stadtzentrum kein als solcher erkennbarer Fabrikbau entstehen durfte, bekam das Haus eine farbig verglaste Kuppel und einen Schornstein in Gestalt eines Minaretts; die „Tabakmoschee“ ist heute ein Bürohaus mit Restaurant und Bühne unter der Kuppel. In Linz entstand von 1929 bis 1935 nach Plänen von Peter Behrens und Alexander Popp die Tabakfabrik, der erste Stahlskelettbau Österreichs im Stil der Neuen Sachlichkeit. Seit dem Ende der Zigarettenproduktion 2009 ist sie ein Quartier für Kreative und Veranstaltungen, dessen Häuser nach historischen Zigarettenmarken wie Casablanca, Dames und Smart heißen. Die Kunsthalle Krems nutzt seit 1995 eine Tabakfabrik von 1852, und in Madrid ist die einstige Fabrik der Cigarreras als „Tabacalera“ ein Zentrum für Kunst und Kultur. In Vierraden schließlich hat ein Verein den neugotischen Tabakspeicher von 1875 saniert und zum Veranstaltungsort gemacht.
Tabakscheunen-Routen: Kulturlandschaft unter freiem Himmel
Viele Tabakdenkmäler stehen nicht in Vitrinen, sondern am Ortsrand: hohe, luftige Schuppen, in denen die Blätter an der Luft trockneten. Wie die Trocknung abläuft, erklärt die Seite Verarbeitung.
- Südpfalz: Hayna, ein Ortsteil von Herxheim, steht mit seinem alten Ortskern samt mehr als hundert Holzschuppen als Denkmalzone unter Schutz. Herxheim selbst besitzt am Bruchweg eine Schuppenstraße mit Bauten auf beiden Seiten, und Hatzenbühl, der Überlieferung nach Deutschlands ältester Tabakort, hat einen Tabakrundweg.
- Bergstraße und Uckermark: Der Lorscher Schuppen zeigt Anbau und Trocknung an einem Ort; in Vierraden führt ein Rundgang des Heimatvereins mit grünen Schildern zu Tabakscheunen auf Feldsteinsockeln.
- Niederlande: In Amerongen, wo vom 17. bis ins 20. Jahrhundert Tabak wuchs, stehen noch rund zehn Tabakscheunen, und in einer restaurierten Scheune zeigt das Amerongs Historisch Museum, bis 2025 Tabaksteeltmuseum genannt, drei Jahrhunderte Tabakanbau.
- Kuba und USA: Im Tal von Viñales erlebt man den traditionellen Tabakanbau als ganze Landschaft, auf der Duke Homestead stehen amerikanische Tabakscheunen neben dem Wohnhaus der Familie.
Die Häuser im Überblick
| Ort | Haus | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Bünde (Westfalen) | Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum | Zigarrenindustrie, Kulturgeschichte, Maschinen |
| Lorsch (Hessen) | Tabakmuseum im Museumszentrum, Tabakschuppen | Zigarrenherstellung, Bauchbinden, Anbau |
| Mahlberg (Baden) | Oberrheinisches Tabakmuseum | Anbau und Verarbeitung am Oberrhein |
| Hockenheim (Baden) | Tabak-Museum in der Zehntscheune | Zigarrenfabrik-Geräte, Pfeifensammlung |
| Rödersheim-Gronau (Pfalz) | Sozialhistorisches Zigarrenfabrikmuseum | Zigarrenmachen in Vorführungen |
| Schwedt-Vierraden (Uckermark) | Tabakmuseum Vierraden | Anbau, Trocknung, Schaubeete |
| Ruhla (Thüringen) | Orts- und Tabakpfeifenmuseum | Pfeifenherstellung, Meerschaum, Porzellan |
| Menziken (Aargau) | Tabak- & Zigarren-Museum aargauSüd | Stumpen, Etiketten, Plakate |
| Sevilla | Real Fábrica de Tabacos | Königliche Fabrik, heute Universität |
| Amsterdam | Amsterdam Pipe Museum | Pfeifen aller Kontinente |
| Bergerac (Périgord) | Musée du tabac | Kulturgeschichte über drei Jahrtausende |
| Wervik (Flandern) | Nationaal Tabaksmuseum | Tabakschneiderei, Verpackung, Werbung |
| Havanna | Museo del Tabaco | Bauchbinden, Kistenausstattung, Lithografie |
| Durham (North Carolina) | Duke Homestead State Historic Site | Tabakfarm, Scheunen, Museum |
| Tampa (Florida) | Ybor City Museum State Park | Zigarrenindustrie, Einwanderung |
Besuchstipps
Viele Tabakmuseen werden von Vereinen und Ehrenamtlichen getragen und öffnen nur an wenigen Nachmittagen oder einzelnen Sonntagen; Häuser in Scheunen meist nur in der warmen Jahreszeit, andere pausieren im Hochsommer oder im Winter. Gruppenführungen lassen sich fast überall auch außerhalb dieser Zeiten verabreden – oft die ergiebigste Art, ein kleines Haus kennenzulernen, weil dann Zeit für Fragen bleibt.
- Vorher prüfen: Öffnungstage und Führungen ändern sich; in Bünde steht eine Neukonzeption an, in Havanna wechseln die Zugänge häufig, und bei Kulturbauten wie der Real Fábrica oder der Yenidze ist nur zugänglich, was ihre Nutzer öffnen.
- Die Pflanze erleben: Zwischen Frühsommer und Herbst stehen in Lorsch, Vierraden und Amerongen die Pflanzen auf den Schaufeldern, danach hängt die Ernte zum Trocknen – eine anschauliche Ergänzung zur Seite Die Tabakpflanze.
- Bibliotheken nutzen: Mahlberg, Rödersheim-Gronau und das Amsterdam Pipe Museum besitzen Fachbibliotheken, Lorsch öffnet sein Archiv auf Anfrage – hilfreich für alle, die Marken, Etiketten oder Pfeifen bestimmen wollen.
Praxistipp: Am Oberrhein lassen sich Mahlberg, Hockenheim und Rödersheim-Gronau mit den Schuppendörfern der Südpfalz und dem Lorscher Tabakschuppen zu einer kleinen Tabakreise verbinden. Weil die kleinen Häuser nur an bestimmten Tagen öffnen, richtet man die Reihenfolge nach ihren Terminen aus und fragt bei Vereinsmuseen rechtzeitig nach einer Führung.
Quellen
- Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum – Stadt Bünde – https://www.buende.de/Freizeit-I-Tourismus/Museum/Tabak-und-Zigarrenmuseum/
- Tabakmuseum im Museumszentrum und Museum des Tabakanbaus – Stadt Lorsch – https://lorsch.de/de/kultur/museen/tabakmuseum.php
- Amsterdam Pipe Museum – https://pipemuseum.nl/en/
- Real Fábrica de Tabacos de Sevilla – Wikipedia (spanisch) – https://es.wikipedia.org/wiki/Real_F%C3%A1brica_de_Tabacos_de_Sevilla
- Museo del Tabaco, La Habana – EcuRed – https://www.ecured.cu/Museo_del_Tabaco
Häufige Fragen
- Gibt es das Deutsche Tabakpfeifenmuseum noch?
Nein. Das Deutsche Tabakpfeifenmuseum, das ab 1996 im Valentin-Rathgeber-Haus in Oberelsbach in der Rhön zu sehen war, ist geschlossen. Historische Pfeifen zeigen heute vor allem das Orts- und Tabakpfeifenmuseum in Ruhla, die Tabakmuseen in Hockenheim und Lorsch sowie international das Amsterdam Pipe Museum.
- Wo lernt man am meisten über die Herstellung von Zigarren?
In den früheren Zigarrenstädten: im Deutschen Tabak- und Zigarrenmuseum in Bünde, im Tabakmuseum Lorsch und in den Museen von Hockenheim und Mahlberg. Wer das Handwerk in Aktion sehen möchte, besucht eine Vorführung im Sozialhistorischen Zigarrenfabrikmuseum der Pfalz in Rödersheim-Gronau, wo Zigarren nach europäischer Art gerippt, gewickelt und gerollt werden.
- Kann man in Havanna eine Zigarrenfabrik besichtigen?
Führungen durch arbeitende Manufakturen sind in Havanna ein beliebter Programmpunkt, etwa bei Partagás, dessen Produktion 2012 aus der alten Fabrik in der Calle Industria an einen neuen Standort umgezogen ist. Angebote und Zugänge ändern sich häufig, daher erkundigt man sich vor Ort. Ergänzend zeigt das Museo del Tabaco in der Altstadt Bauchbinden, Kistenausstattungen, Lithografiesteine und historisches Rauchgerät.
- Ist die Real Fábrica de Tabacos in Sevilla ein Museum?
Nein. Seit den 1950er-Jahren ist sie Sitz des Rektorats der Universität von Sevilla. Der Bau aus dem 18. Jahrhundert ist aber selbst ein Zeugnis der Tabakgeschichte: Hier arbeiteten die Cigarreras, denen Prosper Mérimée und Georges Bizet mit „Carmen“ ein literarisches und musikalisches Denkmal setzten. Welche Bereiche Besucher betreten können, klärt man vorab.
- Wo sieht man historische Tabakscheunen?
In der Südpfalz, besonders in der Denkmalzone Hayna bei Herxheim und in Hatzenbühl, in Lorsch, wo ein Tabakschuppen als Museum eingerichtet ist, und in Vierraden in der Uckermark, dessen Tabakmuseum selbst in einer Scheune steht. In den Niederlanden prägen Tabakscheunen das Dorf Amerongen, auf Kuba bestimmt der Tabakanbau das Tal von Viñales.